Unter 600 Euro kein Studentenleben

Studieren ist teuer und der neu geregelte Zugang zur Mietzinsbeihilfe sorgt für Ärger. Die besten Jobchancen haben Absolventen von technischen Studien wie Mechatronik.

© Julia Hammerle

Von L. Pircher, B. Warenski

Innsbruck –Es war bereits im Vorfeld ein heikles Thema, das mit diesem Herbst für viele Studenten erstmals zum Tragen kommt: Mietzinsbeihilfe gibt es in Innsbruck für Studenten nicht mehr ab sofort, sondern erst wenn man mindestens drei Jahren seinen Hauptwohnsitz hier gemeldet hat: „Dass das ohne Übergangsfrist neu geregelt wurde, ist für viele Studenten ein Schlag ins Gesicht. Diese Regelung betrifft ja auch alle WGs, wo nun alle Mitbewohner mindestens drei Jahre hier einen Hauptwohnsitz haben müssen, hat dies einer nicht, gibt es keine Mietszinsbeihilfe. Studenten, die keine familiäre Unterstützung haben, trifft das hart“, sagt Katharina Embacher vom Verband der sozialistischen StudentInnen. Im Laufe des Jahres, so Embacher, werde sich herausstellen, dass diese Änderung nicht, wie politisch erwartet, zu einer Senkung der Mietpreise führen werde.

Ohne ihre 125 Euro Mietzinsbeihilfe hätte die Innsbrucker Studentin Johanna F., die seit drei Jahren Wirtschaftswissenschaften studiert, ein Problem gehabt: „Das wäre eine Katastrophe gewesen, weil ich von vornherein diese Beihilfe miteingerechnet habe. Zum Glück betrifft es mich nicht, aber wer die neuen Kriterien nicht erfüllt und keine Unterstützung der Eltern hat, wird es schwer haben.“ Viele, die mit der neuen Regelung um die Beihilfe fallen, seien vertraglich an eine Wohnung gebunden, die sie sich jetzt nicht mehr leisten können. Soziale Härtefälle, versprach Stadtrat Andreas Wanker, würden im Sozialausschuss behandelt werden. Im Schnitt haben Studenten monatlich zwischen 600 und 900 Euro zur Verfügung (siehe Zahlen links), allerdings kostet bereits ein WG-Zimmer in Innsbruck monatlich 400 bis 450 Euro (inkl. Betriebskosten). Garconnieren gibt es erst ab 500 Euro aufwärts (Strom etc. nicht mit eingerechnet). Um rund 100 Euro günstiger, aber auch mit Kosten von 300 bis 400 Euro für das Wohnen, müssen Studenten in Landeck oder Kufstein rechnen – in Landeck sprach sich die Gemeinde zuletzt eindeutig dafür aus, Studenten mit Hauptwohnsitz (auch nach drei Jahren) mittels Mietszinsbeihilfe zu unterstützen.

Unabhängig vom Wohnen spitzt es sich für Studenten bzw. Absolventen am Arbeitsmarkt immer mehr zu. In den besonders begehrten Studienrichtungen ist die Konkurrenz „logischerweise sehr groß“, sagt Armin Haueis vom BerufsInfoZentrum (BIZ) in Innsbruck. Das zeigen auch die Arbeitslosenzahlen des Arbeitsmarktservice Tirol (AMS): Bis dato führt heuer das Ranking der arbeitslos gemeldeten Akademiker die Absolventen der Betriebswirtschaft (145), gefolgt von den Rechtswissenschaften (124). Deshalb ist laut Haueis „Berufspraxis bzw. Zusatzqualifikationen von großer Bedeutung, z. B. in Projektmanagement oder Informatik.“ Wichtig ist, bereits während des Studiums „Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen wie durch Praktika. Hier seien die Fachhochschul-Studiengänge aufgrund des Berufspraktikums im Vorteil gegenüber der Universität.“ Rund 70 Prozent würden bereits während des Studiums arbeiten: „Die meisten Anfragen gehen Richtung Gastgewerbe, weil es sich dort am wenigstens mit dem Studieren spießt“, so Clemens Rosner, Chef des InfoEck.

Aufhorchen lässt in der Statistik noch eine andere Zahl: Als arbeitslos gemeldet sind heuer 86 Mediziner, was neben Psychologie Platz fünf im Arbeitslosenranking ist. Wie es zu dieser hohen Anzahl an arbeitslosen Medizinern kommt, obwohl man händeringend nach Ärzten sucht, kann sich Tirols Ärztekammerpräsident Günter Atzl nur so erklären: „Es werden wohl jene sein, die zwar ein abgeschlossenes Medizinstudium haben, aber keine nachfolgende Ausbildung zum Allgemeinmediziner oder Facharzt. Damit können sie als Arzt nicht arbeiten.“ Gute Aussichten bieten technische bzw. naturwissenschaftliche Studien wie Mechatronik, Maschinenbau, Chemie oder Elektrotechnik. Hier waren heuer keine oder höchsten eine Person als arbeitslos gemeldet. Aufgrund der demographischen Entwicklung sind zudem Studien im Gesundheitsbereich (Physiotherapie, Radiologietechnologie, Logopädie etc.) zukunftssicher.

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