Erste Hürde für Ärzte von morgen

In Österreich fanden gestern die Aufnahmetests für angehende Medizinstudierende statt. Über 12.000 stellten sich in Innsbruck, Graz, Linz und Wien der Herausforderung und kämpften um 1620 Studienplätze.

(Archivfoto)
© TT/Julia Hammerle

Innsbruck – Am späten Freitagmorgen gegen 8.30 Uhr ist die Halle A der Innsbrucker Messe bereits gut gefüllt – rund drei Viertel der 1900 aufgestellten Tische sind besetzt und der Zustrom aus dem Bereich der Einlasskontrolle scheint vorerst nicht abzureißen. Platz genommen haben junge Männer und Frauen, die im Herbst an der Medizinischen Universität Innsbruck ein Studium beginnen möchten und dafür ein strenges und forderndes Aufnahmeverfahren bestehen müssen. Während die einen die vorbereiteten Kugelschreiber zwischen ihren Fingern tanzen lassen, scherzen andere nervös miteinander oder sitzen konzentriert mit verschränkten Armen in sich versunken auf ihren Stühlen. Die Spannung ist greifbar und die regelmäßigen Durchsagen sowie die rot leuchtenden Digitaluhren an den Wänden, die unaufhaltsam 9 Uhr entgegenhecheln, lassen den Adrenalinspiegel steigen.

In Halle D werden die letzten der 900 Plätze zugewiesen. An den Garderoben, wo die angehenden Studierenden neben Jacken, Mänteln und Taschen auch Uhren, eigene Schreibutensilien, elektronische Geräte und Kopfbedeckungen abgeben müssen, wird die Warteschlange rasch kleiner. Auch der Menschenfluss zu den Einlasskontrollen, wo Sicherheitskräfte die Kandidatinnen und Kandidaten mit Metalldetektoren auf verbotene Gegenstände untersuchen, ebbt ab. Aus den Lautsprechern tönen ein letztes Mal Informationen zum Prozedere der Veranstaltung. Um 9 Uhr ist es so weit: Das Aufnahmeverfahren beginnt.

In Innsbruck haben sich heuer rund 3800 Bewerber für die mehrstündige schriftliche Prüfung angemeldet, tatsächlich erschienen sind schließlich knapp über 2900. Sie rittern um die im Wintersemester 2016

2017 zur Verfügung stehenden freien Studienplätze: 360 Studienplätze für Humanmedizin, 40 Plätze für Zahnmedizin, 30 Plätze für das Bachelorstudium Molekulare Medizin und 25 Plätze für das Masterstudium Molekulare Medizin. Zur Anwendung kommt dabei für die Human- und Zahnmedizin die vom Nationalrat beschlossene Quotenregelung: Demnach stehen 75 Prozent der Plätze für Bewerbungen mit österreichischem Maturazeugnis zur Verfügung, 20 Prozent für Bewerbungen aus EU-Mitgliedstaaten und fünf Prozent für solche aus anderen Ländern. Das Bachelor- und das Masterstudium der Molekularen Medizin unterliegen nicht der Quotenregelung.

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Abgefragt werden bei dem Test Basiskenntnisse in medizinrelevanten Grundlagenfächern, insbesondere in Biologie, Chemie, Physik und Mathematik. Außerdem Lesekompetenz und Verständnis von Texten, kognitive Fähigkeiten wie das Zusammensetzen von Figuren, Gedächtnis und Merkfähigkeit und soziales Entscheiden.

In ganz Österreich – also neben Innsbruck in Wien, Graz und Linz – sind am Freitag 12.160 der 15.129 angemeldeten Studienwerber zum Aufnahmetest erschienen. Insgesamt werden 1620 Studienplätze vergeben. Die nicht Angetretenen ließen die Testgebühr von 110 Euro verfallen. Das macht vor allem für jene früheren Bewerber Sinn, die mittlerweile anderweitig einen Studienplatz bekommen haben – also etwa Deutsche, die nach dem inzwischen abgelegten Abitur aufgrund ihrer Note fix mit einem Platz in Deutschland rechnen können. Rein rechnerisch erhält damit in Wien rund jeder achte Teilnehmer einen Platz, in Innsbruck und Graz jeder siebente und in Linz jeder fünfte. Das Inte­resse am Medizinstudium in Innsbruck ist ungebrochen: Die Zahl der Teilnehmer (2016: 2933) ist im Vergleich zum Vorjahr (2015: 2852) nahezu unverändert. Bei der Verteilung zwischen Frauen (2016: 1768; 2015: 1653) und Männern (2016: 1165; 2015: 1199) setzt sich der Trend aus den vergangenen Jahren fort.

Kritik an den Aufnahmetests kommt von der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), die das Verfahren abschaffen möchte. „Es muss allen möglich sein, ihr Wunschstudium beginnen zu können, unabhängig von Geschlecht oder Geld“, so Generalsekretärin Magdalena Goldinger (Fraktion Engagierter Studierender

FEST) in einer Aussendung.

Am Freitag gegen 16 Uhr fällt die Anspannung in den Innsbrucker Messehallen. Das Aufnahmeverfahren ist zu Ende. Ob die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrem Wunsch, in Innsbruck Medizin zu studieren, näher gekommen sind, erfahren sie allerdings erst im August. Dann werden die Ergebnisse bekannt gegeben. (np, TT)


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