Wiener Konzerthaus: Pat Metheny‘s Musik zum Träumen

Wien (APA) - „So may it secretly begin“ - ein Songtitel als perfektes Auftaktmotto: Pat Metheny nahm sich Dienstagabend solo seine legendäre...

Wien (APA) - „So may it secretly begin“ - ein Songtitel als perfektes Auftaktmotto: Pat Metheny nahm sich Dienstagabend solo seine legendäre, kreuz- und querbespannte 42-saitige Gitarre, um sein Publikum im ausverkauften Wiener Konzerthaus auf eine grandiose „Werkschau“ aus 40 Jahren einzustimmen. Auch mit 62 ist der US-Amerikaner mit dem charakteristischen Struwwelpeter-Wuschelkopf virtuos wie eh und je.

1976 ist „Bright Size Life“ erschienen, der Erstling des US-Jazzgitarristen - im Nachhinein betrachtet ein sagenhafter Meilenstein der neueren Jazzgeschichte: Da verschlägt es einen 21-jährigen Gitarristen, der eigentlich Trompeter werden hätte sollen, irgendwie in den Wahrnehmungsbereich des deutschen Jazz-Pioniers Manfred Eicher, den Gründer von ECM Records. Und der bringt Metheny im Dezember 1975 ins Tonstudio Bauer in Ludwigsburg - um ihn mit niemand geringerem als Bass-Legende Jaco Pastorius und dem Drummer Bob Moses zusammenzuspannen. Der Rest ist Geschichte...

Heute - 40 Jahre und 20 Grammies später - schaut Pat Metheny gerne und mit Verve auf diese Zeit zurück, bestreitet den Abend überwiegend mit Material aus „Bright Size Life“ und den ebenfalls legendären Alben „Offline“, „Travel“ und „Still Life“. Und straft alle jene Lügen, die ihn entgegen seiner tatsächlichen wechselnden Stilistik immer als bloß melancholischen Schöntöner abgetan haben: Greift sich als Abwechslung zur klassischen Jazzgitarre mehrfach die „einfache“ Stromgitarre und jagt seine akrobatischen Grifffolgen durch den Gitarrensynthie.

Die allerbesten Momente hat der Abend aber bei einer Reihe von „Duetten“ des Stars mit seinen drei exzeptionellen Musikern, allen voran der malaysisch-australischen Bassistin Linda Oh. Fantastisch: „Missouri Sky“, seinerzeit von Pat Metheny mit Bass-Legende Charlie Haden eingespielt und jetzt gemeinsam mit Linda Oh um nichts weniger grandios (sorry Charlie, the new generation rules...). Mitreißend auch die Nummern mit Drummer Antonio Sanchez. Mit dem Mexikaner hat Metheny jahrelang immer wieder gearbeitet. Sanchez ist wohl einer der feinsten Jazz-Schlagzeuger unserer Zeit; und überdies ein erfolgreicher Komponist: Er schrieb u.a. die Musik zum Oscar-Film „Birdman“ seines Landsmannes Alejandro Gonzales Inarritu. Nicht zu vergessen Gwilym Simcock am Piano, ein offensichtlich - und hörbar - aufstrebender Brite, den Metheny bei einem London-Aufenthalt „entdeckte“.

Ganz zum Schluss war Pat Metheny wieder ganz allein auf der Bühne und sorgte mit seiner akustischen Gitarre für einen feinen Ausklang. Einige Kilometer entfernt werkte da ein anderer Gitarren-Hero auch sehr erfolgreich: David Gilmore vor dem Schloss Schönbrunn - aber Pat Metheny hat bewiesen, dass man auch ganz ohne Bombast tief beeindrucken kann.


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