Fügener Bürger segnen Verkauf der Spieljochbahn ab

Um insgesamt 4,5 Millionen Euro wird die Fügener Bergbahn an die Schultz-Gruppe verkauft. Die endgültige Entscheidung der beiden Gemeinden und des Tourismusverbands fällt nächste Woche.

Rund 200 Fügener ließen sich den Infoabend rund um das Thema Spieljochbahn nicht entgehen.
© Josef Lackner

Von Josef Lackner

Fügen –Das Thema Spieljochbahn lässt in Fügen die wenigsten kalt und so war es nicht verwunderlich, dass am vergangenen Mittwoch trotz heißer Temperaturen am Abend die Aula der Neuen Mittelschule voll besetzt war. Rund 200 Gemeindebürger waren gekommen, um sich beim Bürgerforum mit den „Leiden“ und der Zukunft der Fügener Bergbahn auseinanderzusetzen.

„Die Spieljochbahn ist nicht mehr konkurrenzfähig und kann die nötigen Investitionen nicht mehr tätigen“, erklärte BM Dominik Mainusch. Der Schuldenstand in Form von Krediten und Leasingverträgen beträgt laut Mainusch 13 Mio. Euro, die derzeitigen Haftungen der Gemeinde belaufen sich auf 2,9 Mio. Euro, die dann fällig würden, wenn die Bahn pleiteginge. Zudem wies er darauf hin, dass die Nächtigungszahlen in Fügen steigen würden, die Frequenz beim Lift in den letzten Jahren aber um 20 % gesunken sei. „Es wäre verantwortungslos, wenn die öffentliche Hand weiter investieren müsste. Es gibt in Fügen noch andere wichtige Aufgaben, wie etwa die Revitalisierung des Dorfkerns“, so sein Appell.

Die Eckpunkte des Kaufvertrages (Anteile Fügens 52 % GmbH, 35 % KG, wovon 1 % bis zum Abschluss des Ausbauprojekts bei der Gemeinde bleibt) zum Gesamtpreis von 4,5 Mio. Euro an die Familie Schultz konnte Mainusch den Bürgern bereits vorlegen: Es soll keine weiteren Zahlungs- und Haftungsverpflichtungen der Gemeinde geben, die Schulden und Haftungen werden vom Käufer übernommen, der Sommerbetrieb im jetzigen Ausmaß und auch die Übungswiese im Winter bleiben erhalten. Zudem soll es dort Freikarten für Kinder bis zehn Jahre geben. Die Situierung der Talstation bleibt am jetzigen Standort, eine branchenfremde Nutzung der Immobilien wurde laut Vertrag ausgeschlossen und die Übernahme der Belegschaft wurde vereinbart. Mit den Details wird sich der Gemeinderat nächsten Mittwoch beschäftigen und eine endgültige Entscheidung fällen. Der TVB wird in der anschließenden Vollversammlung über den Verkauf seiner Anteile entscheiden. Die Fügenberger Mandatare beschließen dies Anfang der Woche.

45 Mio. Euro will Schultz in den nächsten zwei Jahren in eine neue Zubringerbahn mit 10er-Gondeln, einen Ausbau der 3er- zur 6er-Sesselbahn und die neue Beschneiungsanlage investieren – die TT berichtete. Das Zukunftsprojekt stellt bis zum Jahr 2020 die Verbindung zum Skigebiet Hochzillertal dar. „Wir wollen investieren, den Schwung in der Bevölkerung und den Unternehmern mitnehmen und das Projekt rasch umsetzen, damit der derzeitige Marktanteil von zwei Prozent der Spieljochbahn am Zillertaler Seilbahngeschehen gesteigert werden kann“, erklärte Heinz Schultz. Er hofft, die behördlichen Bescheide rechtzeitig zu bekommen, sodass ab 20. März 2017 mit der Erneuerung der Zubringerbahn begonnen werden kann – wie die TT bereits berichtete.

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Kritik aus dem Publikum war eher rar. Eine Diskussionsteilnehmerin gab zu bedenken, dass ein vermehrtes Verkehrsaufkommen im Ort auftreten werde. Der Ortschef beruhigte und meinte, dass man das Problem angehen werde, wenn es dazu kommen sollte. Ein Funktionär des Deutschen Skiverbandes aus Bayern wollte wissen, ob die zahlreichen Trainingsbesuche weiterhin möglich seien, was Schultz gerne zusicherte. So wie auch die Tatsache, dass es nunmehr eine Tageskarte für alle drei Skigebiete (Spieljoch, Hochfügen, Kaltenbach) geben werde und die Benutzung der Skibusse inkludiert seien. „Das Ziel sind zufriedene Gäste, die nicht merken sollen, welche Gesellschaften da jetzt beteiligt sind“, betonte Schultz.

Enttäuschen wird er hingegen Aktionäre müssen, die nicht mehr mit einem „Paktl“ von Freikarten rechnen können. Anteile könnten jederzeit abgegeben werden, für dieses Jahr würde Steuerfreiheit zugesichert werden. „Uns kann mit dem Verkauf der Bahn nichts Besseres passieren“, drückte eine Wirtschaftstreibende ihre Meinung aus. Sie glaubt, einen Aufschwung in der Bevölkerung zu spüren.


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