Schnanner Bach verlor „Reißzähne“
Die Oberinntaler Wildbach-Truppe hat ein zweijähriges Projekt mit Investitionen von 1,1 Mio. Euro fertig gestellt. Das neue Sicherheitspaket hat sich laut Bürgermeister Matt kürzlich bei einem Unwetter bewährt.
Von Helmut Wenzel
Pettneu, Schnann –Im Winter prallen Staublawinen auf die Rückwand der Schnanner Klamm. Bis zu 40 Meter hohe Schneemassen wurden dort gemessen. Im Sommer hat der Schnanner Wildbach dem Dorf wiederholt gewaltige Muren beschert. Etwa am 23. August 2005, als mehrere Häuser teilweise zerstört wurden und große Flurschäden beseitigt werden mussten. Der Wildbach hatte bis zu 60.000 Kubikmeter Geschiebe ins Tal transportiert.
Fazit: Das Sicherheitskonzept musste überarbeitet werden. Die Öffnungen (Dolen) in der 1991 errichteten großen Geschiebesperre am Schnanner Bach erwiesen sich als nutzlos, weil feines Material nicht gestoppt werden konnte. „Schnann war vermurt und der Geschieberaum oberhalb der Sperre war leer“, erinnert sich Bürgermeister Manfred Matt.
„Die Wildbach- und Lawinenverbauung hat ein innovatives Konzept entwickelt, das in den vergangenen beiden Jahren umgesetzt wurde“, erläuterte Gebietsbauleiter Gebhard Walter. Die Oberinntaler Wildbach-Truppe installierte einen so genannten mobilen Dolenverschluss an der großen Bogensperre samt Kameraüberwachung. Mit Hilfe von dicken Wasserschläuchen können die drei Dolen rasch geschlossen werden. Damit ist ein kontrollierter Geschiebeabfluss möglich.
Weiteres Teilprojekt im 1,1 Mio. Euro teuren Sicherheitspaket ist die Verbauung im Mündungsbereich – wo der Schnanner Bach in die Rosanna fließt. „In der Vergangenheit hat die Rosanna das Geschiebe der Schnanner Mure nicht weggeschwemmt. Es gab dort große Probleme“, weiß Matt. Ein Team der Technik-Universität Innsbruck fertigte zunächst ein Modell im Maßstab 1:30 an – Kosten: 100.000 Euro. Dieses ist dann umgesetzt worden.
„Laut Modellversuch verzögern sich die Überbordungen an der Rosanna um vier Stunden. Das bedeutet, dass bis zu 19.000 Kubikmeter mehr Geschiebe schadlos abgeleitet werden können“, klären die Wildbach-Experten auf. Schließlich sind 80 Jahre alte Geschiebesperren am Oberlauf saniert worden.
Der Bürgermeister sieht mit dem Projekt „deutlich mehr Sicherheit für den Siedlungsraum“. Nach den schweren Regenfällen vor drei Wochen zieht er ein erstes Resümee: „Wir haben gesehen, dass das Maßnahmenpaket seine Funktion erfüllt.“ Zur Projekt-Abschlussfeier am Dienstag, 16. August, heißt Matt u. a. Minister Andrä Rupprechter, LHStv. Josef Geisler und Wildbach-Sektionsleiter Siegfried Sauermoser willkommen.