Viel Lärm um viel oder nichts?

Transitforum kritisiert Lärmsituation und will Staatsanwalt einschalten, Asfinag weist Vorwürfe zurück.

© Transitforum

Innsbruck –Transitforumchef Fritz Gurgiser eröffnet wieder das Lärm-Match mit der Autobahngesellschaft Asfinag. „Lärm macht krank, der von der Asfinag gerechnete Lärmpegel entspricht nicht der Realität“, will er jetzt sogar mit einer Sachverhaltsdarstellung wegen Körperverletzung bzw. fahrlässiger Körperverletzung die Staatsanwaltschaft einschalten. Die Dienstanweisung für die Lärmmessungen sind für ihn das Grundübel. 995 Lärmpegelmessungen ließ das Transitforum seit 2014 in Vomp, Zirl, Schönberg, Ampass und Grins durchführen. „Die Grenzwertüberschreitungen betrugen bis zu 300 Prozent bei Tag und 350 Prozent bei Nacht“, betont Gurgiser.

Der Transitforumchef fordert jetzt eine Änderung der Lärmmessungen, einen österreichweiten Lärmkatas­ter und eine verursachergerechte Finanzierung der Lärmschutzmaßnahmen aus Vignetten-, Maut- und Roadpricingerlösen. Für Gurgiser benötige es mehr (leiseren) Drainasphalt, Einhausungen, Lärmschutzwände und Schallschutzbauten.

Die Asfinag nimmt die Vorwürfe gelassen. „Die Dienstanweisung ist der derzeitige Stand der Lärmsanierung in Österreich und ein geeignetes Mittel zur Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen, die technisch machbar und wirtschaftlich vertretbar sind“, heißt es. Basierend auf einem rechnerischen Modell könne ein realistisches Bild der Lärmsituation, das vergleichbar und objektiv ist, erstellt werden. Die Asfinang verweist darauf, dass einzeln gemessene Schallpegel nur eine Momentaufnahme darstellen würden. Außerdem habe man in den vergangenen Jahren auch in Tirol umfassende Lärmschutzmaßnahmen entlang der Autobahnen umgesetzt. (pn)

Tschirganttunnel bleibt Zankapfel

Gemeinsam strahlen in Seefeld, dankbar für die Unterstützung beim sektoralen Lkw-Fahrverbot, aber gar nicht „amused" über die Absage an den Tschirganttunnel: Der Besuch von Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SP) löste am Freitag bei Tirols LH Günther Platter (VP) zwiespältige politische Gefühle aus. Die Tiroler Forderung nach dem Bau des Tunnels bleibe aufrecht, teilte Platter dem Minister mit. Neue Zahlen zu 28.000 Fahrzeugen, die durch die Ortschaften am Mieminger Plateau und im Gurgltal fahren, sollen Wien überzeugen. „Wir sind übereingekommen, dass sich die Verkehrsexperten des Landes und des Ministeriums auf Basis dieser Zahlen eingehend mit dem Thema beschäftigen werden", sagte der Landeschef nach einem Gespräch mit Leichtfried.

Die Gefahr einer neuen Transitachse, die außerdem der Alpenkonvention widersprechen würde — bei den Kalkkögeln wird sie ja als Argument gegen die Verbindung ins Treffen geführt —, begegnet Platter mit einem Rechtsgutachten. „Das bestätigt uns, dass das Tonnagelimit von 7,5 Tonnen auch beim Tunnelbau aufrechterhalten werden kann und damit die Gefahr einer neuen Transitstrecke gebannt ist. Eine solche wollen auch wir unter allen Umständen vermeiden."

Kritik übt auch Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer (VP): „Der Fernpass ist die stauanfälligste Strecke in Österreich. Es ist deshalb völlig unverständlich, wenn die Experten des Verkehrsministeriums den Ausbau des Tschirganttunnels als verkehrspolitisch nicht sinnvoll bewerten."


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