Hypo-Prozess Amfora Maris - Verteidiger sehen „Flop“ der Anklage

Klagenfurt (APA) - Beim Hypo-Prozess um den kroatischen Getränkeherstellers Amfora Maris am Landesgericht Klagenfurt hat am Donnerstag Staat...

Klagenfurt (APA) - Beim Hypo-Prozess um den kroatischen Getränkeherstellers Amfora Maris am Landesgericht Klagenfurt hat am Donnerstag Staatsanwalt Andreas Höbl Verurteilungen und angemessene Strafen für alle vier Angeklagten gefordert. Deren Anwälte bewerteten den Prozess dagegen als „Flop“ der Anklage, die Vorwürfe seien widerlegt, ihre Mandanten daher freizusprechen.

Die Ex-Hypo-Vorstände Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger, der ehemalige Bankmanager Gerhard Süss sowie ein kroatischer Unternehmer sollen der Hypo durch einen 4,8 Mio. Euro hohen Kredit einen Schaden von 771.800 Euro zugefügt haben. Staatsanwalt Andreas Höbl hatte in seinem Schlussplädoyer denn auch keine Zweifel, dass die Angeklagten das Verbrechen der Untreue begangen hätten. Sie hätten Amfora Maris ohne Besicherungen Kredit gegeben, obwohl Insolvenzgefahr geherrscht habe. Die Angeklagten hätten sich im Wesentlichen mit Schutzbehauptungen verteidigt, die nicht nachvollziehbar seien. Der Staatsanwalt forderte Schuldsprüche für alle vier Angeklagten, wobei bei Gerhard Süss und dem kroatischen Unternehmer die Unbescholtenheit bei der Strafbemessung zu berücksichtigen wäre. Wolfgang Kulterer und Günther Striedinger haben ja bereits einige Verurteilungen ausgefasst.

Kulterers Verteidiger Josef Weixelbaum machte das „Bankendesaster“ in Österreich geltend, für das man Kulterer exemplarisch zur Verantwortung ziehe. Nur weil er an der Spitze der Bank gestanden sei, mache man für alles verantwortlich, was passiert sei. Weixelbaum kritisierte die Anklage, die „unverantwortlich konstruierte Begründungen“ enthalte. Sein Mandant möge vielleicht in gewissen Bereichen „oberflächlich“ gehandelt haben, vorsätzliches Handeln sei ihm jedoch keinesfalls anzulasten. Die Anklage agiere nach dem Motto „irgendwas könnte hängenbleiben“.

Sebastian Lesigang, Striedingers Verteidiger, warf der Anklage ebenfalls vor, mit unbewiesenen Behauptungen zu agieren und zahlreiche Erkenntnisse aus dem Verfahren nicht berücksichtigt zu haben. Die Vorwürfe seien von falschen Voraussetzungen ausgegangen, wie durch zahlreiche Zeugenaussagen während des Prozesses bestätigt worden sei.

Der Anwalt von Gerhard Süss, Peter Ouschan, konstatierte, dass von der Anklage „faktisch nichts übriggeblieben“ sei, das gelte für alle vier Angeklagten. Er warf dem Sachverständigen vor, eine „sehr theoretische“ Betrachtung der Causa vorgenommen zu haben. Roland Grilc, Verteidiger des kroatischen Geschäftsmanns, ging vor allem auf den Vorwurf des Gutachters ein, die Besicherungen in Form von Grundstücken seien nicht werthaltig gewesen. Er rechnete vor, dass sehr wohl ausreichende Vermögenswerte vorhanden gewesen seien.

Nach den Plädoyers zog sich der Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Akiko Kropfitsch zur Beratung zurück.

~ WEB www.heta-asset-resolution.com ~ APA373 2016-09-29/14:33


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