Hoaxmap: Falschmeldungen verorten und widerlegen

Auf der für einen Grimme Online Award nominierten Hoaxmap lässt sich die Ausbreitung von rechten Lügen verfolgen.

© Hoaxmap.org

Innsbruck –Die Caritas Innsbruck bezahlt geflüchteten Menschen ihre Handys, und in einem Schwazer Einkaufszentrum wurde eine Frau vergewaltigt – von einem Asylwerber. Beides stimmt nicht, beide Meldungen sind erfunden, in den sozialen Netzwerken sind Inhalte dieser Art dennoch auf dem Vormarsch. Selbst wenn die Gerüchte widerlegt werden, wie es Caritas und Polizei in diesen beiden Fällen getan haben. Caritas-Direktor Georg Schärmer wehrte sich nicht nur gegen die „üble Nachrede“, sondern brachte Anfang des Jahres auch Strafanzeige gegen unbekannt ein. Die Schwazer Polizei kündigte Ermittlungen gegen die Verbreiter der Meldung über eine angebliche Vergewaltigung an. Beide Gerüchte wurden auf der Website Hoaxmap dokumentiert. Eine Landkarte, die Falschmeldungen sammelt und durch Links zu offiziellen Statements von Polizei, betroffenen Unternehmen oder Zeitungsartikeln widerlegt. Die beiden eingangs erwähnten Lügen finden sich in den Kategorien mit den meisten Einträgen: Zum einen sind das erfundene Geschichten über „Geld- und Sachleistungen, die Asylwerber angeblich erhalten“, sagte einer der Macher der Hoaxmap, der Software-Entwickler Lutz Helm im Interview mit dem Deutschlandfunk. Die angebliche Vergewaltigung in Schwaz passt indes in die Kategorie der „vielen Gerüchte über sexuelle Übergriffe von Asylwerbern“. Seit Mitte des vergangenen Jahres sei zu beobachten, dass zunehmend Falschmeldungen über schutzsuchende Menschen in die Welt gesetzt und viral verbreitet werden. Lügen, die den Hass in den sozialen Netzwerken zusätzlich befeuern.

Wie die Amadeu-Antonio-Stiftung unlängst in einem Bericht zu rechter Hetze feststellte, werde die Ausdrucksweise auf Facebook, Twitter und Co „immer schärfer“. Die Rhetorik Rechtsextremer, die das Internet bereits seit Jahrzehnten nutzen, könne sich allmählich durchsetzen. Und das nicht nur im bürgerlichen, sondern zum Teil auch im linken Spektrum, wie die Organisation gegen Rassismus und Antisemitismus beobachtet. Es gebe derzeit mehr als 300 Facebook-Seiten mit dem Namen „Nein zum Heim“. Diese Gruppen würden Stimmen gegen die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften sammeln, auffällig sei, dass bei Übergriffen auf Heime fast immer zuvor eine solche Seite existiert habe, so die Stiftung in ihrem Bericht.

Auf der Hoaxmap finden sich indes nicht nur anonyme Internetgerüchte, sondern auch Statements von Politikern. AfD-Chefin Frauke Petry behauptete etwa, dass die TU Dresden ihren Mitarbeitern die Teilnahme an Pegida-Demonstrationen untersagt habe. Das stimmt ebenso wenig wie eine Aussage des deutschen Bundesministers für Inneres, Thomas de Maizière. Er erklärte, dass sich 70 Prozent der ausreisepflichtigen Flüchtlinge unter 40 krankschreiben ließen – es gibt allerdings keine Statistik, die das belegt. Die Hoaxmap ist eines von 28 Web-Angeboten, die für einen Grimme Online Award nominiert wurden, ausgezeichnet wurde vergangene Woche unter anderem der Twitter-Account „Straßengezwitscher“, mit dem über rechte Demos und Angriffe auf Flüchtlingsheime informiert wird.

Die Betreiber der Hoaxmap werden weiter dokumentieren, sie wollen unter anderem Menschen, die mit rassistischen Argumenten und Gerüchten konfrontiert sind, ein Tool in die Hand geben, um einen Überblick über die Ausbreitung von Gerüchten zu bekommen. Ähnliche Falschmeldungen wie die beiden eingangs erwähnten finden sich auf der Landkarte der rechten Lügen tatsächlich zuhauf. (sire, APA)


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