Die Freude an lautloser Beschleunigung

Das Kennzeichen des Tesla X sind die Flügeltüren. Der Crossover verstärkt das Angebot hochwertiger Elektrofahrzeuge aus den USA.

Über fünf Meter lang und mit Flügeltüren ausgestattet ist das Model X von Tesla.Foto: Werk

Von Peter Urbanek

Wien –Mit 5,04 m Fahrzeuglänge gehört der Tesla X nicht gerade in die Kategorie kompakter Automobile. Das ist auch nicht die Intension des Herstellers, das Zielgebiet ist das Revier der hochwertigen Premiummodelle. Während der Mitbewerb auf der Pariser Autoschau noch mit Jahreszahlen um 2020 für sein Angebot sprach, bietet Tesla nach der Limousine S jetzt auch mit der aus der Reihe der biederen Luxusfahrzeuge tanzenden X-Variante attraktive Alternativen für eine verwöhnte Klientel. Flügeltüren hatten schon immer das Image des Extravaganten, das Mercedes 300 SL Coupé, knapp 1400-mal vor über 60 Jahren produziert, hat diese Einschätzung geprägt.

Der Tesla X präsentiert sich nicht als Sportler, sondern als geräumiges Familienfahrzeug mit drei Sitzreihen für maximal sieben Passagiere. Die Flügeltüren, beim Mercedes waren sie wichtige Teile der Konstruktion, dienen zur Erleichterung des Zutritts zu Sitzreihe zwei und drei. Die so genannten „falcon wings“ sind zweiteilig, haben ein zum Hauptgelenk paralleles zweites Gelenk, wodurch weniger seitlicher Platz beim Öffnen notwendig ist: exakt 30 cm reichen, in der Tiefgarage gibt es kein Problem. Im geöffneten Zustand kann selbst eine groß gewachsene Person unter den Türen aufrecht stehen, der bequeme Ein- stieg zu den Sitzen ist selbstverständlich. Die optische Attraktivität – verbunden mit einer gewissen Alleinstellung im Umfeld der Konkurrenz – sind natürlich gewollte Effekte. Zwei Kofferräume, einer vorne als eine Art Knautschzone, ein weiterer im Heck, erlauben bei fünf Insassen einen Stauraum von 2181 Litern. Der Hersteller spricht von SUV-Konzeption, doch wer will mit diesem Automobil die wunderschönen 22-Zoll-Felgen im Gelände einem Härtetest unterziehen?

Der Tesla X ist kein Sportwagen, doch seine Fahrleistungen und die Beschleunigung katapultieren ihn dank Allradantrieb mit den beiden Elektromotoren – jeweils im Bug und Heck – in das Spitzenfeld der Motorisierung. Der Platz hinter dem Lenkrad entspricht dem Premiumanspruch für eine exklusive Limousine. Auf der Mittelkonsole kein mickriges Navigationsgerät, sondern ein riesiger Bildschirm, der zur Betätigung aller Funktionen einlädt. Schalter und Hebel grüßen als Bekannte, sie wurden bei Mercedes eingekauft. Vorsichtig das Anfahren mit der Automatik, denn fast 773 PS (Angabe des Herstellers) müssen zart behandelt werden. Nach wenigen Fahrsekunden kehrt das Gefühl der Vertrautheit zurück, gute Sicht nach allen Seiten, leichte Führung des fast zwei Tonnen schweren Autos. Die Einladung zur halb­autonomen Fahrweise wird gern angenommen. Es gilt, den Tempomathebel kurz zu drücken, eine Mindestgeschwindigkeit von rund 35 km/h zu erreichen, dann fährt der Tesla X tatsächlich ohne Zutun des Fahrers. Er bremst, hält Abstand, fährt bei Kreuzungen selbstständig an, hält sich in seiner Spur im Stadtverkehr von anderen Mitbewerbern fern, „nur um 90-Grad-Kurven zu fahren, das schafft es noch nicht“. „Hände weg vom Lenkrad“ verlangte die Instruktorin, da gehört eine Portion Überwindung, gepaart mit Misstrauen, dazu. Auf einer verkehrsarmen Nebenstraße dann der Beschleunigungstest. Voll aufs Strompedal getreten drückt es den Fahrer in den Sitz, der Speed ist toll bei völliger Geräuschlosigkeit. Der Hersteller spricht von 3,1 Sekunden auf 100 km/h.

Den Tesla X gibt es in drei Leistungsstufen, 245 kW, 386 kW und 568 kW, das sind 328 PS – 773 PS. Die Reichweiten mit einer Batterieladung liegen im Bereich von 355 km bis 542 km. Eine Schnellladung dauert 20 Minuten, in Innsbruck befindet sich bereits eine Tesla-Ladestation. Aber auch in rund 40 Garagen von Hotels der Oberklasse im Großraum Innsbruck – Kitzbühel – Kufstein warten Ladestationen auf Tesla-Fahrer. X-Modelle sind keine Schnäppchen, die Preisskala reicht von 87.000 bis 159.000 Euro.


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