Der ewige Underdog: Sylvester Stallone wird 70

Als Nobody, der einem Boxweltmeister die Stirn bot, schrieb Sylvester Stallone ein Kapitel Filmgeschichte. Später spielte er Söldner, Bergsteiger und Ein-Mann-Armeen. Heute wird der US-Schauspieler 70 Jahre alt.

© APA/AFP/GETTY IMAGES/Dimitrios K

Los Angeles –„Rambo III“ kam 1988 in die Kinos – und bündelte die Stimmung dieser Zeit wie ein Brennglas. Es war eine Zeit, die sich nach einfachen Antworten sehnte. „Das ist blaues Licht“, erklärt Rambo in einer Szene. „Und was macht es?“, will sein Kompagnon wissen. „Es leuchtet blau.“

Mehr Informationen brauchte es nicht. „Rambo III“ ist das letzte Aufgebot des Achtzigerjahre-Actionkinos: Eine Ein-Mann-Armee bläst den Bösen dieser Welt den Marsch, der Kalte Krieg wird heiß, am Ende triumphiert das Testosteron.

Sylvester Stallone in "Rocky Balboa".
© 20th Century Fox

Zwei Jahre später war der Kalte Krieg vorbei – und seine muskelbepackten Filmhelden flüchteten sich ins komödiantische Fach. Auch Sylvester Stallone, der das Genre Guerillia-Kawumm-Film mit dem ersten Rambo-Film „First Blood“ 1982 auf den Weg brachte.

Als Komödiant allerdings scheiterte Stallone – ähnlich wie sein steirisches Pendant Arnold Schwarzenegger: Filme wie „Oscar“ (1991) und „Stop! Oder meine Mami schießt“ (1992) floppten. Auch der Bergsteigerthriller „Cliffhanger“ (1993) wirkte seltsam aus der Zeit gefallen. „Demolition Man“ (1993) rettet letztlich nur fein dosierte Selbstironie. Selbst das Kritikerlob für „Cop Land“ – Stallone spielte in dem Polizeifilm die Großmimen Robert DeNiro und Harvey Keitel an die Wand – ließ sich nicht in Zählbares ummünzen. Stallones folgende Filme kamen in Europa kaum mehr ins Kino. Kurzum: Um die Jahrtausendwende dümpelte Sylvester Stallones Karriere ihrem unrühmlichen Ende entgegen. Da besann sich der verblassende Star jener Rolle, die ihn einst berühmt gemacht hat – und stieg erneut als „Rocky Balboa“ (2005) in den Ring. Mit Erfolg.

Seine zweite Paraderolle: "Rambo"
© Studiocanal

1976 war „Rocky“ der von drei Oscars gekrönte Überraschungserfolg des Filmjahres: Gut 60 Millionen US-Dollar spielte die Low-Budget-Produktion ein. Stallone hatte das Drehbuch zu dem Film geschrieben – und sich vertraglich die Hauptrolle zusichern lassen. Dafür schlug er sogar lukrativere Angebote aus.

Er habe Rocky nicht spielen müssen, er sei Rocky gewesen, sagte Stallone einmal. Wie die Filmfigur kam auch ihr Schöpfer aus der Gosse. Keine hundert Dollar soll Stallone besessen haben, als er die Geschichte des Amateurboxers, der dem großmäuligen Weltmeister Apollo Creed die malträtierte Stirn bot, in gerade einmal vier Tagen zu Papier brachte. Der Rest ist Filmgeschichte.

Anfang dieses Jahres war Stallone für seine insgesamt siebte Darstellung von Rocky Balboa in „Creed“ für einen Oscar nominiert. Auch seinen ersten Golden Globe gewann er für seine Darstellung des von Krankheit gezeichneten Ex-Weltmeisters. Bereits 2011 wurde Stallone, der heute vor 70 Jahren in New York geboren wurde, als bislang einziger Schauspieler in die Boxing Hall of Fame aufgenommen. (jole)


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