Gleich mehrere Favoriten für den 40. Ingeborg-Bachmann-Preis

Klagenfurt (APA) - Mit dem Schweizer Dieter Zwicky hat am Samstag das Wettlesen bei den 40. Tagen der deutschsprachigen Literatur geendet. U...

Klagenfurt (APA) - Mit dem Schweizer Dieter Zwicky hat am Samstag das Wettlesen bei den 40. Tagen der deutschsprachigen Literatur geendet. Und mit Zwicky beginnt auch die Liste der möglichen Preisgewinner. Zu den Favoriten zählt auch Julia Wolf, die am Freitag mit „Walter Nowak bleibt liegen“ an der Reihe war. Preisverleihung ist am (morgigen) Sonntag ab 11.00 Uhr im ORF-Theater in Klagenfurt.

„Los Alamos ist winzig“ brachte Zwicky dickes Lob der Juroren, einzig Juryvorsitzender Hubert Winkels mochte nicht in den Chor einstimmen. Zwickys Chancen auf eine Auszeichnung dürften aber sehr gut stehen. Ebenfalls am Samstag in eine Mitfavoritenrolle las sich die aus London stammende Sharon Dodua Otoo, deren Erzählung „Herr Gröttrup setzt sich hin“ humorvoll, ironisch und doppelbödig daherkam. Nicht nur die Jury, auch das Publikum reagierte ungemein positiv auf den Text, sie wäre daher durchaus auch eine Kandidatin für den Publikumspreis. Für diesen kann sich auch Stefanie Sargnagel, die den Lesewettbewerb am Donnerstag eröffnet hat, ihre Möglichkeiten ausrechnen, sie hat aber auch gute Aussichten, es zumindest auf die Shortlist zu schaffen. Ob es dann für einen Preis reicht, bleibt abzuwarten.

Ebenfalls zu den Mitfavoriten für eine Auszeichnung zählt der in Salzburg lebende gebürtige Wiener mit serbischem Pass, Marko Dinic. Sein Romanauszug „Als nach Milosevic das Wasser kam“ wurde von ihm mit viel Emotion vorgetragen, serbische Songeinlagen inklusive, und erntete bei der Mehrheit der Juroren Zustimmung. Der Kölner Selim Özdogan darf ebenfalls noch zumindest auf die Shortlist hoffen, seine Geschichte vom eingebildeten Hasen entzweite die Juroren allerdings. Außenseiterchancen hat auch Isabelle Lehn für ihren Text „Binde zwei Vögel zusammen“.

Gespannt darf man sein, ob der in Tel Aviv lebende Israeli Tomer Gardi mit seinem „Broken German“ von den Juroren zumindest als theoretisch preiswürdig erachtet wird. Die Sprache des Autors ist ein „neues Deutsch“, voll von Fehlern, das intensive Diskussionen auslöste. Autoren nicht-deutscher Muttersprache gibt es beim Wettbewerb ja schon lange, bisher lieferten diese aber stets Texte ab, die sich in der Sprachbeherrschung nicht von deutschsprachigen Autoren unterschied. Das war diesmal anders, im Publikum war die Meinung dazu jedenfalls sehr gemischt. Während die einen erklärten, dies sei eben die Realität, konterten andere, man müsse von Literatur doch wohl wenigstens fehlerlose Sprache erwarten können. Derartige Diskussionen könnten in den kommenden Jahren noch öfter vorkommen.

~ WEB http://orf.at ~ APA166 2016-07-02/15:33


Kommentieren