Hunderttausende gedachten bei Gay Prides der Opfer von Orlando

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~ --------------------------------------------------------------------- KORREKTUR-HINWEIS In APA157 vom 19.06.2016 ist im letzten Absatz, erster Satz zu ergänzen: ...für kommenden Sonntag geplante ... (Damit soll klargestellt werden, dass die Schwulenparade in Istanbul nicht am heutigen Sonntag hätte stattfinden sollen.) --------------------------------------------------------------------- ~ Wien/USA/Orlando (Florida)/Berlin (APA/AFP/dpa) - Hunderttausende Menschen haben in Wien und anderen Städten Europas an der jährlichen Gay Pride Parade teilgenommen, die heuer im Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Massakers von Orlando stand. Die größte Homosexuellen-Parade fand am Samstag in Wien statt, wo laut den Veranstaltern 130.000 Menschen an dem Umzug teilnahmen.

Bei der Regenbogenparade in Wien wurde eine Schweigeminute für die 49 Menschen abgehalten, die vor einer Woche im Schwulenklub „Pulse“ in Orlando im US-Staat Florida getötet worden waren. Der 29-jährige Schütze Omar Mateen hatte mit einem Sturmgewehr ein Massaker angerichtet, bevor er von der Polizei getötet wurde. Seine Motive sind noch unklar, es gibt Hinweise auf einen radikalislamischen Hintergrund.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) trat als erster österreichischer Regierungschef bei der Regenbogenparade auf. „Mein Name ist Christian Kern. Ich bin hier, um mit euch für Toleranz und Vielfalt einzutreten“, sagte er bei der Abschlussfeier im Votivpark. Er betonte, gemeinsam mit der Community für die Gleichstellung von Homosexuellen eintreten zu werden. „Für mich ist es beschämend, dass wir heute keine vollständige Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in Österreich haben“, sagte Kern. Auch er sprach das Attentat von Orlando an: Dieses sei „ein feiger Mord, der uns daran erinnern soll, was unser gemeinsamer Feind ist, nämlich Hass, Intoleranz und Gewalt“.

Organisator Lui Fidelsberger von der Homosexuellen Initiative (HOSI) sagte, die beste Antwort auf die Bluttat in Florida sei eine noch lauteres und selbstbewussteres Feiern. Wegen des Attentats von Orlando waren die Sicherheitsvorkehrungen schärfer als in den vergangenen Jahren, wie die Wiener Polizei mitteilte, die mit Hunderten Beamten im Einsatz war.

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Der designierte Präsident des Bundesrats, Mario Lindner (SPÖ), outete sich im Rahmen der Abschlussveranstaltung auf der Bühne: „Ich werde in einigen Tagen zum Präsident des Bundesrats ernannt, ich werde in dieser Funktion den neuen Bundespräsidenten angeloben und ich bin schwul“, sagte er. Auch die Grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, SPÖ-Bezirksvorsteher Markus Rumelhart, NEOS-Chef Matthias Strolz und die Wiener NEOS-Vorsitzende Beate Meinl-Reisinger sowie der Grüne Landtagsabgeordnete Peter Kraus wandten sich in Ansprachen gegen Diskriminierung und forderten Toleranz und gleiche Rechte. Die Regenbogenparade endete mit Bands, DJs und den Ansprachen der Politiker bei der finalen „Celebration“ im „Regenbogenpark“ im Votivpark.

In Berlin wurde das Brandenburger Tor anlässlich der Gay Pride in den Farben des Regenbogens angestrahlt, während sich Hunderte Menschen auf dem Pariser Platz versammelten. Vor der angrenzenden US-Botschaft wurden zahlreiche Kerzen angezündet und Blumen für die Opfer von Orlando niedergelegt.

Die Gay Pride wird zahlreichen Ländern der Welt abgehalten und erinnert an eine Revolte von Schwulen gegen die Polizei in einer New Yorker Bar am 28. Juni 1969.

Im Florenz in Italien nahmen laut den Veranstaltern rund 30.000 Menschen an der Gay Pride Parade teil, während tausende weitere in Genua, Palermo, Treviso und Varese zusammenkamen. In Rom waren bereits am 11. Juni mehrere hunderttausend Schwule, Lesben und Transsexuelle durch die Stadt gezogen.

Auch in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon kamen am Samstag rund 5.000 Menschen zusammen, wobei sie mit einem Banner der Opfer von Orlando gedachten. Im ostfranzösischen Metz kamen rund 2.000 Menschen zusammen, ebenso viele in der litauischen Hauptstadt Vilnius. In Sofia gedachten rund tausend Menschen der Opfer von Orlando mit einer Schweigeminute. Trotz des Widerstands der orthodoxen Kirche und von Nationalisten demonstrierte auch dort Hunderte unter Polizeischutz für gleiche Rechte.

In Istanbul hat der Gouverneur die für kommenden Sonntag geplante, jährliche Lesben- und Schwulenparade im Zentrum der türkischen Millionenmetropole auf der Einkaufsmeile Istiklal Caddesi verboten. Zur Begründung führte die Behörde die Sicherheit von Teilnehmern und Bürgern an. Auch der Schutz der öffentlichen Ordnung wurde als Grund genannt. Die Parade zum Abschluss der Istanbuler „Pride Week“ fand seit mehr als zehn Jahren statt und wurde vergangenes Jahr erstmals verboten. Damals verwies der Gouverneur auf den für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan. Dennoch gingen Tausende auf die Straße. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die friedlichen Demonstranten ein. Auch heuer fällt der Termin in den Ramadan. Eine ultrarechte nationalistische Gruppe hatte den diesjährigen Marsch bedroht. Im Zentrum Istanbuls ist es seit Jahresbeginn außerdem zu insgesamt drei schweren Anschlägen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und einer militanten kurdischen Gruppe gekommen.

(Wochenendzusammenfassung)


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