Prozess gegen Amokfahrer - Befragung der Zeugen fortgesetzt

Graz (APA) - Im Grazer Straflandesgericht ist am Montag der Prozess gegen Alen R. (27) fortgesetzt worden. Er soll im Juni 2015 bei einer Am...

Graz (APA) - Im Grazer Straflandesgericht ist am Montag der Prozess gegen Alen R. (27) fortgesetzt worden. Er soll im Juni 2015 bei einer Amokfahrt drei Menschen getötet und Dutzende verletzt haben. Am fünften Verhandlungstag schilderten weitere Zeugen, wie sie die Horrorfahrt erlebt haben. Eine Frau wurde angefahren und fiel auf die Straße: „Plötzlich lag ich ohne Brille und ohne Schuhe am Boden.“

An den vergangenen beiden Verhandlungstagen schilderten zahlreiche Zeugen, was sie an diesem 20. Juni in der Grazer Innenstadt erlebt hatten. Dabei wurde deutlich, dass auch jene, die körperlich unversehrt geblieben waren, immer noch an den psychischen Folgen leiden. Immer wieder brachen Zeugen in Tränen aus, weil sie immer noch nicht begreifen können, wie nahe sie selbst an diesem Vormittag dem Tod gewesen waren. Andere hatten neben sich den vierjährigen Bub oder die 53-Jährige Frau sterben sehen und konnten nur mit Mühe darüber reden. Die Fassungslosigkeit und die Wut über das Gesehenen müssten viele noch in Therapien aufarbeiten.

Eine Zeugin erzählte, dass sie vor einem Schuhgeschäft von dem Geländewagen erfasst worden war und nur noch weiß, dass sie plötzlich am Boden lag, ohne Brille und ohne Schuhe. Zwölf Knochenbrüche und sieben Monate Krankenstand waren das Resultat. Ein Mann wurde vor einem Cafe niedergestoßen und von den Hinterreifen überfahren: „Ich hatte einen Reifenstreifen auf meinem Oberschenkel“, beschrieb er vor Gericht. Er lag am Boden „und sah plötzlich den Hubschrauber am Himmel.“

Schwer verletzt wurde auch eine ältere Frau, die nach eigenen Angeben immer noch Angst hat. Sie wurde ebenfalls von dem Wagen erfasst und brach sich unter anderem beide Beine und das Brustbein. Zehn Operationen musste sie über sich ergehen lassen, vier Monate war sie im Spital. „Arbeiten kann ich nicht mehr“, meinte die ehemalige Hausbesorgerin bedauernd, auch das Radfahren habe sie aufgegeben.

Ein junge Kellnerin sah bei ihrer Arbeit in einem Cafe den Geländewagen auf sich zurasen, konnte aber ausweichen. „Hatten Sie das Gefühl, er hat den Gastgarten anvisiert?“, fragte Richter Andreas Rom. „Ja, er hätte auch rechts vorbeifahren können“, war die Befragte überzeugt.


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