Schlussakt für „Rosetta“ 2 - Datenauswertung wird noch Jahre dauern

Graz/Wien (APA) - Die Forscher am Grazer IWF waren an der Entwicklung und dem Bau mehrerer Instrumente auf der Raumsonde und der Landeeinhei...

Graz/Wien (APA) - Die Forscher am Grazer IWF waren an der Entwicklung und dem Bau mehrerer Instrumente auf der Raumsonde und der Landeeinheit beteiligt. Unter Federführung des IWF ist in Graz u.a. das Instrument MIDAS entstanden. Es hat mit Hilfe eines Rasterkraftmikroskops den Kometenstaub genauer unter die Lupe genommen, um dreidimensionale Bilder von Kometenpartikeln im Nanometerbereich zu erstellen.

„Um herauszufinden, wie Kometen entstanden sind, wollen wir die Struktur der kleinsten Körner erforschen und verstehen, wie diese gebildet wurden“, erläuterte Mark Bentley, der wissenschaftliche Leiter von MIDAS am IWF, der jüngst eine Nature-Studie dazu publiziert hat, gegenüber der APA. „Das größte Staubkorn, das wir mit MIDAS untersucht haben, ist kleiner als ein menschliches Haar. Die anderen Körner entsprechen der Größe eines roten Blutkörperchens oder haben den Durchmesser eines Bakteriums. Die Form und Struktur der Staubteilchen reicht von kleinen, kompakten Körnern bis zu größeren, porösen, lockeren Agglomeraten, die jedoch in geringerer Menge vorkommen. Sie scheinen einen älteren Ursprung zu haben“, schilderte Bentley die jüngsten Ergebnisse.

In den letzten Stunden der „Rosetta“-Mission sind von diesem Instrument keine weiteren Daten mehr zu erwarten: „Das Instrument wird bereits am Donnerstag abgeschaltet, da die Zeit nicht mehr ausreicht, um die Daten auch vollständig zur Erde zu senden“, wie Bentley erklärte.

Das baldige Ende der Datenmessungen sieht der IWF-Forscher Bentley gelassen: „Die bisherige Datenqualität ist gut. Für uns war es sicher noch nicht die letzte Publikation“, sagte Bentley. Für die Wissenschaft beginne nun die interessanteste Phase: „Jetzt haben wir endlich Zeit, um die Messergebnisse auszuwerten und dann miteinander zu vergleichen. Es könnte durchaus sein, dass wir daran noch mehr als zehn Jahre arbeiten“, blickte Bentley in die Zukunft.

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Auf der langen Reise entfernte sich „Rosetta“ beinahe bis zu 900 Millionen Kilometer von der Sonne, wodurch die Solargeneratoren kaum mehr Strom erzeugen konnten. Während dieser 32 Monate langen Phase wurde die Raumsonde in eine Art Winterschlaf versetzt. Um ein Einfrieren zu verhindern, entwickelte die RUAG Space Austria einen speziellen „Schlafsack“, der für stabile Temperaturverhältnisse im Inneren des Orbiters sorgte.

Die insgesamt zwölf Jahre lange Mission war von Höhen und Tiefen geprägt: Die Bilder von der Landschaft des nur vier Kilometer langen Kometen „Tschuri“ ließen den Atem anhalten. Mit seinen schroffen Klippen, Staubfontänen und tiefen Löchern hat sich „Tschuri“ auf den detailreichen Bildern als vielfältige, bizarre Welt entpuppt. Der Lander „Philae“ legte jedoch eine holprige Landung hin, war in einer Felsspalte gelandet und konnte nur rund 60 Stunden Daten erheben. Lange wusste man nicht genau, wo die Landeeinheit schlussendlich zum Liegen kam, erst vor wenigen Tagen wurde auf Bildern einer hochauflösenden Kamera die Landeeinheit „Philae“ in einer dunklen Spalte des Kometen wiederentdeckt.


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