Leben über die Verhältnisse: Österreicher sind hoch verschuldet

„Jetzt konsumieren, später bezahlen“: Jeder zweite Österreicher frönt laut einer Umfrage der ING-DiBa diesem Motto. Ein Sechstel überzieht demnach regelmäßig das Girokonto.

Symbolbild.
© Thomas Boehm / TT

Wien – Die Österreicher sind im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hoch verschuldet. In kaum einem anderen befragten Land ist der Anteil der Privatschuldner mit Schulden über 20.000 Euro so hoch wie bei uns. 47 Prozent würden „jetzt konsumieren, später bezahlen“ und damit teils deutlich über ihren finanziellen Verhältnissen leben, erklärte die ING-DiBa am Mittwoch zu einer Umfrage des Konzerns.

12 Prozent sagten, sie hätten 20.000 bis 50.000 Euro Konsum- bzw. Privatschulden, doppelt so viel wie der Europaschnitt von 6 Prozent, so die ING-DiBa Direktbank Austria. 8 Prozent nannten Konsumschulden von über 50.000 Euro, gegenüber nur 3 Prozent im Europaschnitt. Gefragt wurden in 13 Ländern Europas knapp 13.000 Personen ab 18 Jahren (1.000 in Österreich) nach Konsum- bzw. Privatschulden - Hypothekarkredite waren ausdrücklich ausgenommen.

17 Prozent überziehen regelmäßig ihr Girokonto - damit liegen die Österreicher über dem Europaschnitt von 13 Prozent. 19 Prozent gaben an, einen Konsumkredit aufgenommen zu haben, 7 Prozent sind Familienmitgliedern oder Freunden Geld schuldig, bei 3 Prozent ist ein Händlerkredit offen. Nur 5 Prozent haben Kreditkartenschulden, deutlich unter dem Europaschnitt von 17 Prozent.

Bei den heimischen Verbrauchern lägen Sparpotenziale bei Kreditkosten brach, so die Direktbank. Nur 39 Prozent wüssten genau, was ihr Geldinstitut dafür berechne, 41 Prozent könnten nur raten, und 20 Prozent würden zugeben, gar keine Ahnung zu haben. Für ING-DiBa-Austria-CEO Luc Truyens ist dieses Ergebnis „ein starkes Indiz, dass viele Schuldner über mögliche Einsparungen bei Kredit oder Kontoüberziehung nicht Bescheid wissen“. Dabei sollte man in der anhaltenden Niedrigzinsphase günstige Angebote und Umschuldungsmöglichkeiten nutzen, denn unterm Strich könne das Einsparungspotenzial enorm sein. In Österreich verwaltete ING-DiBa Ende 2015 für mehr als 525.000 Kunden rund 7,9 Mrd. Euro an Retail Balances (Privateinlagen, Privatkredite, Depotvolumen). (APA)


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