Soziale Interaktion hat positive Wirkung bei Drogensucht

Die Innsbrucker Forscherin Rana El Rawas zeigt in einem Experiment, dass Tiere den Kontakt zu Artgenossen dem Konsum von Drogen vorziehen.

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(Symbolfoto)
© Keystone

Innsbruck – Forscher der Abteilung für Experimentelle Psychiatrie der Medizinischen Universität Innsbruck haben in einem Tiermodell die positive Wirkung von sozialer Interaktion bei Drogensucht nachgewiesen. Neurowissenschaftliche Studien würden zeigen, dass Tiere den Kontakt zu Artgenossen dem Konsum von Drogen vorziehen, teilte die Med-Uni in einer Aussendung am Montag mit.

Wie viel Potenzial tatsächlich im Austausch mit Gleichgesinnten steckt, wollen die Innsbrucker Wissenschafter nun anhand neurologischer Untersuchungen herausfinden. Die Neurobiologin Rana El Rawas habe anhand von Experimenten erforscht, was einerseits bei Drogenkonsum, andererseits bei sozialer Interaktion in bestimmten Bereichen des Gehirns passiere. Dabei habe sich gezeigt, dass beinahe die selben Hirnareale im Bereich des Belohnungssystems aktiviert werden.

Die Experimente hätten belegt, dass der Effekt von sozialer Begegnung so stark sei, dass sogar das Suchtgedächtnis gelöscht werden konnte. Denn kokainabhängigen Tiere bevorzugten zunehmend Freunde statt Drogen, wenn sie vor die Wahl gestellt wurden, hieß es. „Ziel unseres aktuellen Forschungsschwerpunktes ist es, den Effekt von sozialer Interaktion auf molekularer Ebene zu untersuchen, um drogenabhängige Menschen über den Weg der positiven sozialen Erfahrung weg von der Sucht zu führen“, erklärte El Rawas.

Mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF untersuche die Neurobiologin nun die Mechanismen, die den positiven Auswirkungen von sozialer Interaktion zugrunde liegen. Dabei gehe sie der Frage nach, welche Signalwege eine natürliche Belohnung wie ein Treffen mit einem Freund im Vergleich zu einer Belohnung mit Drogen im Gehirn auslöse. Auch ob die belohnenden Effekte von sozialer Interaktion ebenso lang anhaltend sind, wie die von Drogenkonsum, will das Team rund um El Rawas herausfinden.

In einem weiteren Projekt habe die Forscherin zeigen können, dass Hirnregionen auf soziale Interaktion mit einer verringerten Stressantwort reagieren. „Durch Spielen mit einem anderen Tier wird die Menge des Proteins p38, das bei Drogenkonsum, aber auch bei Stress oder Angst erhöht ist, reduziert“, erläuterte El Rawas. Dieses Wissen könne neben der Entwicklung von effektiven Ansätzen in der Verhaltenstherapie auch neue Wege in der Entwicklung von Medikamenten gegen Sucht und andere psychische Erkrankungen eröffnen, fügte die Wissenschafterin hinzu. (APA)


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