Ordentlich Hub für mächtig Schub

Acht Zylinder, 422 PS, 524 Nm Drehmoment und Fünf-Liter-Hubraum — der Ford Mustang GT bricht mit allen Prinzipien und lässt einen die hochoktanige V8-Gegenwart in vollen Zügen genießen.

© Letzner

Von Lukas Letzner

Innsbruck — Kennen Sie noch den Namen Eleanor? Wie — der sagt Ihnen nichts? Immerhin hätte sich Nicolas Cage an ihr fast die Zähne ausgebissen, als er sie vor 16 Jahren in dem Streifen „Nur noch 60 Sekunden" ausliefern sollte. Falls sie jetzt denken, dass wir hier von irgendeinem Hollywood-Sternchen reden — falsch. Hier geht es natürlich um ein Auto. Eines, mit dem Ford einst die Ära der so genannten Pony-Cars begründete, doch im Gegensatz zu seinen Konkurrenten wurde dieses Modell nicht wieder aus dem Programm genommen, sondern entwickelte sich in den letzten 50 Jahren zu einer echten Automobilikone und das nicht nur in den USA. Genau: Wir reden vom Ford Mustang! Trotz Tesla und Co. ist er nach wie vor der Inbegriff vom amerikanischen Traum auf vier Rädern, der jetzt, über 50 Jahre nach seiner Einführung, endlich auch in Europa offiziell erhältlich ist. Gerade rechtzeitig würden wir sagen, denn mit der letzten Generation wurde der Ford Mustang wieder so richtig interessant.

Vor einem guten Monat war es dann endlich so weit und wir durften die Cabrio-Version des Mustang GT in Empfang nehmen. Ein mächtiger Grill, flankiert von schmal nach hinten auslaufenden Scheinwerfern, seine lange Motorhaube, die gestreckte und extrem flache Seitenlinie (der Mustang ist nur 1,39 Meter hoch) machen klar: Der Neue hat das Pony-Car-Image endgültig abgelegt und folgt eher dem Motto „think big". Doch eigentlich wollen wir nur eines: schnell hinter das Steuer der Automobilikone. Der Innenraum des Mustang macht einen hochwertigen Eindruck. Die Armaturen sind übersichtlich und gut abzulesen. Dennoch wünschen wir uns irgendwie die detailverliebten, in Chrom gefassten Analoganzeigen von damals zurück.

Jetzt aber schnell die Haube runter und dann auf den Start-Knopf gedrückt. Begleitet von einem bedrohlichen Grollen erwecken wir den V8 zum Leben. In Zeiten, in denen Downsizing, Hybrid und Elektromobilität die Schlagzeilen bestimmen, ist das dumpfe Leerlaufwummen aus fünf Litern Hubraum eine wahre Wohltat. Wer über so große Lungen verfügt, der braucht auch keinen Turbo und so lässt der Sauger maximal 422 Vollblüter antreten. Zudem stemmt er ordentliche 524 Nm auf die Kurbelwelle, mit denen sich so einiges anstellen lassen sollte. Und das probieren wir natürlich gleich aus.

Nur 4,8 Sekunden soll es dauern, bis das Aggregat den doch 1,8 Tonnen schweren Mustang auf Tempo 100 katapultiert hat. Regnerisches Wetter und Heckantrieb haben eine genauere Überprüfung dieses Wertes zwar verhindert, doch der Mustang stürmt derart beeindruckend davon, dass wir es einfach glauben. 5000, 6000, 7000 Umdrehungen. Mit spielerischer Leichtigkeit wühlt sich das Aggregat durch den Drehzahl-Dschungel. Je höher die Touren, desto mehr verwandelt sich das rennbootähnliche Grollen des Saugers in hämmernden V8-Beat. Doch nicht nur in Sachen Längsbeschleunigung kann er überzeugen. Wer möchte, der kann auch mal quer durch die Ecke fliegen. Einlenken, anbremsen, Last nach vorn verlagern und kurz warten. Die Hinterachse wird leicht, schwenkt fast in Zeitlupe aus. Jetzt voll aufs Gas und Anschlag quer um die Rechtskurve. Wie quer man wirklich fährt, teilt einem übrigens das zentrale Informationsdisplay mit. Wer es übertreibt — und das passiert auf nasser Piste relativ schnell — wird dann vom energisch eingreifenden ESP eingefangen.

Doch der Mustang kann nicht nur in alle erdenklichen Richtungen beschleunigen, sondern auch ankern. Dafür sorgen die mächtigen Sechs-Kolben-Bremssättel aus dem Hause Brembo (nur bei den GT-Modellen). Präzise Bremspunkte setzen, punktgenau einlenken und mit guter Traktion aus Kurven heraus beschleunigen — fahrdynamisch erkennt man den Ford Mustang dank seinem neuen Fahrwerk kaum wieder. Zudem arbeitet die neue elektromechanische Servolenkung deutlich präziser als die des Vorgängers.

Wer mit dem Mustang Pferde stehlen will, der muss dem freundlichen Ford-Händler mindestens 45.700 Euro über den Ladentisch reichen. Die von uns getestete GT-Version kostet dann mindestens 64.600 Euro. Dann bekommt man aber einen Klassiker, der auf der Höhe der Zeit fährt.


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