Marienheim: Angehörige bleiben in der Nähe

Seit 25 Jahren bietet das Marienheim Angehörigen von Patienten eine Unterkunft an.

Stiftungsratvorsitzende Ursula Riccabona (l.) und Bianca Brandner, Leiterin des Wohnheims, und Christian Kaserer freuen sich über 13.000 Übernachtungen jährlich.
© Thomas Boehm / TT

Von Sabine Strobl

Innsbruck – „Ich sah, wie die Angehörigen viel Geld für ihre Unterkunft ausgeben mussten. Sie waren aber nicht gut aufgehoben“, erinnert sich die Ärztin Ursula Riccabona. Sie ist Mitbegründerin von „VITA Wohnen für Angehörige von Patienten“. Als ein Mädcheninternat nicht mehr gebraucht wurde, lag die neue Funktion als Wohngemeinschaft für Bezugspersonen auf der Hand. Gestern Abend feierte das Marienheim in der Peter-Mayr-Straße das 25-­jährige Bestehen.

In den vergangenen 25 Jahren zählte das Marienheim ca. 320.000 Übernachtungen. Bezugspersonen finden hier ein günstiges Bett, um schwerkranken Menschen in der Klinik nahe zu sein. „Im Sinne der Nächstenliebe ist die Einrichtung selbstverständlich“, sagt Bianca Brandner, Leiterin des Wohnheims. Trotzdem gibt es in Österreich abgesehen von der Ronald McDonalds Stiftung, die Eltern von schwerkranken Kindern eine Unterkunft bietet, kein vergleichbares Haus.

26 Zimmer mit 51 Betten stehen zur Verfügung (22 Eur­o kostet die Übernachtung). Fünf hauptamtliche und 21 ehrenamtliche Personen sorgen für eine heimelige Atmosphäre. So kümmern sich Freiwillige nicht nur um das Frühstück, sondern haben auch ein Ohr für Sorgen. Wie Brandner berichtet, brauchen Angehörige Unterstützung: „Auf sie strömt so vieles ein. Sie müssen wie ein Fels in der Brandung stehen.“ Die Gäste kommen aus dem Einzugs­gebiet der Klinik Innsbruck, also aus Tirol, Vorarlberg und Südtirol, aber auch aus anderen Bundesländern, aus Neuseeland oder Kalifornien. „Manche bleiben eine Nacht, viele zwei Monate. Eine Mutter ist mit ihren Kindern drei Jahre geblieben.“ Eine Tochter hatte einen schweren Säureunfall erlitten. Besonders günstig liegt das Marienheim für Mütter von Frühchen. Sie können in der Nacht zum Stillen auf die Station gehen.

Berührend sind die Momente, wenn Gäste mit dem geheilten Menschen vorbeikommen. Die ehemaligen Patienten berichten öfters, wie sehr ihnen die Nähe der Angehörigen geholfen hätte.

Das Haus ist ausgebucht. „An jedem Tag im Jahr ist jedes Zimmer mindestens mit einer Person besetzt“, weiß Brandner. Derzeit wird über eine Erweiterung nachgedacht.


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