Tennis

Thiem heiß auf Kitzbühel-Titel: „Jeder kennt mein Ziel hier“

Zurück in Kitzbühel: Mit dem Österreicher Dominic Thiem schlägt erstmals nach neun Jahren wieder ein Top-Ten-Spieler in der Gamsstadt auf – für den 22-Jährigen ist es zugleich die Heimpremiere als Top-Ten-Mann.
© Gepa/Pranter

Dominic Thiem ist in Kitzbühel gelandet und bereit für eine große Tennis-Woche bei den Generali Open (ab heute). Österreichs Jungstar kennt die Erwartungen – und steigert die an sich selbst noch mehr.

Von Roman Stelzl

Kitzbühel – Mit einem ganzen Turnier auf den Schultern ist es schwierig, leichtfüßig zur Pressekonferenz zu spazieren. Dominic Thiem schafft es aber irgendwie doch. Zumindest vermittelt er diesen Eindruck, als er am gestrigen Sonntag das Tennis-Stadion von Kitzbühel betritt.

Der 22-jährige Österreicher ist locker. Seine Stimme ist ruhig, die Worte sind gut gewählt, die Schweißperlen auf der Stirn glänzen nur vereinzelt im Scheinwerferlicht der TV-Kameras. „Mir geht es gut“, beginnt Thiem, der diese Woche bei den Generali Open aufschlägt. Zum ersten Mal spielt er als Top-Ten-Spieler in seiner Heimat. Und das als erster Top-Ten-Spieler in Kitzbühel seit neun Jahren.

Die Krankheit des siebenfachen ATP-Turniersiegers (Stirnhöhlenentzündung) ist ausgeheilt – die Fitness passt, der Mut steht dem ebenso wenig nach wie der Ehrgeiz. Thiem ist bereit für Kitzbühel, wo er 2015 im Halbfinale, 2014 im Finale stand. Und Kitzbühel? Ist mehr als bereit für das große Aushängeschild.

Vor seinem ersten Auftritt beim mit 520.070 Euro dotierten 250-Punkte-Turnier stand Thiem Rede und Antwort und sprach über ...

... das Gefühl, wieder in Kitzbühel zu sein: „Ich komme mit einem tollen Gefühl hierher. Es ist noch besser als die ersten Male. Jetzt habe ich doch schon einige Jahre auf der Tour gespielt. Ich weiß nun, was mich erwartet. Und daher freue ich mich noch viel mehr auf das Turnier.“

... die Höhenlage in Kitzbühel: „Die ersten Bälle gingen noch fünf Meter daneben. Aber ich mag Höhenlage sehr. Das wird kein Problem sein.“

... seine Fitness nach der überstandenen Krankheit: „Ich habe vor genau einer Woche angefangen, ganz locker zu trainieren. Seit Freitag kann ich voll trainieren. Ich fühle mich jeden Tag besser und bin nahe an der Normalform.“

... die nötige Pause für seinen Körper nach den vielen Turnieren in diesem Jahr: „Das viele Spielen war sicher ein Grund für diese Erkrankung. Ich habe lange durchgespielt, war jetzt das erste Mal seit April wieder zuhause. Es war sicher kein Fehler, dass ich mal eine Pause hatte. Die zweite Saisonhälfte wird sicher so anstrengend wie die erste.“

... fehlende Spielpraxis nach der Pause: „Ich hatte schon so viele Turniere heuer. Das sollte kein Problem sein.“

... sein Ziel in Kitzbühel: „Ich habe ein großes Ziel hier. Dieses Ziel kennt jeder, das brauch ich keinem zu sagen.“

... den ersten Heimauftritt als Top-Ten-Spieler: „Das ist ein super Gefühl. Es ist extrem schwierig, in die Top Ten zu kommen. Man braucht über viele Monate hinweg gute Ergebnisse. Es heißt jetzt, solange wie möglich das Ganze zu halten.“

... die zeitgleichen Turniere in Gstaad (SUI) und Umag (CRO), die Thiem 2015 gewann und daher nicht verteidigen kann: „Das ist natürlich bitter. Der Kalender ist heuer sehr schlecht. Ich hoffe, dass er nächstes Jahr wieder anders sein wird. Das war sicher eine Dummheit der ITF (Weltverband, Anm.). Aber man kann eh nichts machen.“

... den Davis Cup gegen die Ukraine, bei dem Jürgen Melzer zeitgleich zur Pressekonferenz spielte: „Da waren drei Turniere in einer Woche neben dem Davis Cup. Das ist einfach zu viel. Damit zerstört man auch diese kleinen, extrem guten Turniere wie ­Umag, Gstaad oder Kitzbühel. Ein Jahr wie heuer wird man überstehen. Aber für die nächsten Olympischen Spiele muss man sich etwas überlegen.“

... Jürgen Melzer und das mögliche Achtelfinalduell mit dem 35-Jährigen: „Ich würde mich sehr auf ein Achtelfinalspiel gegen Jürgen Melzer freuen. Es freut mich, dass er mit seiner Schulter beim Davis Cup wieder ein Best-of-Five-Match spielen kann. Das ist gut für das gesamte österreichische Tennis. Gegen ihn am Mittwoch zu spielen, wäre etwas ganz Spezielles.“

... die Terroranschläge in Nizza, wo Thiem 2015 und 2016 das Turnier gewinnen konnte: „Jedes Mal, wenn so etwas passiert, geht es einem extrem nahe. Egal ob es in Nizza ist oder sonst wo. Als Tennisspieler ist das alles besonders schwierig, da muss man jede Woche in eine andere Stadt. Aber jeder Terroranschlag ist einer zu viel. Egal wo.“