Ein Drittel der Erwerbstätigen in Österreich atypisch beschäftigt

Normalarbeitsverhältnisse gingen seit 2008 stark zurück. Frauen waren wesentlich öfter in atypischen Beschäftigungsformen tätig als Männer, insbesondere in Teilzeitarbeit

Symbolbild.
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Wien – Im Jahr 2015 waren laut Statistik Austria 1,21 Mio. bzw. 33,5 Prozent der unselbständig Erwerbstätigen in Österreich atypisch beschäftigt, d. h. sie arbeiteten Teilzeit, geringfügig, in Leiharbeit, befristet oder mit einem freien Dienstvertrag. Frauen waren wesentlich öfter in atypischen Beschäftigungsformen tätig als Männer, insbesondere in Teilzeitarbeit (Männer: 9,8 Prozent, Frauen: 47,8 Prozent) sowie deren Unterkategorien „ausschließlich Teilzeit“ und „Arbeit unter 12 Stunden in der Woche“.

Erstmals seit 2011 leichter Anstieg bei Normalarbeitsverhältnissen

Die Zahl der unselbständig Erwerbstätigen nahm 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 43.000 zu (Männer plus 25.000, Frauen plus 18.000). Erstmals seit 2011 kam es auch zu einer leichten Zunahme an Normalarbeitsverhältnissen (plus 13.000), allerdings ausschließlich bei männlichen Beschäftigten (plus 13.000). Dagegen erhöhte sich bei Frauen einem langjährigen Trend entsprechend die atypische Beschäftigungskategorie der ausschließlichen Teilzeitarbeit (plus 18.000), und zwar stärker als bei Männern (plus 6.000). Im Gegensatz zur Teilzeitarbeit insgesamt wird hier nur Teilzeitarbeit von mehr als 12 Stunden in der Woche, die durch keine weitere Form atypischer Beschäftigung geprägt ist, berücksichtigt. Auch bei sonstigen atypischen Beschäftigungsformen gab es unter Männern ein leichtes Wachstum (plus 6.000) – überwiegend aufgrund der Zunahme an Befristungen und geringfügiger Beschäftigung. Bei Frauen kam es dagegen in dieser Kategorie zu keiner Veränderung. In Summe fiel der Zuwachs 2015 bei unselbständig beschäftigten Männern (plus 25.000, 1,4 Prozent) etwas stärker aus als bei Frauen (plus 18.000, 1,0 Prozent).

2015 nur 48 Prozent der Frauen in einem Normalarbeitsverhältnis

Im Jahr 2015 waren insgesamt zwei Drittel (66 Prozent) der unselbständig Erwerbstätigen in einem Normalarbeitsverhältnis beschäftigt. Bei Männern stellten diese mit 84,0 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse tatsächlich den „Normalfall“ dar; bei Frauen war jedoch nur knapp unter der Hälfte (47,9 Prozent) in einem Normalarbeitsverhältnis beschäftigt. Ähnlich viele, nämlich 47,8 Prozent aller unselbständig erwerbstätigen Frauen, waren dagegen teilzeitbeschäftigt, 37,1 Prozent ausschließlich in Teilzeit. Für Männer spielt Teilzeitarbeit mit 9,8 Prozent der unselbständig Beschäftigten (5,3 Prozent bei ausschließlicher Teilzeitbeschäftigung) hingegen nur eine geringe Rolle. In der Kategorie „sonstige atypische Beschäftigungsformen“ fallen die geschlechtsspezifischen Unterschiede weniger stark aus (Männer: 10,7 Prozent, Frauen: 15,1 Prozent).

Immer weniger Normalarbeitsverhältnisse

Zwar nahm seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 die Zahl der unselbständig Beschäftigten insgesamt zu (plus 156.000), jedoch ging die Anzahl der Normalarbeitsverhältnisse im gleichen Zeitraum um insgesamt 72.000 zurück. Besonders stark fiel der Rückgang in den Jahren 2009, 2010 und 2014 aus. Er verteilte sich nahezu gleichmäßig auf unselbständig erwerbstätige Männer (minus 37.000) und Frauen (minus 36.000), war jedoch aufgrund der deutlich niedrigeren Anzahl an Frauen in Normalarbeitsverhältnissen prozentual bei Frauen höher (minus 4,1 Prozent) als bei Männern (minus 2,3 Prozent).

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Eine starke Zunahme ergab sich dagegen bei der überwiegend von Frauen ausgeübten „ausschließlichen Teilzeit“ (Männer plus 36.000 bzw. plus 58,8 Prozent, Frauen plus 130.000 bzw. 25,1 Prozent). Der Trend zu steigender Teilzeitarbeit bei Frauen zeichnet sich krisenunabhängig bereits seit längerem ab. „Sonstige Formen atypischer Beschäftigung“ nahmen seit 2008 in geringerem Ausmaß zu (plus 19,6 Prozent bei Männern und plus 12,4 Prozent bei Frauen). Seit 2008 kam es auch zu einem langsamen, aber kontinuierlichen Anstieg bei Befristungen. Lediglich die freien Dienstverhältnisse wiesen eine rückläufige Entwicklung auf, was allerdings auf eine Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen zurückzuführen war. Leiharbeitsverhältnisse, die überwiegend Männer betreffen, reagierten tendenziell am unmittelbarsten auf Änderungen der wirtschaftlichen Konjunktur und zeigten dementsprechend auch die stärksten Schwankungen in diesem Zeitraum. (tt.com)


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