Hintergrund

Rund um den Globus: Formel 1 nimmt Afrika ins Visier

Der teuerste Kreisverkehr der Welt hat offenbar nichts von seiner Attraktivität auf Seiten der Investoren verloren.
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Die Führungsriege der Formel 1 bastelt mit 1,7 Milliarden Dollar Umsatz längst an ihrer Zukunft. Europa dürfte nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, die Märkte der USA, Asiens und sogar Afrikas stehen im Fokus.

Von Daniel Suckert

Innsbruck –Wenn man rund um die Formel 1 ein Wort herausfiltern müsste, das seit Jahren immer wieder in einer Dauerschleife zu hören ist, dann wäre es wohl der Begriff „Krise“. Dass die Realität offenbar doch ein wenig anders aussieht, haben jüngste Sager aus der Führungsriege des elitären PS-Sports gezeigt. Die Königsklasse hat einen langfristigen Plan vor Augen, der bereits schrittweise umgesetzt wurde und weiterhin wird.

Größe: Bernie Ecclestone gilt zwar als der starke Mann, doch es gibt andere Persönlichkeiten, die im Schatten des Chefvermarkters agieren. Wie zum Beispiel Martin Sorrell, der eine Werbeagentur mit 124.000 Angestellten und einem Umsatz von 15 Milliarden Euro im Jahr besitzt. Und der äußerte sich dieser Tage auf der offiziellen Formel-1-Seite und verblüffte mit seinen Sagern.

„Wenn man nach einer globalen Plattform sucht, gibt es drei machtvolle Sportarten“, erklärt Sorrell. „Die Fußball-Weltmeisterschaft, die Olympischen Spiele und die Formel 1. Sieht man da noch weiter in die Tiefe, dann stellt man fest: Was die Sponsorenerträge betrifft, generiert die Königsklasse in einem Vierjahreszeitraum mehr Sponsorengelder als alle anderen.“

Das elitäre Formel 1 generiert rund 1,7 Milliarden US-Dollar. Und das, weil sie jährlich stattfindet. Übrigens: In dieser Summe sind die Sponsorengelder der Rennställe nicht berücksichtigt.

Krise: Bei Zahlenspielen wie diesen fragt man sich, wie es möglich ist, überhaupt das Wort „Krise“ in den Mund zu nehmen? Alles eine Frage der Interpretation. Fakt ist, die Einnahmen von Rechteinhaber CVC stagnieren. Schuld daran ist die erdrückende sportliche Dominanz von Mercedes.

Doch das aktuelle Beispiel vom Schweizer Rennstall Sauber beweist, dass in der Formel 1 Flaute nicht gleich Flaute bedeutet. Der Rennstall wurde gestern von der Schweizer Investment-Gesellschaft Longbow Finance SA zu 100 Prozent übernommen. Die Königsklasse auf vier Rädern hat auf Sponsorenebene also nichts bzw. ganz wenig an ihrem „Global Player“-Status eingebüßt.

Dafür sprechen auch die jüngsten Gerüchte: Der Mega-Konzern Apple könnte in das Formel-1-Geschäft einsteigen. Das berichteten mehrere britische Medien. Dabei gehe es nicht um ein Sponsoring, sondern um eine komplette Übernahme. Die Rechte von CVC sollen bei einem Marktwert von knapp über sieben Milliarden Euro liegen.

Strecken: Ein Problem gibt es allerdings doch. Und zwar an den europäischen Strecken: Die hohen Ticketpreise und ein übersättigter Markt, beispielsweise in Deutschland, lassen die Sorgenfalten bei manchem Veranstalter tiefer werden.

Offensichtlich aber nur bei den Veranstaltern. Denn Sorrell meint, Europa sei nicht mehr der Kernmarkt. Das habe die erste Expansionswelle (China, Mexiko und Russland) bereits erfolgreich bestätigt – bald schon würde der nächste Schritt folgen. Sorrell: „Indonesien wird binnen 25 Jahre das drittbevölkerungsreichste Land nach Indien und China sein. Danach könnte man über Vietnam nachdenken und ab einem bestimmten Punkt über Nigeria. Südamerika darf man auch nicht vergessen.“

Daran seien die Partner der Formel 1 interessiert. Ebenso wie an mehreren Grand Prix im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ecclestone arbeitet schon mit Hochdruck an einem möglichen Las-Vegas-Spektakel. Zusätzlich soll die Auto-Metropole Detroit am Zettel stehen. Insgesamt strebt man drei USA-Renn-Auftritte an, die in einem Monat über die Bühne gehen könnten.

Traditionsstrecken wie Spa-Francorchamps oder Hockenheim (beide Vertragsende 2018) sollen im Gegenzug aus dem Rennkalender fallen. Zusätzlich wackelt mit Monza der Italien-Auftritt, wobei der 85-jährige Ecclestone mit Imola offenbar schon für Ersatz gesorgt hat. Vor allem, um das Aushängeschild Ferrari nicht zu verärgern.

Trotzdem werden offenbar die Europa-Auftritte sukzessive weniger. Ecclestone: „Es werden neue Länder aus anderen Teilen der Welt dazukommen, nicht aber aus Europa. Die Formel 1 ist schließlich keine Europa-, sondern eine Weltmeisterschaft.“

Der teuerste Kreisverkehr der Welt folgt also weiter dem Geruch des Geldes. „Man muss dahin gehen, wo das Wachstum ist. Das gilt für mein Business genau wie für die Formel 1“, will Sorrell nichts von PS-Romantik wissen und legt nach: „Wenn ich mich an das Jahr 2005 erinnere, machten die schnell wachsenden Märkte zehn Prozent unseres Geschäfts aus. Heute sind sie bei 31 Prozent.“

Der große Aufschrei der europäischen Fans wird sich wohl in Grenzen halten. Denn für die TV-Übertragungen dürfte sich trotz weiterer Expansionspläne nichts bzw. wenig ändern. Die Fernsehzeiten werden sich auch weiter an den europäischen Uhren orientieren. Die Idealvorstellung der Führungsriege sieht also so aus: Rennen an exotischen Orten mit vollen Tribünen und hohen TV-Einschaltquoten in Europa.