Klischee-Check: Die sieben größten Vorurteile über Franzosen

Baskenmütze, Baguette, Froschschenkel, Streiks oder Seitensprünge: Über Franzosen gibt es so viele Vorurteile, wie über sonst kaum ein Volk. Wir haben sieben Klischees unter die Lupe genommen.

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Klischee-Check: Wie ticken die Franzosen wirklich?

Vorurteil 1: Franzosen können keine Fremdsprachen.

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Das mag für einen großen Prozentsatz der älteren Generationen gelten (wie übrigens auch hierzulande), aber die Jugend holt auf. In Österreich wie in Frankreich ist die von den Jugendlichen am häufigsten gesprochene Fremdsprache Englisch (über 90 %). Französisch sprechen rund 5,3 Prozent der Österreicher, während rund 15,3 % der Franzosen des Deutschen zumindest ein wenig mächtig sind. Dabei ist in Frankreich die zweithäufigste Fremdsprache nicht Deutsch sondern Spanisch. Mehr als jeder zweite französische Jugendliche spricht wenigstens ein bisschen Spanisch. Sprache hat in Frankreich also durchaus einen hohen Stellenwert. Viele haben jedoch Hemmungen dann auch wirklich in der Fremdsprache zu sprechen...


Vorurteil 2: Franzosen arbeiten wenig und streiken häufig.

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Seit 1981 wurde in Frankreich schrittweise eine 35-Stunden-Woche für Vollzeit-Arbeitnehmer eingeführt. Die tatsächliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit lag 2007 aber bei 41 Stunden. In Frankreich gibt es also einen deutlichen Hang zu Überstunden. Die Franzosen arbeiteten 2009 laut Eurostat 1469 Stunden, die als fleißig geltenden Deutschen dagegen nur 1309 Stunden. Streiks haben in Frankreich eine lange Tradition. In Frankreich ist das Streikrecht als individuelles Grundrecht in der Verfassung verankert. Zwar sind politische Streiks offiziell illegal, Streiks gegen bestimmte sozial- und wirtschaftspolitische Belange - wie derzeit gegen die Arbeitsmarktreform - werden jedoch nicht als politische Streiks angesehen.


Vorurteil 3: Der Nationalstolz der Franzosen ist riesig und auch die Skepsis gegenüber den USA.

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Journalisten in Österreich bezeichnen Frankreich gerne als "Grande Nation". Doch Franzosen selber wird man nie davon reden hören, sondern eher ein Stirnrunzeln ernten, wenn man diese Bezeichnung verwendet. Frankreich nimmt in außenpolitischen Fragen zwar gern eine unabhängige Position gegenüber den USA ein. Aber Mc Donald's etwa ist in keinem anderen Land so erfolgreich wie hier, und als Starbucks seine erste Filiale in Paris eröffnete, haben die Medien gejubelt.


Vorurteil 4: Franzosen essen vor allem Baguette, Käse und Froschschenkel und trinken viel Wein.

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Froschschenkel wird man nur selten auf der Speisekarte eines Restaurants finden, Schnecken gibt es da schon deutlich öfter. Die Lieblingsspeise der Franzosen ist Kalbsgeschnetzeltes, gefolgt von Couscous und Miesmuscheln. Das Abendessen mit der Familie ist die wichtigste Mahlzeit, vor allem am Sonntag wird da schon ordentlich aufgetischt. Dabei darf ein knuspriges Baguette nicht fehlen, Schwarzbrot wird oft eher misstrauisch beäugt. Einen kleinen Krug Wein schon auf den Mittagstisch zu stellen, ist nichts Außergewöhnliches. Zu einem guten Abendessen fehlt der Wein so gut wie nie.


Vorurteil 5: Franzosen haben bei Seitensprüngen kaum moralische Bedenken.

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Stichwort: "Cinq à septs" zu deutsch "Fünf nach Sieben". Diese so bezeichneten lustvollen Treffen nach Feierabend und vor dem familiären Abendessen sind in Frankreich nichts Ungewöhnliches. Solange es um das rein sexuelle Vergnügen geht, gehört der Seitensprung für viele Franzosen und Französinnen zum Alltag. Mehr als jeder zweite Mann (55 Prozent) und etwa jede dritte Frau (32 Prozent) haben bereits ihren Partner betrogen, wie aus einer Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstituts Ifop hervorgeht. Bei den Deutschen und Briten ist der Fremdgeher-Anteil bei Männern laut der selben Umfrage mit 46 bzw. 42 Prozent geringer, dafür waren demnach 43 Prozent der deutschen Frauen schon mindestens einmal untreu.


Vorurteil 6: Franzosen sind unpünktlich.

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Pünktlichkeit ist in Frankreich in der Tat keine Tugend. Bei einer Einladung wird der Franzose die Gastgeber nicht durch überpünktliches Erscheinen in die Enge treiben – der perfekte Zeitpunkt zum Klingeln an der Tür liegt 15 bis 30 Minuten nach der vorgegebenen Zeit.


Vorurteil 7: Baskenmütze und Ringelshirt gehören zum Kleidungsstil vieler Franzosen.

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Die Originalversion der als Nationalsymbol geltenden Kopfbedeckung ist heute vom Aussterben bedroht. Die Firma Béatex in Südwestfrankreich, die sich als letzte rühmen kann, das Original herzustellen, kämpft gegen die Insolvenz. Die Nachfrage ist eingebrochen, das echte "béret basque" wird heute fast nur noch in der Region getragen, aus der es herkommt: dem Béarn. Imitate erfreuen sich aber nach wie vor einer gewissen Beliebtheit - auch dank der Horden von Touristen.

Und was ist mit dem Ringelshirt? Das geht auf die Kappe der berühmten Designerin Coco Chanel, die Anfang des 20. Jahrhunderts die Modewelt revolutionierte. Ihr Foto des Malers Pablo Picasso im Ringelshirt ging um den Globus. Heute erfreuen sich vor allem blau-weiß-gestreifte Shirts großer Beliebtheit, auch wenn sicher nicht jeder Franzose ein solches im Schrank hat.

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