ImPulsTanz: „Fla.co.men“ bot Israel Galvans musikalischen Körper

Wien (APA) - Körper und Rhythmus, Bewegung und Klang: Israel Galvans Performance „Fla.co.men“ ist auf das Wesentliche reduziert. Das bedeute...

Wien (APA) - Körper und Rhythmus, Bewegung und Klang: Israel Galvans Performance „Fla.co.men“ ist auf das Wesentliche reduziert. Das bedeutet allerdings nicht, dass er alleine sein Auslangen findet. Begleitet von sechs Musikern, hat der spanische Flamencotänzer und Choreograf am Mittwoch bei ImPulsTanz das Stück zur österreichischen Erstaufführung gebracht - unter dem Jubel des Publikums im Volkstheater.

Man kann es verstehen: Von Beginn an wickelt Galvan die Anwesenden um den kleinen Finger. Möglich macht das ein eigentlich recht einfacher Trick: Er verbindet Humor mit Präzision. Eine weiße Kochschürze um den schmalen, ganz in schwarz gekleideten Körper gehüllt, ergeht er sich in den ersten Minuten in einer slapstickhaften Abfolge von Schritten und Lauten, von Anweisungen und Bewegungen, die von Eloisa Canton teils auf Englisch übersetzt werden. Sie wird später zu E-Bass und Violine greifen, ist vorerst aber nur eines: Sidekick eines begnadeten Witzereißers.

Und das ist vielleicht Galvans größte Kunst bei „Fla.co.men“, jenem 2014 uraufgeführten Stück, für das er ohne Narration ganz auf die drei Kernelemente des Flamenco - Gesang, Instrumentalspiel und Tanz - fokussiert: Er verbindet hohes technisches Können mit einer unterhaltsamen Leichtigkeit, die zum Staunen und Schmunzeln anregt. Sein Körper selbst wird neben dem obligatorischen tänzerischen Ausdruck zum Instrument, ist ganz Rhythmus und Musik, wird von ihm bearbeitet, beklopft, verbogen und über die Bühne geworfen, um im letzten Moment innezuhalten. Die Schrittfolge, sie wird immer schneller, immer intensiver, auf mit akustischer Verstärkung ausgestatteten Bodenelementen ebenso wie auf unzähligen verstreut liegenden Münzen. Hier ist alles Klang.

Was in der ersten Hälfte des Stücks begeistert, fällt aber leider in weiterer Folge zusehends ab. Interessanterweise scheint es die Kombination mit den durch die Bank sehr fähigen Musikern, die bei dieser von Galvan explizit als Konzert ausgewiesenen Performance den dünnen roten Faden reißen lässt. Zwar entsteht anfangs aus der Aufladung mit Perkussion, Saxofon, Gitarre und Gesang ein pulsierender, sich mehr und mehr steigernder Klangkörper, der durch Galvans kraftvollen Tanz unberechenbare Noten erhält (im Optischen wie im Akustischen). Doch wird aus der Leidenschaft leider immer öfter Redundanz, aus dem instrumentalen Können bloße Selbstdarstellung.

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Und dennoch: Allen voran Galvan weiß hier zu überzeugen. Egal, ob im Fokus eines die Farbe wechselnden Lichtstrahls, im plötzlich abgedunkelten Saal hinter den Publikumsreihen schreitend oder dann wieder hell erleuchtet einigen Zuschauern den doch recht anspruchsvollen Klatsch-Rhythmus darlegend - der 43-Jährige weiß, wie er sich verständlich machen kann und jegliche Barrieren, die vorhanden sein mögen, niederreißt. Seinem musikalischen Körper könnte man eindeutig noch länger zusehen, auch ohne instrumentale Entsprechung, die zusehends zum Selbstzweck wird. Am Ende gab es großen Applaus für das gesamte Ensemble.

(S E R V I C E - Israel Galvan: „Fla.co.men“, Österreichische Erstaufführung. Regie, Choreografie & Tanz: Israel Galvan, Gesang: David Lagos, Tomas de Perrate, Geige & Bass: Eloisa Canton, Gitarre: Caracafe, Saxofon & Gaita del Gastor: Juan M. Jimenez, Perkussionsinstrumente: Antonio Moreno, zusätzliche Bühnenregie und Choreografie: Pedro G. Romero und Patricia Caballero, Licht: Ruben Camacho, Ton: Pedro Leon, Kostüme: Concha Rodriguez. Volkstheater, Neustiftgasse 1, 1070 Wien. Weitere Aufführung am 22. Juli um 21 Uhr. www.impulstanz.com)


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