Jetzt erst recht: Die Arbeit an den Kampagnen läuft

Der neuerliche Wahlkampf um die Hofburg könnte zeitlich kurz werden. Jedenfalls wird er aber intensiv.

Alexander Van der Bellen (l.) und Norbert Hofer (r.) ziehen noch einmal in den Wahlkampf um die Hofburg.
© AFP

Von Wolfgang Sablatnig

Wien –Im Internet waren Alexander Van der Bellens Leute schneller: Auf www.vanderbellen.at war gestern schon zu lesen, dass Van der Bellen sich „natürlich“ der Wiederholung der Bundespräsidenten-Stichwahl stellen werde. Wer www.norberthofer.at aufrief, kam hingegen noch zu einem großen „Danke“, gemünzt auf die erste Stichwahl am 22. Mai. Ein Hinweis auf die Wahlwiederholung? Fehlanzeige.

Van der Bellen und Hofer müssen sich einer zweiten Stichwahl stellen, nachdem der Verfassungsgerichtshof (VfGH) den Wahlgang vom Mai aufgehoben hat. Die Wiederholung steigt voraussichtlich Ende September – also in rund drei Monaten.

Die Wahlkampfteams starten freilich nicht bei null. „Seit dem Moment, wo die Anfechtung bekannt wurde, war klar, dass wir uns darauf vorbereiten müssen“, sagte Van der Bellens Wahlkampfmanager Lothar Lockl gestern im Gespräch mit der TT. Jetzt, nach der Entscheidung des VfGH, werde diese Aufgabe sogar leichter. Zuvor hätten zwei Schienen der Vorbereitung parallel laufen müssen – für eine neuerliche Stichwahl, aber auch für eine planmäßige Übernahme des Präsidentenamtes am 8. Juli.

Die intensive Phase des Wahlkampfes werde jedenfalls kurz sein – oder ganz einfach kurz sein müssen. Denn mit den Schulferien, die in Wien und Ostösterreich bereits begonnen haben, startet auch die Sommerpause der Politik. Viele Menschen sind auf Urlaub. Kampagnen erreichen daher nur wenige Menschen. Da scheint es den Kampagnenmanagern besser, Energie – und Geld – für die letzten Wochen zu sparen. „Sommer ist Sommer“, meint Lockl. „Im Sommer kannst du dir Wahlkampf sparen“, stimmt Hofers Sprecher Martin Glier zu.

Beide Seiten können oder wollen daher auch noch nicht sagen, wann die ersten Plakate hängen werden. „Wir machen uns keinen Stress“, sagt Glier. Natürlich habe man über die kommenden Kampagnen schon nachgedacht. Noch sei aber Zeit.

Nur einen Punkt unterstreicht Glier, dessen Partei mit der Anfechtung der Stichwahl vor das Höchtsgericht gezogen ist: „Wir sind nicht der schlechte Verlierer.“ Der VfGH habe die Stichwahl aufgehoben. Niemand könne daher behaupten, Van der Bellen habe diese Stichwahl begonnen.

Lockl bewertet die Differenz von 30.963 Stimmen im ersten Wahlgang wenig überraschend anders. Er betont, dass die Höchstrichter keine Manipulation des Wahlergebnisses festgestellt hätten. Klar sei also, dass Van der Bellen die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher hinter sich gehabt habe.

Und wie könne man sich noch einmal motivieren, wenn ein vermeintlicher Sieg doch keiner war? „Ein gewisses ‚Jetzt erst recht‘ ist schon da“, berichtet Lockl. Natürlich gebe es auch Enttäuschung. Jetzt sei aber das Ziel, eine breite Bewegung auf die Beine zustellen, mit vielen Privatpersonen, Institutionen und Firmen, die sich für Van der Bellen engagieren. Auch erste Zusagen für Spenden seien schon eingetroffen, berichtete der Wahlkampfmanager, ohne allerdings konkrete Summen zu nennen.

Lockl wird beides brauchen: Spenden und breite Unterstützung. Vor allem finanziell sind Hofer und die FPÖ dem früheren Bundessprecher der Grünen überlegen. Die FPÖ hat bisher 3,3 Millionen Euro in die Bundespräsidentenwahl gesteckt. Van der Bellen und die Grünen haben 1,8 Mio. Euro ausgegeben. Dank höherer Parteienförderung in Folge besserer Wahlergebnisse in Bund und Ländern wird die FPÖ auch jetzt mehr investieren können.


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