Peter Henisch erinnert seine Kindheit als „Suchbild mit Katze“

Wien (APA) - Es ist nicht das erste autobiografische Buch von Peter Henisch. Aber nie hat er sich so ungeschminkt zum Protagonisten erklärt,...

Wien (APA) - Es ist nicht das erste autobiografische Buch von Peter Henisch. Aber nie hat er sich so ungeschminkt zum Protagonisten erklärt, wie nun als sein jüngeres Ich in „Suchbild mit Katze“ - ein Buch als Reminiszenz an seine Kindheit im Wien der Nachkriegsjahre. Weitere Hauptfiguren: Murli, die Katze von einst - und Mimi, die von heute.

Auch Vater, Mutter, die beiden Großmütter, der Opa und der Onkel kommen vor. In „Eine sehr kleine Frau“ und in „Die kleine Figur meines Vaters“ hat er einigen von ihnen bereits ein literarisches Denkmal gesetzt. Von einer Journalistin wird er darauf angesprochen, auf die immer wieder täuschende Ähnlichkeit vom Ich im Roman und dem Ich seines Lebens. Sie hält im das Mikro unter die Nase, etwas zu dicht, und seiner Antwort scheint gleich das ganze Buch zu entfließen.

Wie er das Interview einwirft und wieder verlässt, wie er vorausblendet auf Momente aus seinem späteren Leben und immer rasch zurückkehrt zu jenen jungen Jahren, zeugt von großer erzählerischer Gewandtheit. Fast harmlos will sie erscheinen, diese Autobiografie, die auf der Longlist für den Österreichischen Buchpreis ist, beiläufig gestrickt und doch mit Innigkeit erzählt, der Truganfälligkeit der Erinnerung stets schmunzelnd eingedenk und doch entschieden in der Einfühlung ins Damals.

„So ungefähr. Natürlich erinnere ich mich nicht wortwörtlich an solche Dialoge. Aber die Stimmen, die ich jetzt in meinem Kopf höre, und was sie sagen rasch aufschreibe, mitschreibe, handschriftlich, was ich schon lang nicht getan habe, kommen nicht aus dem Nichts, sondern aus einem Nachklang von damals....Ich sollte das alles abtippen, solang ich es noch lesen kann.“

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Der Katzenmensch Henisch erzählt von waghalsigen Unternehmungen der Murli auf das Dachsims, und dazwischen auch von dem, was sich dort unten, „auf der Gasse“, so alles abspielte. Von der Wohnung, der das weggebombte Zimmer einfach fehlte, nur ein Luftzug aus der Ecke, wo es sein sollte, zeugte noch davon. Vom alles durchdringenden Optimismus der Wiederaufbaustimmung, die der Vater als Pressefotograf eifrig dokumentiert und mit nach Hause bringt. Von den beiden Omas, die so unterschiedlich sind, von der schönen Mama und - zwischendurch, wie zum Pause machen - von der späteren Frau und der Tochter.

„Und sie fragt mich, wie es mir geht und ich sage ihr, dass es mir ganz gut geht. Machst du Bewegung, fragt sie. Ja, sage ich, jeden Tag mache ich ein paar Schritte mehr. Das ist gut, sagt sie. Das hör ich gern. Und wie geht es dir mit dem Schreiben? Auch nicht schlecht, sage ich. Seit ein paar Wochen schreibe ich an so etwas wie einer Autobiografie. Ist das Ihr Ernst, fragt die Frau S., nachdem ich das Gespräch mit meiner Tochter beendet habe, Sie schreiben wirklich Ihre Memoiren? Mein bitterer Ernst, sage ich. Sie kommen übrigens auch darin vor.“

„Suchbild mit Katze“ ist nicht nur eine Autobiografie - oder der gerade mal bis nach dem Schuleintritt reichende erste Teil einer solchen -, sondern auch das Protokoll eines Autobiografie-Schreibens. Und so erfährt man, oder - wenn man es selbst erlebt hat - erinnert man sich nicht nur an viele Alltagsdinge aus dem Wien der 50er Jahre, sondern wird auch zum Sinnieren über das Erinnern selbst eingeladen. Ein Suchbild eben. Immer mit Katze.

(S E R V I C E - Peter Henisch: „Suchbild mit Katze“, Zsolnay, 308 Seiten, 20,60 Euro. Peter Henisch präsentiert sein Buch morgen, Dienstag, im Linzer Stifter-Haus, am 4. Oktober in der Alten Schmiede in Wien und am 13. Oktober im Theater am Steg, Baden.)


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