US-Wahl - Die Qual der Wahl des Vizepräsidentenkandidaten

Washington (APA/AFP) - Vor den Nominierungsparteitagen der Republikaner und Demokraten in der zweiten Julihälfte laufen die Spekulationen um...

Washington (APA/AFP) - Vor den Nominierungsparteitagen der Republikaner und Demokraten in der zweiten Julihälfte laufen die Spekulationen um eine anstehende Personalentscheidung der voraussichtlichen US-Präsidentschaftskandidaten auf Hochtouren: Wen holen sich Donald Trump und Hillary Clinton als Kandidaten für die Vizepräsidentschaft an die Seite? Hier einige Namen, die häufig genannt werden:

REPUBLIKANER:

CHRIS CHRISTIE: Trumps Auswahl ist von vornherein stark beschränkt, da er mit seiner aggressiven Kampagne viele prominente Parteikollegen verprellt hat. Doch mit Christie, der anfangs gegen ihn um die Präsidentschaftskandidatur konkurrierte, kommt er gut klar. Der Gouverneur von New Jersey ist eines der wenigen Mitglieder der Partei-Elite, die den Immobilienmilliardär vorbehaltlos unterstützen. Inzwischen ist der 53-Jährige ein wichtiger Berater des Rechtspopulisten. Was gegen ihn sprechen könnte: Christie ist Trump zu ähnlich. Er kommt aus derselben Region und verkörpert wie Trump den bulligen und polternden Politikertypus. Und in seinem Heimatstaat ist der Gouverneur alles andere als populär.

NEWT GINGRICH: Trump hat gesagt, dass sein Vize sich im Kongress und Parteiapparat auskennen sollte. Gingrich erfüllt diese Kriterien perfekt. Der 72-Jährige war von 1995 bis 1999 der Vorsitzende des Repräsentantenhauses. Von dieser Position aus führte er einen verbissenen Kampf gegen Präsident Bill Clinton und die First Lady. Allerdings könnte Trump die Loyalität des Politveteranen anzweifeln. Gingrich hat die Angriffe des Immobilienmoguls auf einen Richter mexikanischer Herkunft kritisiert. Trump reagierte verschnupft.

MARY FALLIN: Die Gouverneurin von Oklahoma ist eine enthusiastische Trump-Unterstützerin und bringt sich selbst als Vizekandidatin ins Spiel. Trump hat seine Hochschätzung für Fallin bekundet. Was vor allem für sie spricht: Sie ist eine Frau. Angesichts von Trumps miesen Umfragewerten unter Frauen wäre ihre Nominierung also ein Coup. Und die 61-Jährige bringt als Ex-Abgeordnete im Repräsentantenhaus auch Erfahrung im Washingtoner Politbetrieb mit. Was gegen Fallin spricht: Trotz ihrer vier Jahre im Kongress ist sie über ihren Heimatstaat hinaus wenig bekannt.

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DEMOKRATEN:

ELIZABETH WARREN: Die scharfzüngige Senatorin sorgt mit ihren Attacken gegen Trump für Furore. Die 67-jährige frühere Harvard-Rechtsprofessorin ist eine exponierte Vertreterin des linken Parteiflügels. Sie könnte also für Clinton frustrierte Anhänger des in den Vorwahlen unterlegenen Senators Bernie Sanders einsammeln. Vielleicht will Clinton aber lieber einen Vize, der die politische Mitte repräsentiert. Was auch gegen Warren spricht: Sie ist eine Frau. Die klare Mehrheit der weiblichen Wählerschaft scheint Clinton ohnehin sicher. Sie könnte deshalb einen Vize bevorzugen, der männliche weiße Wähler anspricht. In dieser Gruppe hat sie den schwersten Stand.

JULIAN CASTRO: Der 42-jährige Wohnungsbauminister ist ein aufsteigender Stern der Demokraten. Bevor er von Präsident Barack Obama als jüngstes Kabinettsmitglied berufen wurde, war der telegene und wortgewandte Latino Bürgermeister seiner texanischen Geburtsstadt San Antonio. Er könnte Clinton helfen, die Jungwählerschaft sowie die Latino-Gemeinde zu mobilisieren. Die Frage ist, ob Clinton diese Hilfe braucht. Mit seinen Anti-Einwanderungsparolen tut Trump wohl schon genug, um ihr die überwältigende Mehrheit der Latino-Wähler zu sichern. Zudem ist Castro noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt.

TIM KAINE: Der Senator und Ex-Gouverneur von Virginia könnte als Mann der Mitte unabhängige Wähler und von Trump verschreckte Moderate im republikanischen Lager anziehen. Zudem kommt der 58-Jährige aus einem der „Schlüsselstaaten“ und genießt dort hohe Popularität. Ein weiteres Plus: Kaine spricht fließend Spanisch, da er in jungen Jahren als Missionar in Honduras gearbeitet hat. Was gegen Kaine spricht: Er ist vorbelastet. In Virginia hat er früher teure Geschenke von Unternehmern angenommen. Das war zwar nicht illegal, würde Trump und seinem Vize aber Wahlkampffutter liefern.


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