80 Jahre Internationale Brigaden - DÖW präsentiert neuen Studienband

Madrid/Wien (APA) - Vor 80 Jahren wurden die Internationalen Brigaden gegründet, in denen auch rund 1.400 Österreicher aufseiten der linksbü...

Madrid/Wien (APA) - Vor 80 Jahren wurden die Internationalen Brigaden gegründet, in denen auch rund 1.400 Österreicher aufseiten der linksbürgerlichen Republik im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) gegen die aufständischen faschistischen Truppen rund um General Franco kämpften. Das DÖW hat dazu einen Jubiläumsband mit ganz spezifischen Forschungsschwerpunkten herausgegeben, der am Donnerstag präsentiert wird.

Dass in dem vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) editierten Band über die Ende Oktober 1936 unter kommunistischer Führung ins Leben gerufenen Internationalen Brigaden ein Kapitel dem 2014 verstorbenen Hans Landauer gewidmet ist, versteht sich praktisch von selbst. Der 1921 geborene Niederösterreicher zog rund ein Jahr nach dem Putsch im Juli 1936 als 16-jähriger in den Bürgerkrieg in einem fremden und damals doch noch sehr fernen Land.

Auch wenn ihn der aus Wien stammende Vermittler bei der Rekrutierung in Paris zuerst gar nicht nehmen wollte. Das dabei gefallene Zitat „Bist deppert, wir schicken doch keine Kinder nach Spanien“ hat Landauer später oft und gerne zum Besten gegeben. Landauer starb letztlich auch als allerletzter der österreichischen „Freiwilligen für die Freiheit“, wie ihr Selbstverständnis nach dem Zentralorgan der Internationalen Brigaden namens „El Voluntario de la Libertad“ auch lautete.

Ein großer Verdienst des späteren Polizeibeamten war es aber, dass er in der Pension die Spuren seiner ehemaligen Kameraden mit der Akribie eines Kriminalisten aufspürte, und damit ab 1984 das „weltweit größte Archiv eines nationalen Kontingents der Spanienkämpfer“ aufbaute, wie in dem Band mit dem schlichten Titel „80 Jahre Internationale Brigaden“ nachzulesen ist.

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Zum 50. Jahrestag des Ausbruchs der Guerra Civil im Jahr 1986 erschien unter seiner Ägide auch das Buch „Für Spaniens Freiheit“, das die erste umfassende Aufarbeitung dieses Kapitels der Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung darstellte. Zehn Jahre später sollte noch das gemeinsam mit dem Schriftsteller Erich Hackl veröffentlichte „Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer“ folgen.

Auch rund 43 Frauen aus Österreich zogen nach Spanien in den Bürgerkrieg, die meisten von ihnen waren im Sanitätsdienst tätig. Mit der wahrscheinlich 1944 im KZ Buchenwald ermordetem Anna Peczenik wird in dem neuen DÖW-Band eine von ihnen porträtiert. Und von diesen 43 Frauen waren 30 jüdischer Herkunft. Das ist etwas über dem generellen Schnitt. Etwas mehr als zehn Prozent der Spanienkämpfer aus Österreich waren Juden.

Für die jüdischen Kämpferinnen und Kämpfer war der Bürgerkrieg ein „Emanzipationsort“, wie es in dem Band hieß. Sie waren gleichermaßen vor politischer Verfolgung und wachsendem Antisemitismus geflohen. Wobei der Widerstand mitunter eine geradezu tragisch-banale Pragmatik hatten, wie der jüdische Spanienkämpfer und damalige KP-Funktionär Leopold Spira einmal anmerkte: „Juden hat man weggeschickt, weil sie in der Nazizeit nur eine Belastung gewesen wären. Also zu einem jüdischen Funktionär hat man im Allgemeinen gesagt: Schau, dass du weiterkommst, weil du kannst hier nur die anderen hineinziehen.“

80 Jahre nach dem Spanischen Bürgerkrieg wird über die Internationalen Brigaden nichts wesentlich Neues zu erfahren sein. Nicht zuletzt dank Hans Landauer wurden die historischen Grunddaten bereits umfassend erforscht. Es sind aber Detailstudien wie in diesem neuem Büchlein (eine arbeitet heraus, wie viele der in Spanien aktive Widerstandskämpfer später zur Wiener Polizei gingen), die zeigen, dass es sogar auf diesem Feld doch noch einige Nischen zu beackern gibt.

S E R V I C E: DÖW (Hg.:) 80 Jahre Internationale Brigaden. Neue Forschungen über österreichische Freiwillige im Spanischen Bürgerkrieg. DÖW, Wien 2016. 158 Seiten,12,50 Euro . ISBN 978-3-901142-67-3. Das Buch wird am Donnerstag, 29. September 2016 ab 16.00 Uhr im Ausstellungsraum des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW), Wipplingerstraße 6-8, 1010 Wien, präsentiert. Ein Porträt von Hans Landauer wurde am 13. Juli 2016 versandt (APA054/055).


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