Sharon Dodua Otoo gewinnt mit Witz und Ironie Bachmann-Preis

Die britische Autorin nimmt die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihren Text „Herr Gröttrup setzte sich hin“ entgegen.

Die Britin Sharon Dodua Otoo.
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Klagenfurt – Mit der Britin Sharon Dodua Otoo hat eine Schriftstellerin den 40. Bachmann-Preis gewonnen, die üblicherweise auf Englisch schreibt. Ihr humorvoll-surrealistischer Text überzeugte die Jury, sie gewann im zweiten Wahlgang. Der Schweizer Dieter Zwicky holte beim zweiten Antreten in Klagenfurt den Kelag-Preis, Julia Wolf fährt mit dem 3sat-Preis heim, Stefanie Sargnagel mit dem Publikumspreis.

Bereits die ersten Reaktionen der Jury nach der Lesung von Otoo ließen es erahnen, dass die in London geborene Britin mit Wurzeln in Ghana wohl am Sonntag mit einer Auszeichnung nach Hause fahren könnte. Das Lob war teilweise euphorisch, ihre Betrachtung über ein deutsches Rentnerehepaar und ein Ei, das sich weigerte, hart gekocht zu werden, fand auch beim Publikum viel Anklang. Humor und Ironie sind die Waffen dieser Frau, der das Schreiben des Wettbewerbstextes „Herr Gröttrup setzt sich hin“ viel Spaß gemacht hat. Gleichzeitig ist der Text vielschichtig und lädt zum Nachdenken und zum Interpretieren ein.

Kelag-Preis für Zwicky

Vielschichtig ist auch Dieter Zwickys Text „Los Alamos ist winzig“, bei dem die Juroren von der Entwicklung der Atombombe bis zur Frage, ob die Gesprächspartnerin des Protagonisten nun eine Frau sei oder ein Hund, alles verhandeln konnten. Zwicky erntete schon bei seinem ersten Antreten in Klagenfurt 2007 durchaus freundliche Besprechungen der Juroren, für einen Preis reichte es damals, anders als heuer, nicht. Mit 10.000 Euro wurde seine Arbeit ausgezeichnet – Geld, das er „gut gebrauchen“ könne, wie er meinte.

„Walter Nowak bleibt liegen“, der Text der deutschen Autorin Julia Wolf, wurde mit dem 3sat-Preis (7500 Euro) gewürdigt. Altwerden ist das Thema, dem sie sich widmet, manche fanden den Erzählstil etwas konventionell, doch die Befürworter überwogen. Die Wienerin Stefanie Sargnagel schaffte es nicht auf die Shortlist, räumte aber mit ihrem Text „Penne vom Kika“ den BKS-Bank-Publikumspreis ab, der mit 7000 Euro dotiert ist. Sie wirkte fast ein wenig enttäuscht und meinte, sie hätte „die 50.000 Euro schon gern gehabt“. Dass der Hauptpreis nur 25.000 Euro bringt, war dann auch schon egal.

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Juryvorsitzender Hubert Winkels zog eine positive Bilanz, die Vielfalt der Literaturveranstaltung, an Vertreter von acht Nationen mitwirkten, ist für ihn absolut positiv. Er freute sich auch darüber, dass sich diese Vielfalt in der Preisverteilung niederschlage. Seit einigen Jahren wird im Internet auch der oder die beliebteste Juror/in gewählt.

Diesen Preis holte sich Klaus Kastberger, knapp vor Meike Feßmann und Sandra Kegel, die gleich viele Stimmen erhielten. Die Abstimmungen bei der Preisvergabe gingen in diesem Jahr zügig über die Bühne, das könnte auch daran gelegen sein, dass die Regeln geändert wurden. So darf ein Juror nicht jene Person zur Abstimmung vorschlagen, die er nach Klagenfurt eingeladen hat. Otoo hätte, so der Tenor im ORF-Theater bei der 40. Auflage der Veranstaltung, aber auch im bisherigen Modus den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. (APA)

Von links: Stefanie Sargnagel (Publikumspreis), Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo, Julia Wolf (3sat-Preis), Dieter Zwicky (Kelag Preis)
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