FOKUS 5-Bayer lässt bei Monsanto-Übernahmepoker nicht locker

* US-Konzern ist auch mit erhöhter Bayer-Offerte nicht zufrieden

* Monsanto - Sind aber offen für weitere Gespräche

* Bayer - Sehen Fortsetzung der Gespräche entgegen (neu: Bayer-Erklärung, Bayer-Betriebsratschef)

Frankfurt, 19. Jul (Reuters) - Bayer wirbt trotz der erneuten Zurückweisung durch Monsanto weiter hartnäckig um den US-Saatgutriesen. Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern sei zwar enttäuscht über die Ablehnung des um drei Dollar auf 125 Dollar je Aktie erhöhten Angebots durch die Amerikaner. Bayer sehe aber einer Fortsetzung der Gespräche mit Monsanto unter einer angemessenen Vertraulichkeitsvereinbarung entgegen, die den Zugang zu weiteren Informationen ermögliche, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Ein Bayer-Sprecher wollte nicht kommentieren, ob eine solche Vertraulichkeitsvereinbarung bereits erzielt worden sei. Zugang zu vertraulichen Informationen war einer der Knackpunkte seit Beginn der Verhandlungen der beiden Firmen.

Mit seiner erhöhten Offerte von 64 Milliarden Dollar will Bayer den Saatgutriesen doch noch zum Einlenken bewesen und verwies dabei nun auch auf die schwachen Quartalsergebnisse der Amerikaner, die zuletzt einen Gewinneinbruch von 37 Prozent erlitten hatten. „Das angepasste Angebot ist eine überzeugende Gelegenheit für eine sofortige und sichere Wertsteigerung für Monsanto-Aktionäre, insbesondere vor dem Hintergrund der zuletzt schwachen Geschäftsentwicklung und des reduzierten mittelfristigen Ausblicks von Monsanto“, erklärte Bayer. Der Konzern bekräftigte, dass sein Angebot nicht unter Finanzierungsvorbehalt stehe und sicherte Monsanto erneut eine Aufhebungszahlung von 1,5 Milliarden Dollar zu, sollten die Kartellbehörden die nötigen Freigaben nicht erteilen.

Monsanto hatte Bayer zuvor trotz der nachgebesserten Übernahmeofferte die kalte Schulter gezeigt. Das Angebot sei finanziell nicht angemessen und reiche nicht aus, um die Aktionäre zur Annahme zu bewegen, erklärte Monsanto am Dienstag. Der US-Konzern bleibe aber offen für konstruktive Gespräche mit Bayer über die Machbarkeit einer Übernahme. Dies gelte aber auch für andere Interessenten, hieß es in der knappen Mitteilung. Bayer muss nun wohl erneut nachlegen, um Monsanto zu überzeugen. Insider hatten zuvor gesagt, beide Seiten verhandelten über die Bedingungen einer Verschwiegenheitsvereinbarung, die den Weg für eine umfassende Buchprüfung freimachen soll.

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SKEPTISCHE BAYER-INVESTOREN

Monsanto hatte im Mai bereits das frühere Angebot der Rheinländer zurückgewiesen, aber ebenfalls weitere Gesprächsbereitschaft bekundet. Insider hatten bereits gesagt, Monsanto sei auch mit der erhöhten Offerte nicht zufrieden. Bevor der Konzern einem Verkauf zustimme, müsse Bayer das Angebot weiter erhöhen. Bei Bayer-Investoren stoßen die Zukaufspläne wegen des hohen Preises und des schlechten Images von Monsanto auf Skepsis. Das britische Investmenthaus Henderson Global Investors, das Reuters-Daten zufolge 16. größter Anteilseigner von Bayer ist, forderte eine Abstimmung der Aktionäre über den Deal. „Wir können die Entscheidung des Vorstands, den Aktionären die Gelegenheit zu einer Abstimmung zu verweigern, nicht akzeptieren“, heißt es in einem Brief von Henderson an Bayer. Zwar bedürfe die Transaktion nicht der Zustimmung der Anteilseigner, aber eine Billigung durch diese könnte helfen, das Vertrauen am Markt wiederherzustellen.

Bayer-Betriebsratschef Oliver Zühlke mahnte wegen der bestehenden Unsicherheit eine zügige Entscheidung im Übernahmepoker. „Je schneller der Übernahmekampf entschieden wird, desto besser. Mit jeder neuen Nachricht nehmen die Spekulationen im Konzern zu“, sagte Zühlke der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe). „Eine weitere Anhebung des Angebots ist Sache des Vorstandes, er weiß, was er dem Konzern finanziell zumuten kann.“ Strategisch sei der Zukauf sinnvoll. Gemeinsam würden Bayer und Monsanto einen weltweit führenden Anbieter für Saatgut und Pflanzenschutzmittel schaffen. Sollte der Deal glücken, wäre es die größte Übernahme eines deutschen Unternehmens in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. (Reporter: Patricia Weiß, Greg Roumeliotis, Michael Flaherty, Sinead Cruise, Matthias Inverardi und Alexander Hübner, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1312 oder 030-2888 5168)


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