Vom Irak bis in den Kreißsaal: Kuriose Pokémon-Go-Geschichten

Sie sind inzwischen überall: Spieler der neuen Smartphone-App „Pokémon Go“ schwärmen weltweit aus. Sie sorgen dabei nicht nur für Menschenansammlungen und skurrile Phänomene, sondern mancherorts auch für Ärger.

(Archivfoto)
© AFP/Josep Lago

Innsbruck — Seit dem Start der Virtual-Reality-App "Pokémon Go" vor zwei Wochen haben sich bereits tausende Smartphone-Besitzer auf die Jagd nach den Pixelmonstern begeben. Die App hat sich direkt auf Platz eins in den App- und PlayStores einquartiert. Schnell wurde klar: Die virtuellen Taschenmonster machen vor nichts Halt. Wir haben einige kuriose Geschichten gesammelt.

UNFÄLLE

In Brooklyn ging ein Mann für die Pokémon-Jagd sogar unter Wasser. Er spazierte total konzentriert durch einen Park und fiel in einen Teich. Dank der Smartphone-Kamera alles live mitzuverfolgen auf YouTube:

In Kalifornien berichtet die "San Diego Union Tribune" dass zwei Männer von einer Klippe gestürzt sind. Die beiden übersahen den Abgrund und stürzten 25 Meter in die Tiefe. Feuerwehr und Küstenwache bargen die zwei Verletzten.

Sogar im Straßenverkehr schrecken manche nicht vor der Monsterjagd zurück. In New York krachte beispielsweise ein Autofahrer in einen Baum, da er während der Fahrt am Handy gespielt haben soll. Darum warnen Polizeistationen weltweit und auch das Bundeskriminalamt Österreich vor Gefahren:

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ARBEITSWELT

Ein Neuseeländer hat nach Veröffentlichung der App seinen Job als Kellner an den Nagel gehängt, um hinaus in die Welt zu gehen und alle Pokémon zu fangen. Zwei Monate will er sich Zeit nehmen. "Ich will ein Abenteuer erleben", sagte er gegenüber "The Guardian".

In einer Jobbörse ist schon die erste Stellenanzeige für Pokémon-Go-Spieler eingetrudelt: Ein Kölner Start-Up ist für eine App auf der Suche nach Spielern, die bei der Produktion einer In-Game-Chat-Funktion mithelfen. Besonderes Zuckerl: Wer den Job bekommt, darf sich auf vier Wochen Weiterbildung in Kalifornien freuen.

KRIMINALITÄT

In Trier lief ein 18-jähriger gesuchter Straftäter der Polizei quasi direkt in die Arme. Offenbar war er zusammen mit einem Freund so in das Spiel vertieft, dass er die Beamten in seiner Nähe nicht bemerkte. Die Polizisten kontrollierten den polizeibekannten Jugendlichen und konnten ihn anschließend festnehmen. Er verbüßt nun eine sechsmonatige Haftstrafe, der er sich bisher entzogen hatte, berichtet die "Trierer Presse". Ähnlich erging es einem 30-Jährigen in München, der während des Spielens Marihuana rauchte. Als die Polizisten den Mann ansprachen, reagierte er sehr überrascht und sagte laut Polizeibericht: "Oh Shit, darf ich das noch schnell fertig machen?"

Für eine Jugendliche aus den USA endete die Suche nach virtuellen Tierchen makaber: Statt einem Wasserpokémon fand die 19-Jährige im Fluss in der Nähe ihres Hauses eine Leiche. Die Polizei hatte keine Hinweise darauf, dass der Tote Opfer eines Verbrechens war. Auch in Dänemark fand ein Spieler während der Pokémon-Jagd in einem Abwasserkanal eine Leiche.

Vier US-Jugendliche sollen die App genutzt haben, um Raubüberfälle zu begehen. Die jungen Männer im Alter zwischen 16 und 18 Jahren wurden festgenommen. Die Verdächtigen sollen Spieler zu einem sogenannten "Poke-Stop" angelockt und mit einer Waffe ausgeraubt haben. Die Zeitung "USA Today" berichtete von "zehn bis elf bewaffneten Raubüberfällen".

Ein Texaner wollte den Spieß umdrehen: Auf Facebook kündigte er an, mit Paintball-Waffen Jagd auf Pokémon-Go-Spieler machen zu wollen. Obwohl er das Posting mit Emojis versah, stufte die Polizei es als "terroristische Drohung" ein und verhaftete ihn.

Besonders tragisch: Laut "BBC" erschoss ein Mann in Florida zwei Teenager, weil er dachte, sie wollen bei ihm einbrechen.

MASSENANDRANG

Der New Yorker Central Park war zwischenzeitlich zu einer Art Hauptquartier von Pokémon-Go-Spielern geworden. Wie auf Twitter verbreitete Video-Aufnahmen zeigen, strömten die Menschen in Scharen mit ihren Smartphones in die sonst beschauliche Großstadt-Oase.

In Australien gab es sogar Ausschreitungen, weil dort genervte Bewohner von Hunderten Spielern belagert wurden. Einige Anwohner schütteten laut Medienberichten kübelweise Wasser aus ihren Fenster, um dem nächtlichen Radau ein Ende zu setzen — vergeblich. Die Polizei musste anrücken.

Grund für die Hysterie: In dem Vorort von Sydney sind gleich drei "Pokestops" zu finden, Plätze, um virtuelle Gegenstände einzusammeln oder auszulegen. Die Polizei verhängte ein Bußgeld von 200 Dollar für jeden Ruhestörer.

GEDENKSTÄTTEN UND FRIEDHÖFE

Pokémon-Freaks zücken auch in Gedenkstätten ihre Smartphones, um nach den kleinen Monster-Figuren Ausschau zu halten — und die Einrichtungen sind nicht glücklich darüber. So forderte der Arlington-Ehrenfriedhof in Washington die Besucher bei Twitter auf, das sein zu lassen, weil es unangemessen sei. Auch auf dem Wiener Zentralfriedhof seien viele Spieler unterwegs. "Wir ersuchen darum, nicht auf Gräber zu steigen oder Abstand bei Beerdigungen zu halten", sagte ein Sprecher.

Der Sprecher der Gedenkstätte im ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau bat die Entwickler, die Gedenkstätte von seiner Spiele-App zu nehmen. Auch das Holocaust-Museum in Washington versucht, den Ort aus dem Spiel entfernen zu lassen. Die Mitarbeiter des Holocaust-Mahnmals in Berlin-Mitte taten es ihnen gleich, wie die "Berliner Zeitung" berichtete.

ANDERE KURIOSITÄTEN

Die "New York Post" berichtete, eine Frau habe ihren Partner durch Pokémon Go beim Seitensprung erwischt. Demnach hatte sich der Mann mit seiner Ex-Freundin getroffen und sich unmittelbar danach auf die Suche nach Pokémon gemacht. An dem Spielverlauf habe die Freundin gesehen, dass ihr Freund ein Monster direkt im Haus der Ex gefangen habe.

In Texas stieß eine Frau auf der Pokémon-Suche überraschend nicht auf ein "Pummeluff", sondern auf einen ausgesetzten und verletzten kleinen Hund. Mit Hilfe eines Pizza-Boten wurde das Tier in eine Klinik gebracht, in der ihm das gebrochene Bein geschient wurde.


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