Tiroler Festspiele Erl mit Russlandschwerpunkt und Busoni eingeläutet

Erl (APA) - Die Tiroler Festspiele Erl haben Donnerstagabend ihre Sommersaison mit einem Russlandschwerpunkt und mit Ferruccio Busonis Klavi...

Erl (APA) - Die Tiroler Festspiele Erl haben Donnerstagabend ihre Sommersaison mit einem Russlandschwerpunkt und mit Ferruccio Busonis Klavierkonzert eingeläutet. Die Eröffnungsrede hielt Kulturminister a.D. Josef Ostermayer, der von Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner bereits im Jänner gefragt worden war, und: „Ein Wort bleibt ein Wort, auch wenn sich die Umstände ändern“, so Haselsteiner.

Der Festspielpräsident, der den Russlandschwerpunkt vor zwei Jahren angesichts der damaligen Annexion der Krim ausgerufen hatte, brach in seiner Rede eine Lanze für die russische Kultur und deren integrale Funktion für die europäische Identität. Die Festspiele Erl hätten den Russlandschwerpunkt als „Zeichen des Protests“ gewählt. „Damit möchten wir zeigen, wie unverzichtbar der russische Beitrag für die europäische Kultur ist“, betonte Haselsteiner.

Daher sei nur folgerichtig, angesichts des Brexit-Votums für die kommenden Festspiele einen Englandschwerpunkt auszurufen, erklärte Haselsteiner: „Wieder aus Protest“. Denn es könne nicht hingenommen werden, dass Politiker ihre Macht missbrauchten, um ihr eigenes politisches Überleben zu sichern, und dafür den Frieden künftiger Generationen in Gefahr brächten, argumentierte Haselsteiner: „Wir müssen die Türen für einen Wiedereintritt Großbritanniens offen halten“. Denn Europa könne weder ohne Russland noch ohne Großbritannien „vollkommen“ sein.

Ostermayer bedankte sich bei Haselsteiner dafür, dass er die Rede, obwohl er nicht mehr amtierender Kulturminister ist, halten dürfe: „Das ist nicht selbstverständlich, sondern zeugt von Größe“. Der Kulturminister a.D. unterstrich, dass er seine Funktion gerne ausgeübt habe und nutzte die Gelegenheit, sich bei all jenen Kunstschaffenden zu bedanken, die sich mit einer Petition für seinen Verbleib als Kulturminister eingesetzt haben. Denn es zeuge von „Courage, sich öffentlich zu bekennen“. Ostermayer würdigte die Festspiele: „Was hier passiert, ist außergewöhnlich. Und es findet nur statt, weil es engagierte Persönlichkeiten gibt“.

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Tirols Landeshauptmann Günther Platter dankte Haselsteiner für seinen Russlandschwerpunkt und für das künstlerische Bekenntnis der Festspiele zu einem geeinten Europa. Gleichzeitig mahnte er, dass Nationalismus keine Antwort auf die Einheit Europas sein könne, so Platter: „Und auch nicht auf die Migrationsströme. Wir haben die Verpflichtung Schutzsuchenden zu helfen, müssen dabei aber die Bevölkerung mitnehmen“.

Umrahmt wurden die Reden von vier Uraufführungen russischer Komponisten und Komponistinnen. Die Auftragswerke der Tiroler Festspiele Erl wurden von vier jungen Dirigenten der Accademia di Montegral geleitet. Im Anschluss daran gab das Orchester der Tiroler Festspiele Erl unter Führung von Gustav Kuhn das Konzert für Klavier und Orchester in C-Dur mit Männerchor op. 39 von Ferruccio Busoni zum Besten. Die fulminante Darbietung wurde von der herausragenden Leistung des Klaviersolisten Carlo Grante gekrönt. Daher ließ das Erler Publikum, das bei den Auftragswerken noch etwas verhalten applaudierte, seiner Begeisterung dann auch freien Lauf.

Heute, Freitag, Abend steht die Premiere von Gioacchino Rossinis „Guglielmo Tell“ in der Inszenierung und unter der musikalischen Leitung von Gustav Kuhn am Programm. Zudem haben die Festspiele Erl in diesem Sommer neben Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ auch Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“ am Menüplan.

(S E R V I C E - Tiroler Festspiele Erl: http://www.tiroler-festspiele.at)


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