Unteres Belvedere spürt Franz von Stucks Einfluss auf Wien nach

Wien (APA) - Einen „wahnsinnigen Wirbel“ hat der deutsche Maler Franz von Stuck laut Belvedere-Kurator Alexander Klee bereits als junger Kun...

Wien (APA) - Einen „wahnsinnigen Wirbel“ hat der deutsche Maler Franz von Stuck laut Belvedere-Kurator Alexander Klee bereits als junger Kunststudent ausgelöst. Seinen Weg „vom jungen Stürmer zum großen Vorbild“ unter anderem der Wiener Secessionisten zeichnet man ab morgen, Freitag, im Unteren Belvedere in der Schau „Sünde und Secession. Franz von Stuck in Wien“ nach.

Laut Direktorin Agnes Husslein-Arco schließe die Ausstellung „eine Lücke, indem sie das Fin de Siecle in Wien aus einem ganz neuen Blickwinkel präsentiert“, wie sie am Donnerstagvormittag bei der Presseführung sagte. So greife man Bezüge auf, die in München ihren Anfang genommen und die Entstehung sowie die Entwicklung der Wiener Secession „maßgeblich vorbereitet und begleitet haben“. Schließlich war der 1863 geborene Maler schon 1892 mit einer umfassenden monografischen Ausstellung im Wiener Künstlerhaus zu Gast, der Wiener Verlag Gerlach & Schenk verlegte 1882 seine Mappe „Allegorien und Embleme“ und 1886 „Karten & Vignetten“.

Stein des Anstoßes war Franz von Stucks provokative Motivwahl und ebensolche Umsetzung in harten Hell-Dunkel-Kontrasten. Deutlich wird dieser etwa in dem nun auch im Belvedere zu sehenden Gemälde „Die Sünde“ (1993), in der sich eine Würgeschlange um den nackten Körper einer Frau schlängelt, oder im Großformat „Luzifer“ von 1890/91. Maßstäbe setzte auch seine „stringente Gestaltung des Erscheinungsbildes“ der 1892 gegründeten Münchner Secession, die als Vorbild für die 1897 gegründete Wiener Secession gilt, wie Kurator Klee ausführte.

Bisher habe Franz von Stucks Einfluss auf Wien lediglich in wenigen Essays Berücksichtigung gefunden, so Klee. Dies überrasche angesichts seiner starken Präsenz in Wien. Sein Einfluss wird etwa in jenem Brief deutlich, der in der Ausstellung neben einem Schiele-Gemälde zu sehen ist: In ihm bittet im Jahr 1908 der junge Schiele den damals so bekannten Stuck in ausgewiesener Höflichkeit um Starthilfe in seine Künstlerkarriere. Auch Zeitgenossen wie Hugo von Hofmannsthal und Hermann Bahr priesen den Künstler Stuck damals in Artikeln. Seinen direkten Einfluss auf andere Künstler demonstriert man im Unteren Belvedere etwa anhand des düsteren Gemäldes „Abendlandschaft“, das sich in Werken von Carl Moll, Rudolf Jettmar oder Adolf Hölzl widerspiegelt.

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Die umfangreiche Schau führt den Besucher vorbei an mythologischen Motiven wie (mehreren Versionen) der „Kämpfenden Faune“ (1889), der „Trunkenen Kentaurin“ (1892) oder dem mit Gold hinterlegten Holz-Gemälde „Orpheus und die Tiere“(1891). Den Einfluss der Fotografie und ihre Rolle als Vorlage machen Gegenüberstellungen zwischen Fotos aus dem Atelier und fertigen Bildern (wie etwa bei „Bacchusknabe auf einem Panther reitend“ oder „Knabe mit Trauben“) deutlich. Skizzen und Skulpturen werden ebenso gegenübergestellt, etwa bei Zierpokalen oder den „Ringenden Faunen“. „Er hat Markenzeichen gesetzt“, will Klee in dieser umfangreichen Schau verdeutlichen. Tatsächlich kommt einem vieles bekannt vor. Nun weiß man auch, warum.

(S E R V I C E - „Sünde und Secession. Franz von Stuck in Wien“ im Unteren Belvedere, 1. Juli bis 9. Oktober. Der gleichnamige Katalog umfasst 320 Seiten, Hirmer Verlag, 45 Euro. www.belvedere.at)


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