Entrüstung über „Gott sei Dank“

Die Schützen fühlen sich von einem Zwischenruf bei einem Konzert in Kärnten beleidigt.

"Dem Land Tirol die Treue" gilt als die heimliche Landeshymne Tirols und wird bei Zeltfesten und offiziellen Anlässen gerne gespielt.
© Symbolfoto: Böhm

Velden, Innsbruck –Ein Vorfall bei einem Platzkonzert einer Mühlviertler Musikkapelle im Kärntner Velden lässt dieser Tage bei Tiroler Schützen die Emotionen hochkochen. Wie die Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) berichten, gab der Musikverein Sankt Gotthard im Mühlkreis ein Gastspiel in Kärnten und stimmte dabei auch den Tiroler Marsch „Dem Land Tirol die Treue“ an. Nach der zweiten Strophe, in der martialisch die Abtrennung Südtirols besungen wird – „Ein harter Kampf hat dich entzweigeschlagen, von dir gerissen wurde Südtirol“ – rief eine Mühlviertler Musikerin „Gott sei Dank“ aus. Sehr zum Ärger eines Besuchers, der sich per Leserbrief an die Südtiroler Zeitung Dolomiten wandte und darin den Vorfall schilderte. Das machte die Empörung über den Zwischenruf perfekt.

Dabei ist die Diskussion rund um das ausgerufene „Gott sei Dank“ nach besagter Zeile des Tiroler Marsches nicht neu. Bereits vor einigen Jahren hatten die Nordtiroler Schützen deswegen gemeinsam mit den Jungbauern und Verbänden eine Informationsoffensive gestartet. Damals war es bei Zeltfesten, Bällen und Konzerten in Mode gekommen, das „Gott sei Dank“ laut zu schreien, erinnert sich Landesschützenkommandant Fritz Tiefenthaler auf Nachfrage der Tiroler Tageszeitung. Eingeführt habe diesen fragwürdigen Zwischenruf eine Tiroler Band, die das Stück volkstümlich interpretierte. „Wir empfinden das persönlich als beleidigend“, sagt Tiefenthaler vor dem Hintergrund des jüngsten Vorfalls in Kärnten. Immerhin hätten Großväter und Urgroßväter sich für die Landeseinheit starkgemacht. An ein Aufflammen der Debatte hierzulande glaubt Tiefenthaler dennoch nicht. Diese Angelegenheit habe man glücklicherweise damals weitgehend ausräumen können, heute höre man das „Gott sei Dank“ in diesem Zusammenhang in Tirol nicht mehr.

Dem Musikverein St. Gotthard ist der Ausruf seiner Musikantin laut OÖN jedenfalls höchst unangenehm, und man ist um Glättung der Wogen bemüht. „Es tut uns sehr leid“, wird Musikvereinsobmann Jürgen Brungraber in dem Blatt zitiert. „Es war eine Dummheit, und es steckt mit Sicherheit kein politisches Motiv dahinter.“ (np, TT)

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