Zu viele Schwächen in Lesen

Innsbruck – 11 Prozent aller Kinder, die die vierte Klasse Volksschule hinter sich haben, beherrschen nicht die einfachsten Grundrechnungsar...

(Symbolfoto)
© APA/dpa/Ingo Wagner

Innsbruck –11 Prozent aller Kinder, die die vierte Klasse Volksschule hinter sich haben, beherrschen nicht die einfachsten Grundrechnungsarten in Mathematik, rund 13 Prozent können nicht sinnerfassend lesen. „Für so ein hochentwickeltes Land wie Österreich ist das ein Armutszeugnis. Im Vergleich zu anderen Ländern auf unserem Level hinken wir da eindeutig nach“, erklärt David Wohlhart, Hochschulprofessor und Lead-Autor des Nationalen Bildungsberichts 2015. In Österreich würde Bildung nach wie vor „vererbt“ werden, heißt: Kommen die Kinder aus einem bildungsnahen Haus, ist die Chance, dass auch die Kinder eine gute Ausbildung machen, um ein Vielfaches höher als in Familien, wo Bildung wenig oder keine Rolle spielt. Es werde, so Wohlhart, zu viel ans Elternhaus ausgelagert, das beginne schon bei den Hausübungen in der Volksschule. „Gibt es daheim Defizite, leiden die Kinder darunter. Dabei solle die Schule das ausgleichen, was daheim an Bildung und Hilfe fehlt.“ Der Ausbau von verschränkten Ganztagesschulen – wo Schule und Freizeitgestaltung wie Spielen kombiniert werden – würde hier einen Schritt nach vorne bringen. Ein österreichweites Thema sei der Notendruck in der vierten Klasse Volksschule. Egal, ob Innsbruck oder Graz, überall würde hier eine beträchtliche Zahl an Eltern Druck auf die Lehrer in Sachen „Einser“ ausüben, um ja den Sprung ins Gymnasium zu schaffen.

Außerdem würden die Bildungsstandards nur in Sachen Deutsch und Mathematik getestet werden, allerdings sei eine ganzheitliche Allgemeinbildung und Persönlichkeitsentwicklung auch schon für Volksschulen ein Bildungsanliegen seitens des Ministeriums. So würde etwa „ein eindeutiger Aufklärungsbedarf“ in Sachen Umgang mit digitalen Medien herrschen: „Obwohl fast jeder Volksschüler bereits ein Smartphone in der Tasche hat, reden Lehrer selten mit den Kindern darüber, wo beispielsweise Gefahren in sozialen Medien lauern“, sagt Wohlhart. Zu viele Lehrer würden auch dem Online-Lernen zu skeptisch gegenüberstehen. (lipi)


Kommentieren


Schlagworte