Fußball-EM: Kollers „Idee“ ging auf - ÖFB-Team hofft auf Achtelfinale

Paris (APA) - Das österreichische Fußball-Nationalteam darf bei der EM in Frankreich weiter auf den Achtelfinal-Einzug hoffen. Dafür benötig...

Paris (APA) - Das österreichische Fußball-Nationalteam darf bei der EM in Frankreich weiter auf den Achtelfinal-Einzug hoffen. Dafür benötigt die ÖFB-Auswahl am Mittwoch (18.00 Uhr/live ORF eins) im Stade de France in St. Denis bei Paris allerdings einen Sieg gegen Island. Teamchef Marcel Koller sieht sein Team nach dem glücklich erkämpften 0:0 am Samstag in Paris gegen Portugal auf dem richtigen Weg.

„Mit dem einen Punkt sind wir noch am Leben und jetzt geht es weiter“, erklärte Koller. Gegen die Isländer muss seinem Team zum Abschluss der Gruppenphase das erste Tor im Turnier gelingen, sonst steht die Heimreise fest. Sorgen über die spielerischen Leistungen wies der Schweizer zurück. „Das beunruhigt nicht. Es gibt auch Phasen. Wir können nicht immer noch von der EURO-Qualifikation träumen. Das ist schon lange vorbei.“

Nach dem verpatzten EM-Start gegen Ungarn (0:2) seien die Spieler zwei Tage lang geknickt gewesen. „Jetzt wird die Moral ganz anders ausschauen. Und das ist wichtig“, meinte Koller. „Du brauchst Selbstvertrauen, um gut Fußball spielen zu können.“ Dieses sei zuletzt ein bisschen abhandengekommen. Mit dem Ergebnis gegen Portugal könne man „das Pflänzchen wieder ausbauen“.

Bei einer Endrunde gelte es, immer aktuell auf Form und Umstände zu reagieren. Koller tat es, indem er gegen die Portugiesen den nicht vollkommen fitten Goalgetter Marc Janko auf der Bank ließ. „Man hat gesehen, dass ein bisschen die Matchpraxis fehlt“, begründete der Chefcoach. Nach seiner im April erlittenen Muskelverletzung im Adduktorenbereich habe Janko zuletzt rund eine Woche wegen Nackenproblemen nicht richtig trainieren können.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

„Bei so einem Turnier hast du nicht die Zeit, das groß aufzubauen“, betonte Koller. Die Abstände zwischen den Spielen seien kurz. „Wir haben uns eine andere Idee überlegt, wie wir spielen wollen. Das ist sehr gut aufgegangen.“ Defensiver, abwartend - und mit David Alaba hinter dem zur Speerspitze umfunktionierten Flügelspieler Martin Harnik im offensiven Mittelfeld.

Alaba vermochte in der Rolle des am Knöchel verletzten Spielmachers Zlatko Junuzovic nicht zu glänzen. Der 24-Jährige brachte nur 59 Prozent seiner Pässe an den Mann - weniger als alle anderen Akteure. „Für ihn war es schwer, neuerlich eine andere Position zu bearbeiten“, verteidigte Koller seinen Topstar, der bei Bayern München linker Verteidiger spielt - und im ÖFB-Team üblicherweise im zentralen Mittelfeld.

„Aus meiner Sicht hat er das gut gemacht mit Harnik da vorne. Es war schwierig für beide, sich in Szene zu setzen. Sie haben auch in der Defensive viele Räume zugemacht“, sagte Koller. Dennoch nahm er Alaba bereits in der 65. Minute vom Platz. Dieser wirkte darüber nicht wirklich glücklich. Starallüren erwartet Koller aber keine. Alaba habe seine Aufgabe auf dem Feld erfüllt. „Da gibt es keinen Grund, irgendwie trotzig oder unzufrieden zu sein. Wir haben noch ein drittes Spiel. Das wird wichtig, um weiter dabei zu sein. Nur das zählt.“

Mit dem Wechsel - Ersatzmann Alessandro Schöpf brachte in 29 Minuten Einsatzzeit 16 Pässe an den Mann, Alaba in 64 gerade einmal 10 - wollte Koller laut eigenen Angaben noch einmal frische Kräfte mobilisieren. Wenn es erlaubt wäre, hätte er gerne öfter als dreimal getauscht. „Man hat gesehen, dass der eine oder andere durch diese geschlossene Defensivarbeit recht ausgelaugt war.“

Auch gegen Island wird Präsenz gefragt sein. „Das ist eine extrem kompakte Mannschaft, körperlich stark, auch mit guten Fußballern“, sagte Koller über den EM-Debütanten. Vor etwas mehr als zwei Jahren hatte es in einem Testspiel in Innsbruck ein 1:1 gegeben. Koller: „Wir werden uns sicher etwas überlegen, um das Spiel auch für uns gestalten zu können.“

Inwieweit der gegen Portugal so starke defensive Mittelfeldmann Stefan Ilsanker in den Plänen eine Rolle spielt, ist offen. Neben dem Salzburger lobte Koller auch dessen Nebenmann Julian Baumgartlinger, Marko Arnautovic und Marcel Sabitzer namentlich für das verrichtete Pensum an Defensivarbeit. „Die Drecksmeter, die Schweinemeter in der Defensive, die macht keiner gerne. Aber es gibt keinen, der irgendwie abgefallen wäre.“

Im Defensivverhalten seien „ein paar Korrekturern angebracht“ worden. Dadurch habe man selbst Portugals Superstar Cristiano Ronaldo relativ gut im Griff gehabt. „Er hatte die eine oder andere Aktion. Ich glaube aber, dass wir ihn gut zugestellt haben“, meinte Koller. Dass der dreimalige Weltfußballer einen Elfmeter an die Stange schoss, sei natürlich auch Glück gewesen. „Wenn er den Ball getroffen hätte, wäre das wahrscheinlich unsere Nach-Hause-Reise gewesen.“ Stattdessen gibt es nun am Mittwoch ein echtes Finale gegen Island.


Kommentieren