Der Labrador bekommt Konkurrenz
Wer Hunde mag, sollte die noch heute laufende Rassehundeshow am Innsbrucker Messegelände besuchen. Zu sehen sind 3000 Vierbeiner verschiedenster Rassen, an ihren Urahn – den Wolf – erinnern nicht mehr alle.
Von Irene Rapp
Innsbruck – Elena Leeb aus Schlierbach mag es nicht gewöhnlich. Sie züchtet Blaue Deutsche Doggen, „Evita“ ist bei der Rassehundeshow in Innsbruck mit dabei und hat bereits die Auszeichnung „Jugendbeste“ errungen.
„Sie ist zwar riesig und tollpatschig, aber sehr ruhig – wie ein großer Schoßhund“, beschreibt die Oberösterreicherin, warum sie auf die Dogge gekommen ist. Zu den seltenen Hunderassen gehört auch der Barbet, lediglich zwei Tiere sind in Innsbruck vertreten. Wer sie streichelt, möchte nicht mehr aufhören, so flauschig ist das Fell, das perfekten Schutz im kältesten Wasser bietet.
Rund 360 anerkannte Hunderassen gibt es, 220 kann man am Innsbrucker Messegelände sehen. Ihre Besitzer sind „Züchter sowie Hundebesitzer, die ihr Tier bewerten lassen wollen“, sagt Elisabeth Manner vom Veranstalter Österreichischer Kynologenverband (ÖKV).
52.000 Mitglieder hat der ÖKV; zwölf Rassehundeshows gibt es pro Jahr in Österreich. Nach Tulln und Wels ist Innsbruck die drittgrößte Ausstellung, und auch internationale Teilnehmer sind vertreten.
Jedes Tier wird von Richtern unter die Lupe genommen – der so genannte „Formwert“ prüft u. a. Aussehen, Bewegung, Gesundheit und Charakter.
„Wir haben das Bestmögliche getan, solche Tiere sind in Ordnung“, sagt Manner. Unverständlich für sie ist es daher, dass Leute immer noch Hunde aus dem Kofferraum oder von schwindligen Internet-Seiten kaufen würden und sich dann wundern, wenn diese krank sind. „Da spielt sicher der Preis eine Rolle, aber da zahlt man später drauf“, so Manner.
Apropos Preis: Rund 1000 bis 3000 Euro muss man für einen zertifizierten Rassehund auf den Tisch legen. Und wer im Trend liegen möchte, besitzt zurzeit einen Retriever – wobei der Labrador-Retriever momentan die Nase vorn hat. „Filme und Werbung mögen eine Rolle spielen, warum eine bestimmte Hunderasse in ist“, sagt Manner. Vom Thron gestoßen kann man allerdings schnell werden: So seien die einst angesagten Collies und Dalmatiner derzeit kein Thema und schwer wegzubekommen.
Der kommende Trend-Hund steht für Manner jedoch schon fest: „Der Border-Collie“, sagt sie und beginnt zu schwärmen. „Das ist der intelligenteste Hund auf der Welt und wenn er keine Beschäftigung hat, sucht er sich eine.“ Auch der Border-Collie war übrigens schon in einem Film zu sehen – nämlich in „Ein Schweinchen namens Babe“.
Bei so manchem Hund kann man es aber nicht glauben, dass er noch Wolfs-Gene in sich trägt: Wie etwa beim Teacup-Pudel, der so klein ist, dass er als Welpe wahrscheinlich wirklich in eine Teetasse passt. Dabei handelt es sich jedoch um keine vom FCI – der Federation Cynologique Internationale – anerkannte Rasse.
Der Tschechoslowakische Wolfshund hingegen kommt dem Wolf nicht nur von seiner Optik her am nächsten: „Da wurden einmal Wölfe eingekreuzt“, klärt Manner auf.
Dass sich 3000 Hunde in den Messehallen befinden, hört man übrigens nicht: Gekläfft wird nur wenig. Und damit beim Gassigehen im Freien nichts zurückbleibt, hat der ÖKV über 40 Sackerl-Stationen im Umkreis des Messegeländes errichtet.
PS: Die Rassehundeausstellung mit buntem Rahmenprogramm kann noch heute von 9 bis 17 Uhr besucht werden.