Ertrinken, der lautlose Tod

Kleinkinder unter fünf Jahren sind besonders gefährdet, bei einem Unfall im Gewässer ums Leben zu kommen. Am Montag ertrank in Vorarlberg eine Zweijährige in einem Teich.

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann tragische Folgen haben.
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Innsbruck, Götzis –Ein zweijähriges Mädchen ist am Montag in Götzis in Vorarlberg bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Das Kind verließ in einem unbeobachteten Moment den Vorplatz des Elternhauses, fiel auf dem nicht eingezäunten Nachbargrundstück in einen 67 Zentimeter tiefen Teich und ertrank. Sofort begonnene eineinhalbstündige Wiederbelebungsmaßnahmen blieben ohne Erfolg, teilte die Polizei mit.

Meldungen wie diese haben sich in den vergangenen Tagen gehäuft: Ebenfalls in Vorarlberg war vergangene Woche ein Dreijähriger in einen Hochwasser führenden Bach gestürzt und gestorben. Während im Burgenland ein siebenjähriger Bub im Pool der Eltern ertrank. Drei Geschwister, fünf, acht und neun Jahre alt, konnten vergangenen Samstag aus einem Löschteich im nordhessischen Neukirchen nur noch tot geborgen werden, nachdem sie in das Gewässer gefallen waren.

Rudolf Warzilek, Präsident des Vereins „Sicheres Tirol“, bezeichnet das Ertrinken als „lautlosen Tod“. Oft seien es einige wenige Minuten, in denen Kinder sich in einem unbeaufsichtigten Moment kurz entfernen. „Wasser hat eine magische Anziehungskraft auf die Kinder“, weiß Warzilek. Die Gefahr, die davon ausgeht, könnten die Kleinen allerdings nicht erkennen. Schwimmbecken, Biotope, Tümpel, Regentonnen – sogar eine Badewanne mit einem Wasserstand von nur wenigen Zentimetern – können daher zur tödlichen Falle werden. Warzilek appelliert an die Erwachsenen, Kinder in der Nähe von Wasser nie unbeaufsichtigt zu lassen.

„Die meisten Ertrinkungsunfälle mit Kleinkindern passieren im eigenen Garten oder in der unmittelbaren Wohnumgebung, etwa bei den Nachbarn“, weiß auch Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV). Eine aktuell unter Pool- oder Teichbesitzern durchgeführte KFV-Erhebung zeigt, dass 47 Prozent der privaten Wasserflächen nicht gesichert sind. Besonders folgenschwer: 40 Prozent der befragten Haushalte mit Kindern unter zehn Jahren gaben an, dass ihre Wasserflächen nicht gesichert sind. „Kinder dürfen in der Nähe von Gewässern nie unbeaufsichtigt gelassen werden. Es genügen schon wenige Minuten Ablenkung der Aufsichtsperson und jede Hilfe kommt zu spät – bei Ertrinkungsunfällen zählt jede Sekunde“, so Thann. Kleinkinder können schon bei einer Wassertiefe von zehn Zentimetern ertrinken. „Kinder unter fünf Jahren reagieren in Panik nicht vernünftig und es gelingt ihnen folglich nicht, den Kopf eigenständig aus dem Wasser zu ziehen, sondern sie verfallen in eine Starre mit Atemsperre“, erklärt Thann. Ist ein Kind ins Wasser gefallen, dann zählt jede Sekunde. „Von der Schnelligkeit, mit der die Erste-Hilfe-Maßnahmen durchgeführt werden, kann das Leben des Kindes abhängen.“ An allererster Stelle stehen das Bergen des Kindes und die sofortigen Wiederbelebungsmaßnahmen: Freimachen der Atemwege, Beatmung des Kindes und Herzmassage.

In Österreich sind in den vergangenen drei Jahren insgesamt 114 Menschen ertrunken, jährlich waren es mindestens 30. Im Vorjahr starben laut KFV 31 Personen an den Folgen eines Ertrinkungsunfalles. Neben Erwachsenen sind Kleinkinder unter fünf Jahren besonders gefährdet: Ertrinken ist in dieser Altersgruppe die zweithäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen. (np, APA, TT)


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