Von der Wiener Hofburg an die Uni Innsbruck: Fischers Pläne

Bundespräsident Heinz Fischer wird am Freitag feierlich verabschiedet. Anschließend führt ihn sein Weg unter anderem nach Innsbruck.

Bundespräsident Heinz Fischer.
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Von Matthias Sauermann

Wien/Innsbruck – Im historischen Sitzungssaal des Parlaments wird Bundespräsident Heinz Fischer am Freitag verabschiedet. Damit geht eine Ära zu Ende: Zwölf Jahre lang repräsentierte Fischer Österreich als Staatsoberhaupt. Aber bereits zuvor prägte er jahrzehntelang die Politik mit.

Einen Wermutstropfen musste er am Ende doch hinnehmen: Das Szepter kann Fischer nicht nahtlos an einen Nachfolger übergeben. Nachdem die Wahl von Alexander Van der Bellen aufgehoben wurde, findet bekanntlich am 2. Oktober die Stichwahl mit Norbert Hofer erneut statt. Der Präsident bemühte sich, den Entscheid des Verfassungsgerichtes positiv auszulegen – als Zeichen für die Stärke des Rechtsstaates und der Demokratie Österreichs. Eine für Fischer typische Sichtweise.

Rückkehr an alte Wirkungsstätte in Innsbruck

Dem Wermutstropfen zum Trotz scheidet Heinz Fischer pünktlich am 8. Juli aus dem Amt. Eine Verlängerung ist verfassungsrechtlich nicht vorgesehen. Stattdessen übernimmt das Nationalratspräsidium seine Amtsgeschäfte. Das gibt dem Präsidenten das, was den möglichen Nachfolgern und der österreichischen Politik derzeit oft fehlt: Planungssicherheit.

Und die will Fischer auch nützen. Zuerst, um wandern zu gehen. So will der frühere Nationalratspräsident nämlich seinen ersten Tag als normaler Staatsbürger genießen. Wie er im TT-Interview verriet, hat er „die Wanderkarten schon hergerichtet“. Verschlagen werde es ihn irgendwo in die Voralpen.

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Und auch auf längere Sicht hat der Präsident bereits Pläne geschmiedet. So wird er ab Herbst eine Vorlesung an der Universität Innsbruck halten. Thema: „Die Geschichte und Demokratie-Entwicklung der Zweiten Republik“. Für Fischer ist das eine Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte. Vor 40 Jahren habilitierte der studierte Politikwissenschafter in Innsbruck und hielt damals bereits Seminare und Vorlesungen.

Die Freiheit genießen

Heinz Fischer will jedoch auch die andere Seite des neuen Lebens genießen, abseits der Planungssicherheit – die Freiheit. „Ich bin neugierig, wie man sich fühlt, wenn man mehr spontan entscheiden kann und weniger fremdbestimmt ist“, sagt er im TT-Interview.

Ein Buch will er vorerst noch nicht schreiben, kann es sich aber vorstellen. Er wolle „die Buchhandlungen nicht mit Fischer-Büchern überlasten“, gibt er zu bedenken.

So geht es an der Staatsspitze weiter

Die Republik muss indes von nun an ohne Fischer auskommen. Zwei Nachfolger scharren in den Startlöchern, sie müssen sich jedoch bis zum 2. Oktober gedulden. Erst dann wird (erneut) ein neuer Bundespräsident vom Volk bestimmt.

Bis dahin übernehmen Nationratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) und ihre Stellvertreter Karlheinz Kopf (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ) die Amtsgeschäfte. Sie wollen sich jedoch auf die rechtlichen Aufgaben beschränken und nicht repräsentativ wirken. Einmal mehr, weil Hofer sich ja auch im Oktober der Wahl stellt. Dies hatte Kritik hervorgerufen, dass der FPÖ-Kandidat daraus einen Vorteil für den Wahlkampf ziehen könnte. Hofer stellte dies in Abrede.


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