US-Wahlen 2016

Trump „narzisstisch“: US-Psychiater gegen Ferndiagnosen

Der designierte US-Präsident Donald Trump.
© REUTERS

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump wird gerne eine Persönlichkeitsstörung attestiert. US-Psychiater stellen klar: Das ist unethisch.

Washington — Die US-Organisation der Psychiater (APA) hat ihre Mitglieder davor gewarnt, im laufenden Präsidentenwahlkampf Ferndiagnosen über den Geisteszustand der Kandidaten abzugeben. Anlass des öffentlichen Appells war laut einem Bericht der „Washington Post" offenbar, dass in jüngster Zeit einige Mediziner und Journalisten den republikanischen Kandidaten Donald Trump öffentlich psychoanalysierten.

Der MSNBC-Journalist Joe Scarborough stellte die Frage, „Ist Donald Trump ein Soziopath?" Der frühere Dekan der medizinischen Fakultät in Harvard, Jeffrey Flier, erklärte: „Narzisstische Persönlichkeitsstörung. Donald Trump hat sie nicht nur, er definiert sie....". In einem Gastbeitrag für die „Washington Post" resümierte der Politologe Robert Kagan von der Brookings Institution: „Man fragt sich, ob die Führung der Republikaner angefangen hat zu realisieren, dass sie ihr Schicksal und das ihrer Partei einem Mann übergeben haben könnte, der eine Persönlichkeitsstörung hat."

Goldwater-Regel verbietet öffentliche Diagnosen

Die Präsidentin der American Psychiatric Association (APA), Mary A. Oquendo, erinnerte an die „Goldwater-Regel". Diese ist nach dem republikanischen Politiker Barry Goldwater benannt, der selber erfolglos für die US-Präsidentschaft kandidierte. Als er im Wahlkampf 1964 von über 1.000 von einem Magazin befragten Psychiater als psychisch unfähig für das Präsidentenamt bezeichnet wurde, wurde diese Regel entwickelt. Demnach sollen sich Psychiater zwar öffentlich über allgemeine Kennzeichen von psychischen Störungen äußern können, aber nicht einer konkreten Persönlichkeit in der Öffentlichkeit eine Ferndiagnose verpassen. Dieses Verhalten sei „unethisch".

Ausnahmen sind nur erlaubt, wenn ein Psychiater wirklich einen Prominenten, etwa einen Politiker, untersucht bzw. behandelt hat und der Patient ihn ausdrücklich von der ärztlichen Schweigepflicht entbindet.

Trump stellt Wirtschaftspläne vor

Nach schweren Wahlkampfpannen will Donald Trump indes über seine Wirtschaftskompetenz wieder in die Spur finden. Trump tritt am Montag zu Mittag in Detroit auf, um seine wirtschaftspolitischen Pläne vor den Experten des Detroit Economy Club darzulegen.

Trump will dabei auch ein neues Gremium von Wirtschaftsexperten vorstellen, das ihn im Wahlkampf künftig beraten soll. Es handelt sich hauptsächlich um Manager und Unternehmer aus der Finanzbranche sowie aus der Immobilienwelt. Seine Wirtschaftsberater präsentierte er bereits vergangene Woche. Das Team aus Superreichen wurde scharf kritisiert. Mehr dazu hier.

Unter den Experten sind die Immobilieninvestoren Steve Roth, Tom Barrack und Howard Lorber, der Fracking-Unternehmer Harold Hamm, der Banker Stephen M. Calk und der Hedge-Fonds-Manager John Paulson.

Erfolg Trumps als Unternehmer fraglich

Trump selbst wird wegen seiner Aussagen zum eigenen Erfolg als Unternehmer kritisiert. Er verwalte zwar ein Milliardenvermögen, habe den Nachlass seines Vaters jedoch nicht besonders erfolgreich verwaltet und vermehrt. Unter anderem gingen Teile von Trumps Glücksspielsparte mehrmals pleite. Die US-Demokraten werfen ihm deshalb vor, viele seiner früheren Angestellten in der Glücksspiel-Metropole Atlantik City in die wirtschaftliche Not getrieben zu haben.

Trump will dennoch Erfahrungen aus seiner Zeit als Unternehmer künftig auch in die politischen Prozesse einfließen lassen, was den New Yorker Unternehmer und Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg zu der Aussage veranlasst hat: „Gott schütze uns!". Kern von Trumps Programm werde es sein, Amerikaner zu stärken und ihnen die notwendigen Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie wirtschaftlich profitieren können, hieß es im Vorfeld aus der Wahlkampfzentrale Trumps. (TT.com/APA/dpa)