Salzburger Festspiele starten letztes Jahr ohne Markus Hinterhäuser

Salzburg/Wien (APA) - Der Sommer nähert sich seinem Höhepunkt und damit auch die Festspielsaison an der Salzach: Am 22. Juli starten die Sal...

Salzburg/Wien (APA) - Der Sommer nähert sich seinem Höhepunkt und damit auch die Festspielsaison an der Salzach: Am 22. Juli starten die Salzburger Festspiele in ihre heurige Saison, bevor sie am 28. Juli offiziell von Festredner Konrad Paul Liessmann eröffnet werden. Die Festspiele 2016 sind dabei der Endpunkt eines zweijährigen Interregnums, bevor kommendes Jahr Markus Hinterhäuser die Intendanz übernimmt.

Noch leiten aber Sven-Eric Bechtolf und Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler gleichberechtigt das wichtigste Klassikfestival der Welt, das auch im zweiten Jahr des Führungsduos die Spitzen der Zunft nach Salzburg bringt. Eine quantitative Expansion zum Vorjahr ist dabei nicht am Programm. Bei der Oper stehen wie 2015 wieder drei szenische Neuproduktionen am Spielplan, wobei die größte Aufmerksamkeit vermutlich Thomas Ades‘ Uraufführung der Bunuel-Adaption „Exterminating Angel“ mit dem Komponisten als Dirigenten am 28. Juli erregen dürfte. Bereits am 31. Juli folgt Richard Strauss‘ selten gespielte „Die Liebe der Danae“ in der Inszenierung von Alvis Hermanis, bevor am 10. August Charles Gounods „Faust“ mit Piotr Beczala in der Titelpartie Französisches ins Festspielhaus bringt.

Hinzu gesellen sich allerdings zahlreiche Wiederaufnahmen, allen voran der Da-Ponte-Zyklus von Hausherr Sven-Eric Bechtolf, der erstmals in seiner Gesamtheit gezeigt wird, sowie die „West Side Story“ der Pfingstfestspiele am 20. August, für die erneut Gustavo Dudamel am Pult der Wiener Philharmoniker und Cecilia Bartoli auf der Bühne stehen werden. Und schließlich stehen mit Puccinis „Manon Lescaut“ am 1. August, für die das Ehepaar Anna Netrebko und Yusif Eyvazov verpflichtet wurden, sowie Jules Massenets „Thais“ mit Sonya Yoncheva und Placido Domingo am 16. August auch zwei prominent besetzte konzertante Opern am Spielplan, der am 27. August von Otto Nicolais „Il templario“ mit Juan Diego Florez komplettiert wird.

Auch im Schauspiel hält man bei den szenischen Produktionen das Vorjahresniveau. Einen frühen Höhepunkt am 30. Juli markiert Samuel Becketts „Endspiel“ als Koproduktion mit dem Burgtheater in der Regie von Altmeister Dieter Dorn, wobei die beiden Publikumslieblinge Nicholas Ofczarek und Michael Maertens als Hamm und Clov auf der Bühne des Landestheaters stehen.

Am 1. August richtet Hermann Beil Friederike Mayröckers „Requiem für Ernst Jandl“ im republic szenisch ein, bevor Deborah Warner am 2. August Shakespeares Inselmetapher „Der Sturm“ passenderweise auf der Perner-Insel spielen lassen darf - mit Peter Simonischek in der Rolle des Prospero. Am 15. August folgt mit „Der Ignorant und der Wahnsinnige“, unter anderem mit Intendant Bechtolf, dann der Höhepunkt eines kleinen Thomas-Bernhard-Schwerpunktes, zu dem auch aus zwei Leseabende mit Beil respektive Tobias Moretti gehören.

Der „Jedermann“, der heuer am 23. Juli am Domplatz Premiere feiert, wird heuer wieder mit Spannung erwartet, auch wenn es sich nach wie vor um die Inszenierung von Julian Crouch und Brian Mertes aus 2013 handelt. Schließlich ist mit Miriam Fussenegger eine neue Buhlschaft an der Seite von Cornelius Obonya mit im existenziellen Reigen.

Im Konzertprogramm wird unter anderem die neue Reihe Salzburg Contemporary fortgesetzt, welche die Komponisten Friedrich Cerha und György Kurtag zu deren 90. Geburtstagen feiert, aber auch den 72-jährigen Peter Eötvös ehrt, wenn Daniel Harding etwa die Uraufführung des Auftragswerks „Halleluja - Oratorium Balbulum“ dirigiert. Im Rahmen der Feiern anlässlich der 200-jährigen Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich wird die „Missa Salisburgensis“ von Heinrich Ignaz Franz Biber im Dom aufgeführt. Und abgesehen vom Festivalstammorchester der Wiener Philharmoniker sind heuer etwa auch das Concertgebouworkest Amsterdam, die Filarmonica della Scala oder das Gewandhausorchester Leipzig zu Gast an der Salzach.

Für die offizielle Eröffnungsrede am 28. Juli wurde heuer Kulturphilosoph Konrad Paul Liessmann verpflichtet, der in den Augen der Organisatoren einen Gegenpol zum die Gesellschaft durchsetzenden Populismus bieten soll. Inoffiziell starten die Festspiele aber auch heuer mit der 2012 erstmals umgesetzten Erfindung von Alexander Pereira, der Ouverture Spirituelle und dabei wieder mit Joseph Haydns „Die Schöpfung“. Der frisch designierte Musikchef der New Yorker Metropolitan Opera, Yannick Nezet-Seguin, wird dafür in der Kollegienkirche das Chamber Orchestra of Europe dirigieren. Gemäß der Tradition, eine spezielle geistliche Musiktradition in den Mittelpunkt zu rücken, steht heuer das östliche Christentum im Zentrum.

(S E R V I C E - www.salzburgerfestspiele.at)


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