Wahlkampf zum Brexit-Referendum läuft nach Attentat wieder an

Vor drei Tagen wurde Joanne Cox von einem Attentäter getötet. Nun wird der Wahlkampf langsam wieder aufgenommen.

Ein Plakat von Brexit-Befürwortern. Beide Kampagnen kämpfen ab Sonntag wieder um Wählerstimmen.
© AFP

London – Drei Tage nach dem tödlichen Attentat auf die Labour-Abgeordnete Jo Cox haben in Großbritannien Befürworter und Gegner eines Verbleibs in der EU ihren Wahlkampf wieder aufgenommen. Beide Seiten warben in Interviews und Beiträgen für die Sonntagszeitungen für ihre Standpunkte.

Hauptthemen waren die Konsequenzen eines EU-Austritts für Wirtschaft und Einwanderung. Zuvor hatte das Land unter dem Schock der Attacke auf Cox innegehalten und die zuletzt erbittert geführte Brexit-Debatte unterbrochen.

Die beiden Lager haben nun bis zum Referendum am Donnerstag Zeit, um die Wähler für sich zu gewinnen. Umfragen zeigen insgesamt keinen klaren Trend. Zwei neue Erhebungen deuteten darauf hin, dass die Befürworter eines Verbleibs wieder etwas an Rückhalt gewinnen. Der konservative Premierminister David Cameron, der diese Gruppe anführt, sprach in einem Beitrag für den „Sunday Telegraph“ von einer „existenziellen Entscheidung“ für das Land.

Trump: Großbritannien käme weniger Bürokratie zugute

Der US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump sprach sich unterdessen erneut für einen Brexit aus. Großbritannien würde es außerhalb der EU mit dann weniger Bürokratie besser ergehen, sagt er der Zeitung „Sunday Times“. „Aber ich bin kein Brite. Das ist nur meine Meinung.“

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Nach dem tödlichen Attentat auf die proeuropäische Abgeordnete Cox sieht eine aktuelle Umfrage die EU-Befürworter wenige Tage vor dem Referendum wieder in Führung: Laut der Umfrage des Instituts Survation für die Sonntagszeitung „The Mail on Sunday“ wollen 45 Prozent am Donnerstag für den EU-Verbleib des Vereinigten Königreichs stimmen und 42 Prozent für den Ausstieg.

Brexit-Gegner gewinnen an Boden

Die Umfrage wurde am Freitag und Samstag vorgenommen und ist damit die erste, die die Stimmung nach dem Attentat auf Cox erhob. Bei der zuvor letzten Erhebung des Instituts, die am Donnerstag veröffentlicht worden war, war das Brexit-Lager noch mit 45 zu 42 in Führung gelegen.

Die Website „What UK Thinks“ ermittelt einen Durchschnittswert der letzten sechs veröffentlichten Umfragen. Hatte dieser am Donnerstag die EU-Gegner noch mit vier Punkten in Führung gesehen, so lagen am Sonntag beide Lager wieder bei 50 Prozent.

Cox-Attentäter vermutlich aus rechtsextremen Milieu

Nach dem Mord an Cox verdichteten sich Hinweise auf einen politischen Hintergrund. In der Wohnung des mutmaßlichen Täters sei rechtsextremes Material gefunden worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Samstag beim Haftprüfungstermin des 52-Jährigen mit. Bei seiner Festnahme habe sich der Mann als „politischer Aktivist“ bezeichnet. Er sagte bei dem Gerichtstermin in London auf die Frage nach seinem Namen: „Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien“.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn des Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und des unerlaubten Waffenbesitzes. Ob ein Zusammenhang mit dem EU-Referendum bestand, blieb zunächst offen. Die Polizei nahm den Mann am Donnerstag in der Nähe des Tatorts fest und stellte Waffen bei ihm sicher, darunter eine Schusswaffe. Sie geht von einem Einzeltäter aus. Ein 77-Jähriger, der Cox schützen wollte, wurde durch einen Messerstich in den Bauch verletzt. (APA/Reuters/AFP)


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