Zu Gast auf der Buchmesse: Neuerscheinungen in der Kurzkritik

Frankfurt am Main (APA/dpa) - Aus dem gemeinsamen Sprachraum Niederlande und Flandern kommen zur Frankfurter Buchmesse mehr als 450 Neuersch...

Frankfurt am Main (APA/dpa) - Aus dem gemeinsamen Sprachraum Niederlande und Flandern kommen zur Frankfurter Buchmesse mehr als 450 Neuerscheinungen. Einige Empfehlungen aus der Belletristik in alphabetischer Reihenfolge:

De Coster, Saskia: „Wir & ich“

Wir - das ist eine total verkorkste Familie, ebenso reich wie hohl. Und ich - das ist Sarah, die Tochter, die fast erstickt in der Enge und Langeweile. De Coster skizziert sehr ironisch ein großartiges Familienporträt. Das ist so beklemmend, dass einem oft das Lachen im Halse stecken bleibt. (Aus dem Niederländischen von Isabel Hessel. 409 Seiten, Klett-Cotta-Verlag, 23,60 Euro, ISBN 978-3-608-50156-8)

El Azzouzi, Fikry: „Wir da draußen“

Der flämisch-marokkanische Autor (Jahrgang 1978) schuf das mitreißende Porträt einer Jugendclique. Irgendwo in Belgien. Sie hängen herum, wollen Spaß, Mädels und eine Zukunft. Doch keiner will sie. Ziemlich drastisch und sehr authentisch schildert El Azzouzi einen Weg der Radikalisierung. (Aus dem Niederländischen von Ilja Braun. Dumont Verlag, 20,60 Euro, ISBN 978-3-8321-9829-9)

Enquist, Anna: „Die Eisträger“

Die Lehrerin Loes führt mit dem ehrgeizigen Psychiater Nico eine unterkühlte Ehe - die Autorin Enquist, eine Meisterin des psychologischen Romans, seziert genauso kühl den Zerfall der Beziehung. Die Katastrophe erscheint unausweichlich. Die sehr lesenswerte Novelle wurde zur Buchmesse neu aufgelegt. (Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers, 144 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 10,20 Euro, ISBN 978-3-8031-2758-7)

Nooteboom, Cees: „533 Tage“

In seinem Insel-Tagebuch von seiner Wahlheimat auf den Balearen philosophiert der 83-jährige Autor über seinen Garten, die trostlose Situation in Europa und seine Begeisterung fürs All und die Sternbilder. Ein melancholisches Spätwerk, anregend und beglückend. (Aus dem Niederländischen von Helga von Beuningen, Suhrkamp Verlag Berlin, 255 Seiten, 22,70 Euro, ISBN: 978-3-518-42556-5)

Palmen, Connie: „Du sagst es“

Sylvia Plath und Ted Hughes sind das berühmteste Liebespaar der modernen Literaturgeschichte. 50 Jahre nach dem Freitod seiner Frau, lässt Connie Palmen Hughes sprechen. Über ihre leidenschaftliche zerstörerische Liebe. Palmen, Meisterin der (eigenen) Beziehungsdramen, kriecht in Haut und Hirn von Hughes und schafft ein sehr intimes Porträt. (Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers, 288 Seiten, Diogenes Verlag, 22,70 Euro, ISBN 978-3-257-06974-7)

Voskuil, J.J.: „Das Büro 5: Und auch Wehmütigkeit“

Das Leben im Amsterdamer Büro auf mehr als 5000 Seiten: Das Wahnsinns-Projekt von J.J. Voskuil, ein Bestseller in den Niederlanden, liegt jetzt im ersten von sieben Bänden auf Deutsch vor. Es geht um die Jahre 1979 bis 1982. Allerdings wegen seiner endlosen Dialoge anstrengende Lesekost. ( 992 Seiten, Verbrecher Verlag Berlin, 32,90 Euro, ISBN: 978-3-957-32010-0)

Wieringa, Tommy: „Dies sind die Namen“

Fünf illegale Migranten irren durch die Steppe. Wieringa verknüpft ihre mörderisch-quälende Suche nach dem gelobten Land mit der Geschichte des Polizeikommandanten Pontus, der seine Wurzeln sucht. Ein aktuelles Thema, meisterhaft erzählt mit wunderbar leichtem Humor. (Aus dem Niederländischen von Bettina Bach. 272 Seiten, Hanser Verlag, 22,70 Euro, ISBN 978-3-446-24739-0)

Zwagerman, Joost: „Duell“

Eine Konzeptkünstlerin entführt in Amsterdam ein Gemälde von Mark Rothko - der Museumsdirektor zerstört es schließlich. Zwagerman hat eine köstliche Satire auf den zeitgenössischen Kunstbetrieb geschrieben. Witzig, sprachlich versiert und spannend. (Aus dem Niederländischen von Gregor Seferens, Weidle Verlag Bonn, 156 Seiten, 17,50 Euro, ISBN: 978-3-938803-81-3)


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