Grasgeflüster macht den Allroad high

Kombis mit SUV-Ummantelung bleiben en vogue: Audi hält dem Konzept die Stange, wie die zweite Generation des A4 Allroad belegt; die Vorteile – Allrad, hohe Sitzposition, Offroad-Beplankung – sind evident.

Ab Werk ist jeder A4 Allroad mit Quattro-Allradantrieb und einem Automatikgetriebe (Doppelkupplung oder Wandler) versehen, die Tarifliste beginnt mit 46.280 Euro.
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Von Markus Höscheler

Terfens –Nicht zu knapp war die Schelte für das Erscheinungsbild des neuen A4 im vergangenen Jahr. Trotz des unübersichtlichen Technikfortschritts veränderte sich beim Generationswechsel rein äußerlich nach Ansicht zahlreicher Kritiker etwas zu wenig. Auf den ersten Blick mag Ähnliches gelten für das Derivat A4 Allroad. Bei genauerer Betrachtung fällt schon äußerlich einiges auf zwischen der ersten Generation des Jahres 2009 und ihrer Nachfolgerin von heuer. Die Motorhaube ist anders gefaltet, der Kühlergrill samt Logo plastischer und eckenreicher geworden. Front- und Heckleuchten dürfen noch mehr Kante zeigen, die Allroad-typische SUV-Beplankung hat an Konturen und Schärfe gewonnen.

Doch wie bei Limousine und Avant – der Allroad-Basis – reizen die Neuerungen im Innenraum das Auge mehr: etwa das optionale Virtua Cockpit, ein volldigitales Instrumentarium, das sich individuell einstellen lässt. Die Leuchtkraft beeindruckt, selbst bei hellstem Sonnenschein; der hohen Auflösung zollen wir Respekt. Dies trifft auch auf das mittige Display zu, Teil des MMI-Multimediasystems, das mit Navigation, Entertainment und Fahrzeugkonfiguration zahlreiche Betätigungsebenen anbietet. Die Bedienung über das Drehrad, über die Multifunktionstasten, über die Spracheingabe und über das Touchfeld führt grosso modo erfolgreich und hürdenarm zum Ziel.

Nicht minder angenehm sind weitere Details, die teilweise optional, teilweise ab Werk dem A4 Allroad angehören: Mit der Dreizonen-Klimaautomatik arrangieren sich auch die reichlich Platz vorfindenden Fondgäste, die Leder-Alcantara-Sportsitze treffen das richtige Maß an Komfort und Seitenhalt – und dem Auge schmeicheln ein paar optische Gimmicks wie die Privacy-Verglasung, die 18-Zoll-Räder im Doppelspeichen-Dynamik-Design und das Aluminium-Optikpaket.

Ein weiteres Verwöhnungs­areal eröffnet sich beim Fahren: Mit dem „Drive Select“-Programm lassen sich Fahrwerksabstimmung, das Verhalten der Siebengang-Doppelkupplung (S tronic) und die Reaktionen auf die Gaspedalstellung variieren – in Summe vergisst der A4 Allroad aber nicht auf ein Mindestmaß an Komfort, was sich auf Langstrecken auszahlt. Für diese eignet sich – den unausbleiblichen Dieselaffäre-Folgediskussionen zum Trotz – der Sechszylinder-Turbodiesel, der mit 218 PS und 400 Newtonmetern maximalem Drehmoment ab 1250 Touren immer wieder zweckdienliche Kostproben seiner Leistungsbereitschaft abgibt. Ansprechverhalten, Durchzug und Laufkultur überzeugen bei diesem neuen Dauertester, auch der erzielte vorläufige Durchschnittsverbrauch von 6,8 Litern je 100 Kilometer harmoniert mit den gebotenen Fahrleistungen und dem Eigengewicht von annähernd 1,8 Tonnen. Dazu trägt nicht nur die üppige Sonderausstattung bei, die den Testwagenpreis auf 75.013,59 Euro anhebt, sondern auch der Quattro-Allradantrieb. Der ist – neben höhergestellter Karosserie und Offroadschutz – ein zusätzliches Lockmittel, den hochgestellten und ladefreundlichen Kombi auch einmal abseits des Asphalts auszuprobieren. Der Ausflug ins Grüne weitet den Horizont.

Die Technik

Motor: Sechszylinder-Turbodiesel

Hubraum: 2967 ccm

Drehmoment: 400 Nm bei 1250 U/min

Leistung: 160 kW/218 PS

L/B/H: 4750/1842/1493 mm

Gewicht: 1765/2280 kg

Kofferraumvolumen: 505–1510 l

Tankinhalt: 58 l

Höchstgeschwindigkeit: 231 km/h

0–100 km/h: 6,6 Sekunden

Verbrauch: 6,8 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 75.013,59 Euro

CO2-Emission: 137 g/km


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