Formel 1: Chaos-Samstag in Spielberg: Stürze, Strafen, Hamilton-Pole

Spielberg (APA) - Trotz negativer Vorzeichen hat das Formel-1-Team von Mercedes auch im Qualifying für den Großen Preis von Österreich in Sp...

Spielberg (APA) - Trotz negativer Vorzeichen hat das Formel-1-Team von Mercedes auch im Qualifying für den Großen Preis von Österreich in Spielberg den Ton angegeben. Buchstäblich in letzter Sekunde sicherte sich Lewis Hamilton am Samstag die Pole Position. Teamkollege Nico Rosberg wurde Zweiter, muss diesen wegen einer Strafe am Sonntag (14.00 Uhr) aber Landsmann Nico Hülkenberg oder Jenson Button überlassen.

Force-India-Pilot Hülkenberg war zuletzt 2010 in Brasilien in der ersten Reihe gestanden, damals war er sogar vom ersten Startplatz ins Rennen gegangen. „Das erinnert mich sehr an Brasilien. Ich fühle mich unter diesen Bedingungen sehr wohl“, sagte der 28-Jährige angesichts der wechselnden Verhältnisse auf dem Red Bull Ring.

Sein zweiter Platz war aber in Gefahr, da Hülkenberg eine Untersuchung der Stewards bevorstand, weil er im ersten Qualifying-Abschnitt (Q1) die bei einer Gelben Flagge erlaubte Geschwindigkeit überschritten haben soll.

Hektik brach im dritten Abschnitt aus. Als die Strecke nach dem Vorbeiziehen des um 14:50 Uhr einsetzenden Regens extrem schnell auftrocknete, kam es auf das richtige Timing der Ausfahrten an. Die Führung wechselte in der letzten Minute mehrmals.

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Optimal erwischte es WM-Titelverteidiger Hamilton, der seine 54. Karriere-Pole und die zweite auf dem Red-Bull-Ring nach 2015 perfekt machte. „Hier trocknet es Gott sei Dank sehr schnell auf. Es war ein Risiko, aber zum Glück ist sich alles ausgegangen“, meinte der Brite.

Hinter Rosberg und Hülkenberg reihte sich mit Sebastian Vettel ein dritter deutscher Pilot ein. Nach dem Ferrari-Hoffnungsträger klassierte sich McLaren-Fahrer Jenson Button. Hinter Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari landete mit Daniel Ricciardo der erste Vertreter von Red Bull Racing auf Rang sieben. Teamkollege Max Verstappen qualifizierte sich als Neunter.

Turbulent war es in Spielberg aber schon davor zugegangen. Q1 musste wegen eines heftigen Unfalls von Toro-Rosso-Pilot Daniil Kwjat für eine gute Viertelstunde unterbrochen werden.

Am Auto des Russen brach in der schnellen Rechtskurve vor dem Ziel beim Überfahren der neuen gelben Randsteine die rechte Hinterradaufhängung. Kwjat drehte sich in hoher Geschwindigkeit und zerstörte sich beim Kontakt mit den Leitplanken auch die Vorderseite seines Wagens, zahlreiche Carbonteile lagen auf der Strecke. Er konnte das Gefährt aber unverletzt verlassen.

Schon im dritten Freien Training war am Vormittag der zweifache Spielberg-Sieger Rosberg ebenfalls nach einem Bruch der hinteren Radaufhängung unsanft von der Strecke geworfen worden. Weil an seinem Auto das gesamte Heck inklusive des Getriebes ausgetauscht werden musste, war zunächst fraglich, ob er überhaupt am Qualifying teilnehmen würde können. Erst wenige Minuten vor 14.00 Uhr finalisierten die Mechaniker die umfassenden Reparaturarbeiten.

„Erstmals vielen Dank an das Team. Sogar die Mechaniker von Lewis haben mitgeholfen, sonst wär es sich nicht ausgegangen“, bedankte sich der WM-Führende. Aufgrund des erzwungenen Getriebewechsels rückt Rosberg in der Startaufstellung fünf Plätze nach hinten, was Platz sieben bedeutet. „Das macht die Sache sehr, sehr viel schwieriger. Mal sehen, wie weit ich es nach vorne schaffe“, sagte der Deutsche.

In der WM-Gesamtwertung liegt Rosberg vor dem neunten von 21 Saisonrennen mit 141 Punkten an der Spitze. Hamilton (117) führt die Riege der Verfolger vor dem Ferrari-Duo Vettel (96) und Räikkönen (81) an.

Fünf Plätze nach hinten verschoben wird auch Vettel, dessen Getriebe ebenfalls ausgetauscht werden musste, weil nach dem Baku-Rennen Metallspäne im Öl gefunden worden waren. Vettel („Das war eine Lotterie zum Schluss“) muss das Rennen an seinem 29. Geburtstag - nach vorläufigem Stand - als Neunter in Angriff nehmen.

Über die Sinnhaftigkeit der zusätzlichen gelben Hindernisse hinter der regulären Kerbs war bereits am Vortag diskutiert worden, nachdem sich Verstappen zwei Frontflügel ruiniert hatte und die vordere Radaufhängung gebrochen war. In der Fahrerbesprechung hatten die Fahrer den „Baguettes“ am späten Freitagnachmittag aber mehrheitlich ihren Sanktus gegeben.

Am Samstag überschlugen sich dann die Ereignisse. Neben den Vorfällen bei Rosberg und Kwjat hielt auch bei Sergio Perez (Force India) die Aufhängung den Belastungen beim Überfahren der hohen Kerbs nicht stand.

Die Rekordjagd im Aichfeld ging vorläufig mit einem Sieg Hamiltons zu Ende. Der Brite spulte in Q2 in 1:06,228 Min. den bisher schnellsten Umlauf auf dem Red-Bull-Ring ab. Den offiziellen, weil im Rennen aufgestellten Rundenrekord hält immer noch Michael Schumacher. Der Serien-Weltmeister aus Deutschland legte den 4,326 Kilometer langen Kurs im Jahr 2003 in 1:08,337 zurück.


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