Musiktheater Linz: Mit Phileas Fogg und Punch&Judy durchs Opernreich

Linz (APA) - Die Musicalsparte des Linzer Landestheaters hat sich am Samstag erstmals dem Risiko einer Uraufführung gestellt: Komponist Gisl...

Linz (APA) - Die Musicalsparte des Linzer Landestheaters hat sich am Samstag erstmals dem Risiko einer Uraufführung gestellt: Komponist Gisle Kverndokk und Texter Oystein Wiik schicken mit „In 80 Tagen um die Welt oder Wie viele Opern passen in ein Musical?“ Jules Vernes Romanhelden Phileas Fogg durch die Opernwelt. Das Stück braucht Zeit, um in Fahrt zu kommen, kann aber vor allem im zweiten Teil überzeugen.

Phileas Fogg wettet mit seinem Kontrahenten Stuart, dass er es in 80 Tagen um die Welt schafft. Stuart heuert die Detektivin Fionula Fix an, die Fogg und seinem Diener Passepartout folgen und ihnen möglichst viele Steine in den Weg legen soll. Unterwegs treffen die Reisenden auf allerlei Gestalten aus der Opernwelt, geraten regelmäßig in Schwierigkeiten, retten in Indien die Witwe Aouda vor dem Feuertod, und die Liebe kommt natürlich auch nicht zu kurz. Warum die britischen Kasperl-Verwandten Punch und Judy als Erzähler fungieren, ist unklar - vielleicht erleichtert das einmal den Export des Musicals.

Dem Linzer Publikum mag das Konzept, viele Opern zu einem neuen Stück zu mischen, bekannt vorkommen: Erst die letzte große Musical-Produktion, der Märchen-Cocktail „Into the Woods“, funktionierte nach einem ganz ähnlichen Muster - allerdings weit nicht so gut wie „In 80 Tagen um die Welt“. Regie führte beide Male Musical-Chef Matthias Davids, der sich mittlerweile auf ein gesanglich und darstellerisch absolut trittsicheres Ensemble stützen kann.

Die Musik (Bruckner Orchester Linz unter Stefan Diederich) des ersten Teils ist durch die zahlreichen dezenten Opernzitate, die sich rasch wieder verflüchtigen und nie in die Nähe eines Medleys kommen, ein gefälliger akustischer Teppich. Während bei der Musik das Einweben von vielen bekannten Werken in ein neues von Anfang an gut gelingt, hat die Handlung bis zur Pause etwas von einer Patchwork-Decke - wenn Fogg vom Ball der Lustigen Witwe kommend die von der Engelsburg stürzende Tosca auffängt und sich mit Florestan eine Gefängniszelle teilen muss oder Passepartout von Salome einen Drogenrausch verpasst bekommt.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Im zweiten Teil nimmt das Stück aber deutlich Fahrt auf, die sich auf der schrägen Bühne von Hans Kudlich erstaunlich natürlich bewegenden Figuren können plötzlich Profil entwickeln, die Handlung geht eigenständige Wege, Witz, Tempo und einige Gesangsnummern abseits von Opern lassen ein erfrischendes Musical entstehen. Punch und Judy (schräg und schrill: Riccardo Greco und Ariana Schirasi-Fard) mausern sich zu unterhaltsamen Zeremonienmeistern, die Variete-Flair aufkommen lassen.

Daniela Dett als Fionula Fix besticht durch gesangliche Souveränität und Bühnenpräsenz. Passepartout Rob Pelzer darf endlich sein komisches Talent ausspielen. Wenn er seinem Herrn den Gebrauch von Opernarien als Aufrissmasche erklärt, gibt es Szenenapplaus. Ebenfalls die Gunst des Publikums erobert hat Karen Robertson, die die weiblichen Opernparts singt - von einer gelangweilt kaugummikauenden Turandot bis hin zu einer liebestollen Minnie aus dem Goldenen Westen in lila Pluder-Shorts. Als ihm der Fliegende Holländer (Mark Sampson, an das Phantom der Oper erinnernd) ins Gehege kommt, erkennt der von den ständigen Dramen in der Opernwelt zunächst irritierte Zahlenmensch Fogg (Alen Hodzovic als kühler Brite), dass sein Leitsatz „1 plus 1 ist immer 2“ auch in der Liebe gilt.

(S E R V I C E - „In 80 Tagen um die Welt oder Wie viele Opern passen in ein Musical?“, Musik von Gisle Kverndokk, Libretto von Oystein Wiik nach dem Roman von Jules Verne, Deutsch von Elke Ranzinger und Roman Hinze, in deutscher Sprache mit Übertiteln. Musikalische Leitung: Stefan Diederich/Borys Sitarski, Inszenierung: Matthias Davids, Choreografie: Simon Eichenberger, Bühne und Videodesign: Hans Kudlich, Kostüme: Susanne Hubrich. Mit: Alen Hodzovic (Phileas Fogg), Rob Pelzer (Passepartout), Daniela Dett (Fionula Fix), Karen Robertson (Hanna Glawari, Tosca, Turandot, Minnie), Mark Sampson (Fliegender Holländer, Stuart), Riccardo Greco (Punch), Ariana Schirasi-Fard (Judy) u.a. Weitere Vorstellungen am 4., 6., 8., 11., 16., 19., 21., und 25. Oktober um 19.30 Uhr bzw. am 9. und 26. Oktober um 15 Uhr, Musiktheater Linz, Großer Saal. https://www.landestheater-linz.at)

(Bilder von der Fotoprobe sind im AOM mit Datum 29. September abrufbar)


Kommentieren