Internationale Pressestimmen zur Fernsehdebatte Clinton-Trump

Washington (APA/dpa/AFP) - Zur Fernsehdebatte der beiden US-Präsidentschaftskandidaten schreiben die Zeitungen am Mittwoch:...

Washington (APA/dpa/AFP) - Zur Fernsehdebatte der beiden US-Präsidentschaftskandidaten schreiben die Zeitungen am Mittwoch:

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Trump reagierte oft aufbrausend und wenig staatsmännisch, etwa wenn er mit einer früheren kontroversen Aussage konfrontiert wurde. Clinton wiederum wirkte bisweilen wenig sympathisch, sie grinste über breite Strecken süffisant oder lachte laut über Trumps Aussagen. Doch wichtiger als persönliche Sympathien und Antipathien sind die Pläne, die die Kandidaten für Amerikas Zukunft haben, und ihre Qualifikation für das höchste Staatsamt. Hier führte die Debatte den Zuschauern vor Augen, was eigentlich offensichtlich ist: Clinton ist im diesjährigen Zweikampf die einzige Kandidatin, die für das Präsidentenamt geeignet ist. (...)

Die Demokratin mag den ersten Schlagabtausch gewonnen haben, doch eine erfolgreiche Schlacht macht noch keinen Sieg. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schnell sich Trump von Rückschlägen erholt und dass sich Clinton immer wieder eigene Stolpersteine schafft. Sie muss die unentschlossenen Wähler davon überzeugen, dass sie trotz eigenen Fehlern die bessere Wahl für das Weiße Haus ist. Ihr bleiben noch vierzig Tage und zwei Fernsehdebatten, um das zu erreichen.“

„Politiken“ (Kopenhagen):

„Vergesst seine kontroversen und schädlichen politischen Vorschläge, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, Handelskriege mit China zu beginnen und Millionen Migranten auszuweisen, für einen Moment. Die erste von drei Debatten mit Hillary Clinton hat unterstrichen, dass Donald Trump nicht die Fähigkeiten, das Temperament und die Selbstdisziplin hat, um ein verantwortungsvoller amerikanischer Präsident zu werden. Während Clinton fokussiert blieb, einen beeindruckenden Überblick und ein großes Wissen zeigte, verlor Trump offensichtlich im Laufe der Debatte mehr und mehr Konzentration und Geduld. Er kritisierte Clinton dafür, nicht genug Stehvermögen zu haben, aber es war der Bau-Matador selbst, der sich nicht einmal in den eineinhalb Stunden konzentrieren konnte, die die Debatte dauerte.“

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„Magyar Idök“ (Budapest):

„Zwei völlig konträre Amerika-Bilder prallten aufeinander. Trump rief Bilder von einem heruntergekommenen (...) Dritte-Welt-Land wach, in dem man ‚Gesetz und Ordnung‘ wiederherstellen müsse. Clinton hingegen wollte höchstens die bestehenden Verhältnisse subtiler managen, um etwa die Beziehungen zwischen den Menschen unterschiedlicher Hautfarbe zu verbessern. (...) Theoretisch könnte Trump, der in den Vorwahlen für eine Überraschung nach der anderen gut war, das Blatt noch zu seinen Gunsten wenden. Denn Umfragen zufolge behaupten zwei Drittel der Amerikaner, dass sie mit der Richtung, in die das Land derzeit geht, nicht einverstanden sind. Wütende, sehr wütende Menschen stehen hinter Trump, und es sind nicht wenige. Aber, wie sich zeigt, sind es auch nicht 70 Millionen, so viele, wie Trump für einen Wahlsieg bräuchte.“

„Kommersant“ (Moskau):

„TV-Duelle gelten als Schlüsselereignisse und haben schon manche US-Präsidentenwahl entschieden. Sie sind ein Kampf unterschiedlicher Taktiken. In diesem ersten Duell hat Donald Trump auf emotionale Momente nicht verzichtet. Aber Hillary Clinton zeigte sich vorbereitet. Trump lebe in seiner eigenen Wirklichkeit, sagte sie etwa. Trump lächelte spöttisch. Für ihn sollen die Debatten eine Chance zum Beweis sein, dass er eben kein exzentrischer Geschäftsmann ist. Als Vorbild könnte Ronald Reagan dienen, der im Wahlkampf lange ein ähnliches Image hatte. Im TV-Duell mit Jimmy Carter zeigte er sich aber besser - und gelangte im Endeffekt ins Weiße Haus.“

„Frankfurter Rundschau“:

„Vorteil Hillary Clinton. So lautet das einhellige Urteil nach dem TV-Duell. Das räumten sogar Anhänger Donald Trumps ein. Sie beeilten sich allerdings auf die beiden folgenden TV-Debatten hinzuweisen. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Clinton mag mit einer soliden Leistung einen unvorbereitet und fahrig wirkenden republikanischen Herausforderer dominiert haben. Doch die Wahl ist bei weitem nicht entschieden. Viel neues gab es nämlich nicht während der 90-minütigen Redeschlacht. Bekannt war, dass Clinton akribisch argumentiert und ihrem politischen Plan folgt und dass Trump eher impulsiv agiert und während des Wahlkampfs bereits schlechte Auftritte hinlegte. Bekannt war auch, dass es um Politik gegen Provokation und Lösungsvorschläge gegen Lügen geht. Es bleibt also spannend, wahrscheinlich bis zur Wahl am 8. November.“

„Le Monde“ (Paris):

„Angriff ist die beste Verteidigung. Getreu diesem Motto hat Clinton einen Punktgewinn verzeichnet. Sie hat es sogar geschafft, ihre Verwundbarkeit in der peinlichen Email-Affäre vergessen zu lassen, und sie hat Trump mehr als einmal in die Defensive gedrängt. Die Frage ist allerdings, ob die klassischen Regeln in diesem außergewöhnlichen Wahlkampf überhaupt gelten. (...) Können Clintons Rationalität und Erfahrung die noch fast 20 Prozent der unentschlossenen Wähler überzeugen? Angesichts des allgemeinen Klimas des Misstrauens und der Wut ist nichts weniger sicher.“


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