Belvedere-Bewerb 2016: Sieg geht von Südafrika aus in die USA

Kapstadt/Wien (APA) - Der 27-jährige Bassbariton Nicholas Brownlee aus Alabama ist der Gewinner des 35. Belvedere Gesangswettbewerbs: Der US...

Kapstadt/Wien (APA) - Der 27-jährige Bassbariton Nicholas Brownlee aus Alabama ist der Gewinner des 35. Belvedere Gesangswettbewerbs: Der US-Amerikaner setzte sich Samstagabend in Südafrikas Kulturmetropole Kapstadt gegen seine Konkurrenten durch und darf sich neben dem Hauptpreis der Jury auch über Engagements an der Israeli Opera Tel Aviv und dem Theater Erfurt freuen.

Der Rotschopf konnte mit seiner auch schauspielerisch ausgereiften Interpretation der Arie „Come dal ciel precipita“ aus Verdis „Macbeth“ die Juroren für sich einnehmen und bestach mit einem für sein Alter überraschend voluminösen, sicheren und zugleich beweglichen Bassbariton. Als zweiter Star des Abends im ausverkauften Artscape Theatre Centre, dem Standort der Cape Town Opera, setzte sich als Liebling des Publikums die 25-jährige Sopranistin Noluvuyiso Mpofu durch. Die Südafrikanerin konnte nicht nur den 2. Preis der Jury und den Zuschauer-Award für sich entscheiden, sondern auch den Spezialpreis für südafrikanische Künstler.

Die Nachwuchskünstlerin, die in ihrer Heimatstadt schon einige Bühnenerfahrung sammeln konnte, setzte damit die Tradition südafrikanischer Erfolge beim Belvedere-Bewerb fort, fanden sich hier doch spätere Stars wie Pretty Yende (2009) auf der Gewinnerliste, und auch im Vorjahr wurde mit Levy Sekgapane ein Sänger aus dem Land mit Platz 1 bedacht. Den südafrikanischen Opernboom ergänzten abseits des Wettbewerbs in den vergangen Jahren weitere Durchstarter wie etwa Pumeza Matshikiza, die allesamt vom stark ausgeprägten Lehrsystem Südafrikas und einer steigenden Opernbegeisterung im Land profitieren.

Entsprechend schien die Wahl von Kapstadt als erster Standort des Belvedere-Bewerbs außerhalb Europas nur folgerichtig. Die beiden Leiter, Gründerwitwe Isabella Gabor und Holger Bleck, neuer Leiter des Carinthischen Sommers, haben ihr einst in Wien beheimatetes und seit 1982 veranstaltetes Unternehmen für die 35. Ausgabe an die 10.000 Kilometer entfernte Südspitze Afrikas verfrachtet. Das logistische Wagnis hat sich gelohnt, betrachtet man die Begeisterung, die der Bewerb beim südafrikanischen Opernpublikum ausgelöst hat - wären doch zumindest am alten Kontinent begeisterte Zwischenrufe bei Opernarien eher unüblich.

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Dabei stellte das Finale am Samstag nur den Höhepunkt der Belvedere-Phase in der 3,5 Millionen Einwohner zählenden Kapmetropole dar, waren unter der Woche doch im Baxter Theatre am Gelände der University of Cape Town die Semifinale über die Bühne gegangen - wobei allein die dortigen Kartenverkäufe die insgesamt prognostizierten übertrafen. Aus den 50 Teilnehmern der Halbfinaltage wurden dort von der Jury aus renommierten Opernvertretern - von der Scala über die Semperoper bis zur Houston Grand Opera - letztlich 16 Finalisten ausgewählt.

Diese traten dann an der Seite des Cape Town Philharmonic Orchestras unter Kamal Khan zum Sängerwettstreit an. Dabei gab es erstmals einen regelrechten Familienkrimi, fand sich doch mit den beiden südafrikanischen Sängern Siphamandla Yakupa und Lukhanyo Moyake ein Ehepaar im Finale des Bewerbs. Der Familienfrieden dürfte aber insofern gewahrt bleiben, als dass weder die Sopranistin noch der Tenor einen Preis erhielten und somit paardynamischer Gleichklang herrschte.

Im kommenden Jahr müssen dann die meisten Teilnehmer des Belvedere-Bewerbs, dessen Vorrunden heuer in 70 Städten weltweit stattfanden, weniger weit zu den Finalrunden anreisen. So soll die 36. Ausgabe der Nachwuchssängerbörse wieder in Amsterdam stattfinden, wie in Kapstadt bekanntgegeben wurde.

(S E R V I C E - www.belvedere-competition.com)

(A V I S O - Die APA hat am 30. Juni unter APA064 ein Interview mit dem beiden Belvedere-Gründern versendet.)


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