China sieht keine systemischen Risiken durch hohe Verschuldung

Chengdu (APA/dpa/Reuters) - Trotz der wachsenden Verschuldung von Unternehmen und Ausfällen am Anlagenmarkt in China sieht Finanzminister Lo...

Chengdu (APA/dpa/Reuters) - Trotz der wachsenden Verschuldung von Unternehmen und Ausfällen am Anlagenmarkt in China sieht Finanzminister Lou Jiwei keine systemischen Risiken. Sollten solche Probleme allerdings größere Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung haben, müssten die Behörden einschreiten, sagte der Minister nach Abschluss des Treffens der G-20-Finanzminister und Notenbankchefs am Sonntag in Chengdu.

„Wir können aber nicht einfach auf öffentliche Gelder zurückgreifen, um diese Fragen zu lösen“, sagte Lou Jiwei. „Das bedeutet nicht, dass wir unsere Hände in den Schoß legen und nichts tun.“ Wenn größere Institutionen große Risiken zeigten und die Auswirkungen auf die Wirtschaft groß seien, „wird die Regierung zur Geisel genommen und muss einschreiten“, sagte Lou Jiwei.

Nach den Beratungen mit seinen Amtskollegen und Zentralbankchefs aus den anderen G-20-Ländern sprach der Minister von einer „guten Vorbereitung“ für den G-20-Gipfel am 4. und 5. September in Hangzhou in Ostchina. Er hob besonders die Bemühungen für Strukturreformen hervor. China hält in diesem Jahr die Präsidentschaft in der G-20-Gruppe und organisiert zum ersten Mal einen solchen Gipfel.

Der Abwärtsdruck auf die chinesische Wirtschaft ist einem Berater der Zentralbank des Landes zufolge nach wie vor hoch. Dennoch sollte ein Wachstum in diesem Jahr von mehr als 6,5 Prozent zu erreichen sein, sagte Bai Chongen, der zugleich Professor an der Universität Tshinghua ist, am Sonntag. Vonseiten der Politik sei bereits viel getan worden, um die Konjunktur zu stützen. Steuersenkungen seien derzeit effektiver als Zinssenkungen.

China hat sich für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum zwischen 6,5 und sieben Prozent zum Ziel gesetzt. Im zweiten Quartal legte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA um 6,7 Prozent zu und damit etwas robuster als erwartet. Dennoch gibt es Skepsis, ob China den Strukturwandel, die schwache Wirtschaft und die Folgen des Brexit-Votums einfach wegstecken kann. Nach einem jahrzehntelangen Boom mit teils zweistelligen Wachstumsraten will die Regierung in Peking das exportlastige Wirtschaftsmodell jetzt stärker auf die Binnenkonjunktur ausrichten und den privaten Konsum ankurbeln. Dafür nimmt sie geringeres Wachstum in Kauf. 2015 hatte die Konjunktur mit 6,9 Prozent so wenig zugelegt wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.


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