Ein Zehntel des neuen Perjentunnels ist geschafft

Seit Ende Mai wird gesprengt. Einen viertel Kilometer tief im Berg wird derzeit intensiv am Vortrieb für den Perjentunnel II gearbeitet.

Über 3000 Lkw-Ladungen Schutt mussten bereits abtransportiert werden.
© Asfinag

Von Matthias Reichle

Perjen –Es ist zurzeit keine schlechte Nachricht, wenn es im Perjentunnel kracht – ganz im Gegenteil. Seit Beginn der Arbeiten um die Südröhre der vielbefahrenen Verkehrsverbindung löste der Sprengmeister bereits 230-mal die Zünder aus – das Großprojekt der Asfinag macht derzeit große Fortschritte. Dabei konnten über zehn Prozent der 2852 Meter langen Südröhre im bergmännischen Vortrieb errichtet werden. „Auf der Ostseite haben wir 250 Meter, auf der Westseite 30 Meter geschafft“, betont Projektleiter Richard Loidl. Die Arbeiten starteten leicht zeitversetzt. Nach der ersten Showsprengung beim Tunnelanschlag begannen die ersten Zündungen am 27. Mai bzw. 7. Juli. Auf der Westseite waren die Vorbereitungen auch aufgrund der Lage bei der Straße Richtung Stanz und Grins jedoch schwieriger.

Über 30.000 Kubikmeter Schutt sind dabei angefallen – umgerechnet circa 3000 Lkw-Fuhren Material, die allesamt auf der Deponie Finais in Zams abgelagert werden.

Mit Bohrern werden die Sprenglöcher vorbereitet.
© Asfinag

Bereits Anfang Juli des kommenden Jahres sollte der Durchbruch geschafft sein. Erwartet wird, dass die Arbeiter etwa bei der Hälfte aufeinandertreffen. Garantie gibt es dafür allerdings keine. Niemand kann sagen, was im Berg noch wartet. „Man weiß nie, ob es schlechter oder besser wird“, so Loidl. Bisher zeigte sich jedoch, dass die Geologie so war, wie beim Bau der ersten Röhre aufgezeichnet und für den Bau der zweiten Röhre prognostiziert. Das Gestein, mit dem es die Tunnelbauer beim Perjentunnel zu tun haben, ist Quarzphyllit. Das tückische Material ist auch der Grund, warum im Sprengvortrieb gearbeitet wird. Das Risiko für einen mehrwöchigen Ausfall war bei einer Tunnelbohrmaschine zu groß, argumentiert Loidl.

Im zweiten Schichtbetrieb arbeiten derzeit zwei Teams an sieben Tagen die Woche am Vortrieb, erklärt der Asfinag-Mitarbeiter – „an 360 Tagen im Jahr“. In der Nacht von 22 bis 6 Uhr Früh herrscht dabei jeweils ein Nachtsprengverbot. Die Tunnelröhre wird mit Baustahlgittern sowie Spritzbeton abgesichert.

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Die Arbeiten in der Südröhre des Perjentunnels laufen auf Hochtouren.
© Asfinag

Um mögliche Schäden durch den Sprengbetrieb dokumentieren zu können, hat ein Expertenteambereits im Vorfeld alle Gebäude im direkten Umfeld der Tunnelbaustelle dokumentiert. „Bisher wurden bereits erste Risse gemeldet“, so Loidl. Man will diesen Schäden so bald wie möglich nachgehen.

Loidl ist mit den bisherigen Arbeiten zufrieden. „Es läuft sehr ruhig und geordnet.“ Die Südröhre soll Ende 2018 in Betrieb gehen. Im Anschluss wird die Nordröhre saniert. Das Gesamtprojekt kostet 130 Mio. Euro.

Die Vorarbeiten am West-Portal der Südröhre waren aufgrund der Lage sehr viel aufwändiger.
© Asfinag

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