Prozess gegen Amokfahrer - Zeuge: „Für mich war das ein Mordanschlag“

Graz/Maissau (APA) - Am sechsten Tag im Prozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer ist im Grazer Straflandesgericht die Befragung der Zeugen ...

Graz/Maissau (APA) - Am sechsten Tag im Prozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer ist im Grazer Straflandesgericht die Befragung der Zeugen fortgesetzt worden. Alen R. soll im Juni 2015 mit seinem Geländewagen drei Menschen getötet und zahlreiche Personen schwer verletzt haben. Ein Mann, der mit seiner Familie radelnd unterwegs war, wurde ebenso wie sein Sohn schwer verletzt.

Der Zeuge war mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Stadt unterwegs gewesen, als der grüne SUV auf die Familie zusteuerte. Der Vater und einer der Buben wurden erfasst und zu Boden geschleudert. Die Frau schilderte, wie sie zwischen den beiden Schwerverletzten hin- und hergerannt war. „Ich habe gedacht, mein Mann ist sowieso tot“, erzählte sie. Er lag bewegungslos in einer Blutlache, sie stellte den einen Sohn hin, „damit er auf den Papa aufpasst“. Der andere Bub hatte schwerste Kieferverletzungen, ein Bein stand vom Körper ab. „Alle haben geschrien, ich soll ihn nicht angreifen, sonst ist er querschnittgelähmt.“ Die Mutter hatte aber Angst, dass ihr Kind am Blut erstickt, und drehte den Kleinen auf die Seite.

Beide Verletzten überlebten, der Vater geht heute noch auf Krücken, der Bub - er wurde abgesondert in einem Nebenzimmer des Gerichtssaals befragt - wirkte wieder recht munter. Er konnte sich an den Vorfall selbst nicht erinnern, schilderte nur, wie er lange im Krankenhaus liegen musste: „Mir war fad und ich hatte Schmerzen.“ Sein Vater beschrieb, wie der tonnenschwere Wagen direkt auf die Familie zuraste: „Für mich war das ein Mordanschlag.“

Eine andere Zeugin schilderte, wie überall verletzte Menschen in der Herrengasse und am Hauptplatz lagen: „Es war die Hölle, ein Bild des Grauens.“


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